Ex-Familienministerin bei Hart aber fair: Frauen selbst schuld am Gehaltsunterschied

Mila Lemke
Freie Autorin
Diskutierten über Gleichberechtigung (von links): Henrike von Platen, Collien Ulmen-Fernandes, Stephan Grünewald, Rainer Hank und Kristina Schröder. (Bild: Screenshot ARD)

Weniger Gehalt, weniger Führungspositionen – dafür mehr Hausarbeit: Warum verlieren Frauen immer noch gegenüber Männern? Muss der Staat eingreifen: mit Quoten und Gesetzen? Oder reicht etwas weibliche Geduld, weil sich selbst Männer auf Dauer bewegen? Diese Fragen stellte Moderator Frank Plasberg in seiner ARD-Talkshow „Hart aber fair” am Montagabend.

Zunächst die Fakten: Frauen verdienen durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer. Deshalb gibt es den jährlichen “Equal Pay Day”. Zuletzt am gestrigen 18. März. Experten nennen vor allen drei Unterschiede für diese Differenz: Frauen bekleiden seltener Führungspositionen, sie arbeiten oft in schlechter bezahlten Jobs und das nicht selten in Teilzeit. Selbst bei vergleichbaren Tätigkeiten – also gleicher Beruf, gleiche Position, gleiche Arbeitszeit – verdienen Frauen immer noch sechs Prozent weniger.

Das waren die Gäste:

Henrike von Platen, Finanzexpertin und Mitinitiatorin des “Equal Pay Day” in Deutschland

Collien Ulmen-Fernandes, Schauspielerin und Moderatorin

Rainer Hank, FAZ-Wirtschaftsredakteur

Kristina Schröder, ehemalige Bundesfamilienministerin der CDU

Stephan Grünewald, Psychologe und Buchautor

Insa Thiele-Eich, promovierte Meteorologin und angehende Astronautin

Daniel Eich, Ehemann und “Spitzenvater des Jahres 2019”

CDU-Politikerin Kristina Schröder begründete die Ungleichheit so: “Die Lohnunterschiede resultieren aus den privaten Entscheidungen der Frauen.” So würden Frauen lieber Germanistik studieren, Männer dagegen Elektrotechnik. Selbst schuld, lautete also das Motto von Schröder, die sich nach ihrer Zeit als Ministerin, mittlerweile vor allem um ihre drei Töchter kümmert.

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FAZ-Redakteur Rainer Hank, der – unabhängig vom Thema – in allem möglichen Talkshows den neoliberalen Konservativen gibt, sah das ähnlich: “Frauen sollen weniger auf die ‘böse Gesellschaft’, ‘böse Politiker’ oder ‘böse Unternehmen’ schimpfen, sondern selbstbewusster verhandeln”, empfahl er.

Wirtschaftsexpertin Henrike von Platen widersprach: “Selbst Frauen, die es in den Vorstand eines Unternehmens geschafft haben, verdienen teilweise nur die Hälfte ihrer männlichen Kollegen”, kritisierte sie.

Schlechtes Gewissen von Frauen schuld am Gehaltsunterschied?

Stephan Grünewald, Psychologe und Buchautor, sagte exakt dasselbe, was er wenige Tage zuvor bei Markus Lanz erzählt hatte: “Männer kippen von einer Funktionspotenz in eine Privatinsolvenz.” Mit dem Satz ulkt er sich wahrscheinlich die kommenden Monate durch die TV-Talks. Soll heißen: Männer seien beruflich sehr selbstbewusst, privat eher verunsichert.

Grünwald, der gerne steile Thesen präsentiert, übertraf sich gestern sogar selbst: Er behauptete: “Frauen wollen viel für ihre Body-Performance tun, ihre Freundinnen bespaßen, sich um die Familie kümmern und beruflich erfolgreich sein.” Doch angetrieben von ihrem Perfektionsanspruch, bekämen sie ein schlechtes Gewissen und mit schlechtem Gewissen könnten sie keine energischen Gehaltsverhandlungen führen.

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Collien Ulmen-Fernandes, Partnerin des Schauspielers Christian Ulmen, glaubt, dass die Ursache eher in tradierten Rollenbildern liegt. So würde es bei ihrem Mann immer als etwas besonderes angesehen, wenn er sich um das Kind kümmert, während dieselbe Leistung bei ihr als normal gelte.

Irdischer Rollentausch in Astronauten-Familie

Gelebte Gleichberechtigung: Insa Thiele-Eich und ihr Ehemann Daniel Eich. (Bild: Screenshot ARD)

Dass Frauen Karriere machen können, bewies Insa Thiele-Eich. Die promovierte Meteorologin könnte im kommenden Jahr die erste deutsche Astronautin auf der Raumstation ISS sein. Während Thiele-Eich für ihre Mission trainiert, kümmert sich ihr Mann, ein Softwareexperte, um die drei Kinder. Dafür verlieh ihm ein Unternehmen den Titel “Spitzenvater des Jahres 2019”.

Thiele-Eich schilderte aber auch die Vorurteile, mit denen sie zu kämpfen habe. So sei die erste Frage im Bewerbungsgespräch gewesen: “Wie machen Sie das mit den Kindern?” Sicher eine Frage, die Männer seltener zu hören bekommen. Thiele-Eich erzählte, die Leute vermuten bis heute, dass sie ihre Kinder in die Kita oder zur Oma gibt. “Die Existenz der Männer als Väter”, monierte die Wissenschaftlerin, “ist vielen nicht bewusst”.

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