EuGH: Klage auf Entschädigung bei Flugverspätung vor Gericht des Abflugorts

Flugreisende können bei einer Verspätung ihres gebuchten Flugs gegen eine Airline vor dem Gericht des Abflugorts auf Entschädigung klagen. Dies gilt auch bei einer Buchung über ein Reisebüro, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Donnerstag feststellte. Obwohl zwischen dem Reisenden und der Fluggesellschaft kein Vertrag bestehe, könne die Klage vor dem Gericht erhoben werden. (Az. C-215/18)

Im konkreten Fall hatte eine Frau in einem tschechischen Reisebüro eine Pauschalreise gebucht, die einen Flug mit der dänischen Airline Primera Air Scandinavia von Prag nach Keflavik in Island beinhaltete. Weil dieser Flug mehr als vier Stunden verspätet ankam, klagte sie auf eine Ausgleichszahlung von 400 Euro. Ein Gericht in Prag wollte vom EuGH wissen, ob es in dem Fall zuständig ist.

Der Gerichtshof verwies zum einen darauf, dass sich ein Passagier gegenüber einer Airline auf die EU-Fluggastrechtverordnung auch dann berufen könne, wenn kein Vertrag mit der Fluggesellschaft bestehe. Eine entsprechende Klage kann demnach zudem vor dem Gericht des Abflugorts erhoben werden. Über den konkreten Fall muss jetzt das Gericht in Prag entscheiden.