Exzellenzstrategie der Regierung sorgt für Kritik im Osten

Armin Willingmann

Nach der Kür der Exzellenz-Universitäten gibt es in Ostdeutschland Kritik daran, dass die Bundesregierung nur wenige dortige Hochschulen fördert. Neben der Exzellenzstrategie würden spezielle Förderprogramme und Wettbewerbsformate benötigt, "die stärker auf den Osten ausgerichtet sind", sagte der digitalpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tankred Schipanski (CDU), den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Samstag. Ähnlich äußerten sich SPD sowie Ländervertreter aus dem Osten.

Bundeswissenschaftsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte am Freitag zehn Hochschulen und den Verbund aus den Berliner Universitäten zu Exzellenz-Unis gekürt. Zu den Geförderten gehört neben dem Berliner Verbund aus Humboldt-Universität, Technischer Universität, Freier Universität und der Universitätsmedizin Charité im Osten nur noch die TU Dresden. Für die Gewinner des Verfahrens stehen jährlich insgesamt 148 Millionen Euro zur Verfügung, von denen der Bund drei Viertel trägt.

"Die ostdeutschen Universitäten verfügen historisch nicht über eine seit Jahrzehnten gewachsene Verbundforschung, sehr wohl aber über exzellente Forschung", sagte Schipanski. Mit dem Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse bedürfe es deshalb "eines eigenen Förderrahmens, um die universitäre Spitzenforschung im Osten zu stärken und ihre Potenziale gezielt zu heben".

Der Sprecher der ostdeutschen SPD-Bundestagsabgeordneten, Frank Junge, sagte den RND-Zeitungen: "Mit der Vergabe des Exzellenzprädikats an insgesamt elf Hochschulen gab es die Möglichkeit, eine Vielzahl von Bildungseinrichtungen an unterschiedlichen Standorten zu fördern." Doch mit der Entscheidung der Exzellenzkommission konzentriere sich die Unterstützung auf jeweils eine ostdeutsche Uni in Dresden und in Berlin sowie wenige alte Bundesländer. Damit blieben "in Ostdeutschland weiterhin große weiße Flecken".

Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt seien zum Beispiel gar nicht Teil der Exzellenzstrategie, fügte Junge hinzu. Und Hochschulen, die wie Jena oder Chemnitz bereits über ein Exzellenzcluster verfügten, "konnten die erweiterten Antragsvoraussetzungen nicht erfüllen und waren somit von vornherein aus dem Rennen".

Auch Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) nannte es im MDR "bedauerlich", dass nicht mehr ostdeutsche Universitäten gefördert würden. Willingmann sprach dabei von einem strukturellen Problem. "Wenn Sie sich anschauen, wer jetzt bei den elf Geförderten dabei ist, dann sind es im Grunde die Metropoluniversitäten, die auch in der Vergangenheit zu den Reicheren gehörten, in den reicheren Ländern", sagte er. Viele verfügten über eine sehr lange Tradition und hätten deshalb andere Forschungsstrukturen sowie längere internationale Kontakte aufgebaut.

Auch Sachsen-Anhalt habe noch Nachholbedarf, räumte Willingmann ein. So müssten etwa Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen noch enger zusammenarbeiten. Um Forscher aus dem Ausland anzulocken, brauche es außerdem eine erstklassige kulturelle Infrastruktur in Stadt und Land.