Experten sehen Vorhersagen für mehr Extremwetter bestätigt

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Überflutungen bei Erftstadt

Expertinnen und Experten sehen in der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands einen deutlichen Hinweis darauf, dass die Folgen der Erderwärmung nun vielerorts spürbarer werden. "Die Menschheit verlässt gerade den klimatischen Wohlfühlbereich", sagte der Kieler Klima-Wissenschaftler Mojib Latif am Mittwoch auf einer Veranstaltung des Deutschen Klimakonsortiums (DKK). Auch die DKK-Vorstandsvorsitzende Astrid Kiendler-Scharr verwies auf diesen Zusammenhang.

Zwar lässt sich grundsätzlich kein unmittelbarer Kausalzusammenhang zwischen dem Klimawandel und einem einzelnen Extrem-Wetterereignis belegen. In der Klimaforschung gibt es jedoch einen breiten Konsens, dass die Erderwärmung die Wahrscheinlichkeit für solche Ereignisse massiv erhöht. Latif verwies auf bereits vor Jahren veröffentlichte Studien, wonach allein die Erwärmung des Mittelmeers zu mehr Extrem-Niederschlägen unter anderem in genau den Regionen Westdeutschlands führen werde, die von der aktuellen Katastrophe betroffen sind.

Der Grund dafür liege darin, dass wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen könne und zwar in einer Exponentialfunktion. So könne die Menge des Wasserdampfs, der dann zu Starkregen führen kann, bei einer Erwärmung der Luft um ein Grad um das Sieben- bis 14-fache zunehmen, erläuterte Latif.

Kiendler-Scharr sagte unter Hinweis auf Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), in Verbindung mit dem Klimawandel habe in den vergangenen 70 Jahren die Zahl der Tage mit Starkregen in Deutschland um fünf Prozent zugenommen. Zugleich sei dabei eine höhere Intensität zu beobachten. Dies sei ein Punkt, der deutlich mache: Der Klimawandel ist nicht nur real sondern auch "er ist gefährlich", warb sie für raschere und entschiedenere Gegenmaßnahmen.

Die Wissenschaftlerin Kiendler-Scharr machte auch deutlich, dass es hier auf jedes Zehntelgrad Erwärmung ankomme. Bei einer Erderwärmung um 1,5 Grad verglichen mit dem vorindustriellen Niveau seien Prognosen zufolge elf Prozent der Landfläche der Erde von mehr Starkregen-Ereignissen betroffen, bei einer Erwärmung um zwei Grad seien dies global bereits 21 Prozent.

"Das Risiko steigt", warnte die Expertin. Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mahne dazu, "die Klimaziele jetzt wirklich umzusetzen". Auch Latif kritisierte, die Politik neige dazu, sich auf das Setzen neuer Ziele zu beschränken. Dagegen fehle es am politischen Willen zu konkreten Maßnahmen, kritisierte er weiter. Es sei immer leicht, über Emissionssenkungen 2030 oder 2040 zu diskutieren, sagte auch Hauke Schmidt vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Es müsse aber jetzt gehandelt werden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler äußerten sich anlässlich der Beratungen des Weltklimarats IPCC über die Endfassung des ersten Teils seines neuen Sachstandsberichts. Dieser Teil, in dem es um naturwissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels geht, soll am 9. August veröffentlicht werden. Weitere Teile des neuen Sachstandsberichts sollen im kommenden Jahr vorliegen.

bk/cha

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