Evakuierung von vier syrischen Städten wird eingeleitet

Mädchen in Aleppo nach ihrer Freilassung durch Rebellen

Nach mehr als einer Woche Verzögerung hat in Syrien die zwischen Regierung und Rebellen vereinbarte Evakuierung von vier belagerten Städten begonnen. Zunächst wurden mehrere Gefangene ausgetauscht, wie Quellen vor Ort und die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichteten. Anschließend sollten tausende Menschen die von Aufständischen umzingelten Städte Fua und Kafraja in der Provinz Idlib sowie die von Regierungstruppen belagerten Städte Madaja und Sabadani nahe Damaskus verlassen.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sah in der unter Regierungskontrolle stehenden Stadt Aleppo, wie zwölf von den Rebellen freigelassene Gefangene ankamen. Neun von ihnen schienen verletzt zu sein. Außerdem wurden acht Leichen nach Aleppo gebracht.

Sana berichtete, vier Kinder und acht Frauen sowie die Leichen von acht "Märtyrern" seien von Idlib nach Aleppo gebracht worden. Zudem seien 19 "Aktivisten", die von der Armee in Fua und Kafraja festgehalten worden waren, in die Rebellengebiete von Idlib gebracht worden. Damit habe die Umsetzung der ersten Phase der Vereinbarung begonnen. Die Dschihadistenallianz Tahrir al-Scham bestätigte den Gefangenenaustausch.

Wann die eigentliche Evakuierung der vier Städte beginnen sollte, war unklar: Ein Regierungsvertreter widersprach Angaben von Bewohnern und örtlichen Verhandlungsführern, wonach die für die Evakuierung vorgesehenen Busse in Madaja und Sabadani bereit standen. Die Busse würden erst in die beiden Städte geschickt, wenn gleichzeitig ein Konvoi nach Fua und Kafraja starte, sagte der Regierungsvertreter der AFP. Er warf den Aufständischen Verzögerungen vor.

Eigentlich hatte die Evakuierung am Dienstag vergangener Woche beginnen sollen. Es gab jedoch Bedenken auf beiden Seiten und weitere Verhandlungen. Der mutmaßliche Giftgasangriff in der Provinz Idlib am Freitag verschärfte zudem die Spannungen.

Insgesamt sind 30.000 Menschen von der Evakuierungs-Vereinbarung betroffen, die im März unter der Vermittlung von Katar und dem Iran zustande gekommen war. Nach der Vereinbarung sollen alle 16.000 Bewohner von Fua und Kafraja nach Aleppo, Damaskus oder in die Provinz Latakia gehen. Zivilisten aus den Rebellen-Hochburgen Madaja und Sabadani können sich auf eigenen Wunsch den bewaffneten Aufständischen anschließen, die die Städte in Richtung der Provinz Idlib verlassen sollen. Durch die jahrelange Belagerung gab es in den vier Städten kaum Lebensmittel und medizinische Versorgung.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen