Europäisches Kampfjet-Projekt nimmt wichtige Hürde

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Der neue Kampfjet soll auch die französischen Rafales ablösen

Das Vorzeigeprojekt für einen gemeinsamen europäischen Kampfjet hat eine wichtige Hürde genommen: Nach monatelangem Ringen einigten sich Deutschland, Frankreich und Spanien im Grundsatz über das weitere Vorgehen bei dem Luftkampfsystem FCAS, wie die drei Länder am Montag mitteilten. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sprach von einer "wichtigen Einigung". Der Bundestag kann sich nun kommende Woche mit der Finanzierung befassen.

"Mit dem Kampfflugzeug der Zukunft stärken wir Fähigkeiten, Industrie und Technologie in Europa", schrieb Kramp-Karrenbauer auf Twitter. Bei FCAS (Future Combat Air System) geht es zum einen um die Entwicklung eines neuen europäischen Kampfjets, der ab etwa 2040 dem Eurofighter und der französischen Rafale nachfolgen soll. Das Projekt umfasst aber auch unbemannte Luftfahrzeuge wie Drohnen sowie eine gemeinsame "Gefechts-Cloud", die den Datenaustausch der vernetzten Systeme ermöglichen soll.

In den vergangenen Monaten waren die Absprachen zwischen den EU-Partnern und ihren Industrievertretern schleppender als erhofft verlaufen. Umstritten waren unter anderem die Rechte an den Technologien. Einige Experten warnten sogar schon vor einem möglichen Scheitern des Projekts.

Nach der Einigung zwischen Kramp-Karrenbauer und ihren Kolleginnen aus Frankreich und Spanien, Florence Parly und Margarita Robles, soll nun zunächst ein flugfähiger Prototyps des Kampfjets gebaut werden. Für diesen sogenannten Demonstrator soll der Haushaltsausschuss des Bundestags zunächst 25 Millionen Euro freimachen. Das ist nur ein Bruchteil der erwarteten Gesamtkosten von geschätzten sechs Milliarden Euro für den Prototypen. Die französische Verteidigungsministerin Parly zeigte sich überzeugt, "dass der Demonstrator des künftigen Kampfflugzeugs 2027 fliegt" - ein Jahr später als bisher geplant.

Von einem "Riesenprojekt" hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Anfang Februar anlässlich eines deutsch-französischen Verteidigungsrates mit Präsident Emmanuel Macron gesprochen. Dabei machte sie Druck, "sehr schnell" die Voraussetzungen für eine Abstimmung im Bundestag noch vor der Neuwahl im September zu schaffen. Ansonsten hätte sich das Projekt weiter verzögert, das Berlin und Paris 2017 aus der Taufe gehoben hatten.

Die Federführung hat der französische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Dassault Aviation. Der europäische Flugzeugbauer Airbus ist an der Entwicklung beteiligt. Der Motor für den künftigen Kampfjet soll von dem französischen Unternehmen Safran und dem Münchner Triebwerkshersteller MTU kommen.

Das Kampfjet-Projekt sei "ein Lackmustest" für die sicherheitspolitische Zusammenarbeit in Europa, hatte der Experte Dominic Vogel von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) kürzlich in einer Analyse geschrieben. "Gelingt es nicht, dieses Projekt im europäischen Rahmen zu realisieren, werden größere gemeinsame Rüstungsanstrengungen in Europa zunehmend unwahrscheinlich", betonte er.

lob/bfi