Ex-Kinderfrau in den USA wegen Mordes an zwei Kindern schuldig gesprochen

Gedenken an getötete Kinder in Manhattan

In einem tränenreichen Prozess in New York ist eine frühere Kinderfrau schuldig gesprochen worden, zwei ihr anvertraute Kinder mit zahlreichen Messerstichen ermordet zu haben. Die Geschworenen wiesen am Mittwoch (Ortszeit) das Ansinnen der Verteidigung zurück, die 55-jährige Yoselyn Ortega wegen psychischer Probleme für unzurechnungsfähig zu erklären. Wegen ihrer Tat im Oktober 2012 droht ihr nun lebenslange Haft.

Das Strafmaß gegen Ortega soll am 14. Mai verkündet werden. Die Frau hatte die sechsjährige Lucia und deren zweijährigen Bruder Leo im Badezimmer der elterlichen Wohnung in Manhattan mit einem Küchenmesser erstochen. Lucias Leiche wies etwa 30 Stiche auf und Hinweise, dass sie versucht hatte, sich gegen die Attacke ihrer Kinderfrau zu wehren.

Nach zweitägigen Beratungen befanden die zwölf Geschworenen die 55-Jährige für schuldig. Wie US-Medien berichteten, brach der Vater der getöteten Kinder, Kevin Krim, bei der Verkündung der Jury-Entscheidung in Tränen aus und murmelte an die zwölf Geschworenen gerichtet ein "Danke".

Während der sechswöchigen Verhandlung hatte die Anklage dargelegt, dass Ortega die Taten geplant habe. Ihr Motiv seien finanzielle Probleme und Neid auf den Wohlstand der Familie Krim gewesen. "Jeder Stich, jeder Hieb. Jeder davon hatte ein Ziel. Das Ziel war es, das Leben dieser Kinder zu beenden", sagte Vize-Bezirksstaatsanwalt Stuart Silberberg in seinem Schlussplädoyer.

Ortegas Anwältin Valerie Van Leer-Greenberg hatte hingegen auf Grundlage psychiatrischer Gutachten auf Schuldunfähigkeit plädiert. Ihre Mandantin habe zum Tatzeitpunkt unter einer Psychose und Depressionen gelitten und Stimmen gehört, die ihr befohlen hätten, die Kinder zu töten. Die Verteidigerin führte aus, Ortega habe ihre psychischen Probleme geheim gehalten aus Angst, ihren Job zu verlieren.

Lucias und Leos Mutter Marina Krim hatte während ihrer Aussagen vor Gericht Ortega als "Lügnerin" und "böse" beschimpft. Die heute 41-Jährige hatte die blutüberströmten Leichen ihrer Kinder gefunden, als sie mit ihrem dritten Kind in Panik nach Hause in der schicken Upper West Side gefahren war, weil Ortega Lucia nicht wie vorgesehen zum Tanzkurs gebracht hatte.

Einer der Geschworenen schilderte die Entscheidung über den Schuldspruch vor Journalisten als äußerst schmerzvoll. Es sei "eine schwierige Entscheidung für uns alle" gewesen, sagte David Curtis, selbst Vater zweier erwachsener Kinder, unter Tränen.

Manhattans leitender Staatsanwalt Cyrus Vance lobte in einer Pressekonferenz die "Gewissenhaftigkeit" der Geschworenen, die sie in diesem "unglaublich schwierigen und herzzerreißenden Prozess" bewiesen hätten. Zugleich sprach Vance den Eltern der getöteten Kinder seine Anteilnahme aus: "Kein Elternteil sollte mit dem Verlust eines Kindes konfrontiert sein, besonders nicht durch die Hand von jemandem, dem sie völlig vertraut haben."

Der Fall hatte berufstätige Eltern in aller Welt schockiert. Er inspirierte die französische Autorin Leila Slimani zu einem Bestseller, der die Beziehung zwischen einer berufstätigen Mutter und einem Kindermädchen analysiert. Das Buch "Dann schlaf auch du" wurde mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

Kevin und Marina Krim haben mittlerweile zwei weitere Kinder bekommen und eine Stiftung gegründet, die kreative Angebote für Kinder in Krisensituationen fördert.