Ex-Diplomat aus Russland: Selenskyj zu treffen, wäre für Putin eine "Demütigung"

Ex-Diplomat aus Russland: Selenskyj zu treffen, wäre für Putin eine "Demütigung"

Für Wladimir Putin wäre es eine "Demütigung", sich mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj zu treffen, um über ein Ende des Krieges in der Ukraine zu verhandeln.

Das glaubt Boris Bondarev (auch Bondarew), ein ehemaliger ranghoher Diplomat in der russischen UN-Vertretung in Genf (Schweiz). Bondarew hatte im Mai eine E-Mail an Kollegen geschickt, in der er seinen Rücktritt erklärte, weil er sich nach der Invasion der Ukraine "noch nie so sehr für sein Land geschämt" habe. Er wurde zu einem der bekanntesten russischen Überläufer - für den Kreml gilt er als Feind.

Jetzt sagt er im Gespräch mit Euronews, dass es für ihn "glasklar" war, dass Russland "die Grenzen der Vernunft überschritten hatte und in einen Abgrund gestürzt war". Dies sei der Grund für seine Entscheidung gewesen, zu kündigen.

Bondarev lebt derzeit in der Schweiz und wird dort von Sicherheitsbehörden betreut und geschützt. In Zeitungsinterviews mit Schweizer Medien sagte er, er habe Angst um seine Angehörigen und Freunde in Russland, denn in der Heimat stehe ihm ein Strafverfahren bevor.

Mehr als 150 Tage nach Beginn des Krieges sagt Bondarew nun, dass Wladimir Putin mit der Invasion einen "strategischen Fehler" begangen habe und "immer mehr Kanonenfutter" in die Ukraine schicken müsse.

"Es ist wahr, dass jeder Krieg mit Verhandlungen endet. Aber heute sehe ich nicht, dass Verhandlungen das sind, was beide Seiten wollen".

"Er (Putin) will die Ukraine zerschlagen, weil dieses Land seiner Meinung nach kein Recht hat zu existieren. Doch die Ukrainer existieren nicht nur, sie verteidigen sich auch und schlagen zurück", so Bondarew.

Könnte es zu einem persönlichen Treffen zwischen dem russischen Präsidenten und seinem ukrainischen Amtskollegen im Rahmen einer Verhandlungslösung zur Beendigung des Krieges kommen? Boris Bondarew hält das für unwahrscheinlich.

"Putin wird sich niemals mit Selenskyj treffen, wenn er nicht dazu gezwungen wird. Das wäre eine Demütigung für ihn."

"Sie erinnern sich vielleicht, dass Putin Selenskyj öffentlich als "Junkie" bezeichnete und ukrainische Generäle und Offiziere aufforderte, ihn und seine Junkies in Kiew loszuwerden. Stellen Sie sich also vor, wie er sich fühlen würde, wenn er dem ukrainischen Präsidenten die Hand schütteln müsste."

Die russischen Truppen rückten zwar immer noch in der ostukrainischen Donbas-Region vor, die Offensive habe aber "anscheinend an Atem verloren". Russland könne es sich nicht leisten, den Krieg noch lange fortzusetzen:  Das Land verfügt nach Einschätzung Bondarews nicht über die nötigen Ressourcen.

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