Pro Biontech-Ampulle ab sofort sechs statt fünf Impfungen möglich

Martin TRAUTH
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Kommissionspräsidentin von der Leyen

In Deutschland und der EU können ab sofort 20 Prozent mehr Menschen mit dem vorhandenen Corona-Impfstoff des Herstellers Biontech geimpft werden. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA erlaubte am Freitag, dass pro Ampulle sechs und nicht mehr nur fünf Dosen genutzt werden können. Nach Kritik an der unzureichenden Verfügbarkeit von Impfstoff sicherte sich die EU-Kommission gleichzeitig 300 Millionen weitere Biontech-Impfstoffdosen und verdoppelte damit ihre Bestellung auf insgesamt 600 Millionen Dosen.

Die EU hat seit dem Sommer im Auftrag der Mitgliedstaaten bei insgesamt sechs Herstellern mögliche Impfstoffe bestellt. Das Mittel des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer wurde dann kurz vor Weihnachten als erstes gegen Covid-19 zugelassen. Kurz danach starteten in den EU-Ländern die ersten Impfungen.

Mit der EMA-Entscheidung könnten nun mit dem vorhandenen Impfstoff 20 Prozent mehr Menschen geimpft werden, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin. Die EMA wies darauf hin, dass für sechs Impfdosen pro Ampulle spezielle Spritzen verwendet werden müssen. Andernfalls könnten möglicherweise weiter nur fünf volle Dosen gewonnen werden.

Die EU hatte von dem Biontech/Pfizer-Impfstoff ursprünglich 300 Millionen Dosen bestellt. Wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, wird diese Zahl nun auf 600 Milllionen Dosen verdoppelt. Aus der Nachbestellung sollen demnach die ersten 75 Millionen Dosen ab dem zweiten Quartal dieses Jahres geliefert werden. Der Rest soll bis Jahresende folgen.

Bei dem Impfstoff sind zwei Dosen nötig, um die volle Immunität zu erreichen. Wie Biontech und Pfizer am Freitag unter Verweis auf erste Studien mitteilten, ist das Mittel auch gegen die neuartigen Virusmutationen aus Großbritannien und Südafrika wirksam.

Von der Leyen wies Vorwürfe zurück, ihre Behörde habe zu zögerlich Impfstoff bestellt und vergangenes Jahr Angebote für höhere Liefermengen ausgeschlagen. Die Hersteller müssten die Produktionskapazitäten haben, um zügig zu liefern, sagte sie. Dies sei Biontech jetzt der Fall. "Uns ist wichtig, dass nicht im vierten Quartal das Angebot kommt oder im Jahr 2022."

Insgesamt hat die Kommission bis zu 2,3 Milliarden Dosen bei den sechs Herstellern bestellt. Es ist noch offen, ob alle Entwicklungen zum Erfolg führen.

Allein mit den beiden bereits zugelassenen Präparaten von Biontech/Pfizer und des US-Herstellers Moderna habe die EU nun Impfstoff für 380 Millionen Menschen, sagte von der Leyen. Damit seien 80 Prozent der EU-Bevölkerung abgedeckt. Mit überzähligen Impfdosen will die EU auch Drittstaaten versorgen, die sich die Mittel nicht leisten können.

Von der Leyen kritisierte, dass Deutschland unter Umgehung der EU zudem direkt bei Biontech nochmals 30 Millionen Dosen gesondert geordert hat. Alle EU-Staaten hätten sich "rechtlich bindend" darauf verständigt, nur gemeinsam Impfstoffe zu bestellen, sagte von der Leyen. Es könne deshalb "keine Parallelverhandlungen, keine Parallelverträge" geben.

Ein Kommissionssprecher ließ gegenüber Journalisten trotz mehrfacher Nachfragen offen, ob die Behörde gegen den deutschen Alleingang vorgehen wird. Tatsächlich hat die Kommission dies auch nicht im Falle Ungarns getan, das im Herbst den russischen Impfstoffs Sputnik V geordert hatte.

mt/jes