EU-Kommission erlaubt ChemChina Übernahme von Syngenta

Syngenta gehört demnächst zu ChemChina

Nach der Zustimmung der US-Wettbewerbsbehörde hat die geplante Übernahme des Schweizer Agrochemieunternehmens Syngenta durch den chinesischen Pflanzenschutzproduzenten ChemChina auch von der EU grünes Licht bekommen. Die EU-Kommission stimmte der Fusion am Mittwoch in Brüssel unter weitreichenden Auflagen zu. Demnach muss die Tochtergesellschaft Adama, über die ChemChina auf dem europäischen Markt aktiv ist, mehrere Geschäftsteile veräußern. Nur so sei "wirksamer Wettbewerb" auf dem Markt für Pflanzenschutzmittel auch in Zukunft gewährleistet.

Syngenta ist der Weltmarktführer für Pflanzenschutzmittel und stellt genmodifiziertes Saatgut her. Während das Schweizer Unternehmen Pflanzenschutzmittel aus selbst entwickelten Wirkstoffen produziert, produziert Adama bislang nur mittels Substanzen von Dritten, die bereits patentfrei auf dem Markt sind. Für die Wettbewerbsbehörde war dies ein ausschlaggebendes Argument, der Fusion zuzustimmen.

Dennoch hätte eine Fusion den Wettbewerb bei Pflanzenschutzmitteln erheblich eingeschränkt. Konkret befürchtete die Wettbewerbsbehörde Auswirkungen auf den Markt für Fungizide, Herbizide, Insektizide sowie Saatgutbehandlungsmittel. ChemChina habe jedoch umfassenden Auflagen zugestimmt, hieß es in der Erklärung.

Demnach will das chinesische Staatsunternehmen weitreichende Geschäftsteile seiner hundertprozentigen Tochter Adama mit Sitz in Israel verkaufen. Dazu gehöre ein "wesentlicher Teil" von bereits vertriebenen Pflanzenschutzmitteln. Darüber hinaus erklärte sich die Tochtergesellschaft bereit, knapp 30 Pflanzenschutzgenerika, die noch in der Entwicklungsphase sind, zu veräußern. Auch Syngenta gab an, einige Produkte an andere Wettbewerber verkaufen zu wollen.

Syngenta versicherte, "dass Landwirte in Europa und auf der ganzen Welt weiterhin Wahlmöglichkeiten haben und von Innovationen profitieren können". Die Transaktion werde "im zweiten Quartal 2017" erwartet. ChemChina hatte Anfang 2016 angekündigt, den Schweizer Saatguthersteller für 40 Milliarden Euro übernehmen zu wollen.

"Die Fusion ist eine schlechte Nachricht für Landwirte und die Umwelt und Ernährungssicherheit in einem Bereich, in dem es bereits eine hohe Konzentration von Marktmacht gibt", erklärte der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling auch mit Blick auf die noch ausstehende Entscheidung über die Fusion des Chemieriesen Bayer mit dem Saatguthersteller Monsanto.

Auch der Umweltverband Friends of the Earth warnte vor den Konsequenzen der Übernahme: "Einer kleinen Anzahl riesiger Konzerne zu erlauben, die Lebensmittelversorgung zu übernehmen, wird schlecht für Bauern, Verbraucher und die Umwelt sein und unsere Landschaften mit ihrem Chemie-basiertem Anbau zerstören", warnte Umweltaktivist Adrian Bebb. Die Übernahme der "Konzern-Goliaths" Bayer und Monsanto müsse unbedingt verhindert werden.

Am Dienstag hatte die US-Wettbewerbsbehörde FTC dem Kauf bereits unter Auflagen zugestimmt. Die Wettbewerbshüter forderten von Syngenta die Aufgabe eines Herbizids, sowie eines Insektizids und Fungizids, für das die Tochter Adama auf dem US-Markt einer der Hauptlieferanten ist.

Erst im März hatte die EU-Kommission dem Zusammenschluss der beiden Chemieriesen Dow und DuPont im Wert von 130 Milliarden Euro zugestimmt. DuPont musste sich allerdings verpflichten, wesentliche Teile seines Pestizidgeschäfts zu verkaufen. Die Wettbewerbshüterin muss auch über die geplante Übernahme des US-Unternehmens Monsanto durch den deutschen Konzern Bayer entscheiden. Bayer hatte für den Kauf 66 Milliarden Euro geboten.

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