Estland: Einreisebeschränkungen bislang ohne größere Auswirkungen

TALLINN (dpa-AFX) - Estlands neue Einreisebeschränkungen für russische Staatsbürger haben nach Behördenangaben bislang keine größeren Auswirkungen auf die Situation an der Grenze. "Unsere Arbeit am Grenzübergang läuft gegenwärtig in einem recht normalen Rhythmus ab", sagte der Grenzschützer Mark Smirnov von der Kontrollstelle in Narva am Donnerstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Die Beschränkungen hätten die Arbeitsbelastung "nicht wesentlich erhöht". Auch an den beiden anderen Übergängen an der estnisch-russischen Grenze in Luhamaa und Koidula sei die Lage sehr ähnlich, teilte die Polizei- und Grenzschutzbehörde in Tallinn auf Anfrage mit.

Russische Staatsbürger dürfen seit Donnerstag nicht mehr mit einem von Estland ausgestellten Schengen-Visum in das baltische EU- und Nato-Land einreisen. Bestimmte Ausnahmen gelten jedoch etwa für Russen mit Wohnsitz, Aufenthaltsrecht oder Verwandten in Estland. Weiter einreisen dürfen auch russische Bürger mit von anderen EU-Mitgliedern ausgestellten Visa, die für den gesamten Schengen-Raum mit seinen 26 europäischen Ländern gilt. Estland macht sich daher für einen grundsätzlichen Stopp von Touristenvisa in der EU stark.

"Unser Telefon klingelt öfter als sonst, die Leute fragen, ob sie in ihrem konkreten Fall die Grenze überqueren dürfen", schilderte Smirnov die Situation am ersten Tag am Grenzübergang Narva im Osten des baltischen Landes. Einreiseverbote wegen der neuen Regelung seien bisher "nur vereinzelt" ausgesprochen worden. Dies lag aus Sicht des Grenzbeamten daran, dass sich die Informationen über die Beschränkungen recht gut in Russland verbreiteten und Visuminhaber sich ihr bewusst seien. Weiter habe Estland auch schon seit einigen Monaten keine neuen Touristenvisa mehr ausgestellt.

Nach Behördenangaben passierten zuletzt täglich rund 2500 russische Staatsbürger die Grenze nach Estland - knapp die Hälfte davon mit einem Touristenvisum. Ausgestellt worden seien diese etwa in gleichem Maße von Estland und anderen Schengen-Staaten.