EU lässt weiteren Impfstoff zu

Peter EßER
·Lesedauer: 3 Min.
Dosis des Moderna-Impfstoffs

Die Zulassung eines zweiten Corona-Impfstoffs in der EU nährt die Hoffnung auf eine Beschleunigung der bislang schleppend anlaufenden Impfkampagne. Die EU-Kommission erteilte dem Präparat des US-Konzerns Moderna am Mittwoch eine bedingte Marktzulassung, nachdem die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) grünes Licht gegeben hatte. Nach Einschätzugn von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird dies den aktuellen Engpass bei den Impfstofflieferungen in Deutschland allerdings nicht sofort verringern.

"Wir haben den Impfstoff von Moderna zugelassen, der zweite in der EU", schrieb Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter. "Jetzt müssen rasch Impfungen folgen", erklärte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Die EMA hatte wenige Stunden zuvor eine bedingte Zulassung des Moderna-Mittels "zur Prävention von Covid-19 bei Menschen ab 18 Jahren" empfohlen.

Als ersten Impfstoff hatte die EU kurz vor Weihnachten das Mittel des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer zugelassen. Kurz nach den Feiertagen starteten in den EU-Ländern die ersten Impfungen. Vielerorts liefen diese wegen Produktionsengpässen und logistischer Schwierigkeiten aber nur schleppend an. Am Mittwoch begannen die Niederlande als letzter EU-Staat damit, den Biontech/Pfizer-Wirkstoff zu verabreichen.

Das Serum von Moderna weist in klinischen Studien einen ähnlichen Wirksamkeitsgrad auf wie das von Biontech und Pfizer, hat aber den logistischen Vorteil, dass es bei einer Temperatur von minus 20 Grad statt minus 70 Grad gelagert werden kann. In den USA, Kanada und anderen Ländern wird der Moderna-Impfstoff bereits verabreicht.

Die EU-Zulassung dees Modern-Impfstoffs "gibt zusätzlich Zuversicht", erklärte Gesundheitsminister Spahn. Die ersten Lieferungen seien ab kommender Woche zu erwarten. Im ersten Quartal kann Deutschland demnach aber nur mit zwei Millionen Dosen rechnen. Für einen umfassenden Schutz sind wie auch beim Biontech/Pfizer-Vakzin zwei Dosen nötig. Als Grund für die begrenzte Liefermenge nannte Spahn Engpässe zu Beginn der Produktion.

Die EU hat vergleichsweise wenig Impfstoff bei Moderna bestellt. Wie mit fünf anderen Herstellern hatte Brüssel bereits im Herbst eine Vereinbarung mit dem US-Konzern geschlossen. Demnach stehen den 27 EU-Staaten ab der Zulassung zunächst 80 Millionen Impfstoffdosen zu. Zudem hat die Kommission eine im Liefervertrag vereinbarte Option für 80 Millionen weitere Dosen bereits aktiviert.

Spahn geht nach eigenen Angaben davon aus, dass Deutschland im laufenden Jahr mit 50 Millionen Dosen des Moderna-Präparats einen erheblichen Anteil der für die EU reservierten Dosen erhalten wird. Dies liegt laut Gesundheitsministerium daran, dass andere EU-Staaten die ihnen zustehenden Optionen nicht ausschöpfen. Zusammen mit dem Impfstoff von Biontech erwartet Spahn nach eigenen Worten mehr als 130 Millionen Impfdosen für Deutschland.

Bei Biontech und Pfizer hatte Brüssel zunächst bis zu 300 Millionen Dosen bestellt. Derzeit laufen Verhandlungen, um diese Menge aufzustocken. Bei dem britisch-schwedischen Hersteller Astrazeneca, dem Tübinger Unternehmen Curevac, dem US-Konzern Johnson & Johnson und dem französischen Pharmariesen Sanofi bestellte Brüssel jeweils bis zu 300 Millionen Dosen oder mehr. Keines dieser vier Impfmittel steht derzeit kurz davor, eine EU-Zulassung zu erhalten.

Nach versehentlich von einer belgischen Regierungsvertreterin veröffentlichten Informationen ist das Moderna-Mittel mit 18 Dollar (14,66 Euro) pro Dosis am teuersten. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer liegt demnach bei zwölf Euro pro Dosis. Das in Großbritannien bereits zugelassene Mittel von Astrazeneca schlägt mit nur rund zwei Euro pro Dosis zu Buche. Unter Verweis auf vertraglich vereinbarte Vertraulichkeit hat die EU-Kommission diese Informationen nicht publik gemacht.

pe/gt