EZB rechnet mit 3,5 % Inflation 2023, will Zinsen erst im Juli anheben

Die Rekordinflation im Euroraum zwingt Europas Währungshüter zum Gegensteuern. Im Juli will die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals seit elf Jahren die Zinsen wieder anheben, im September könnte der zweite Zinsschritt folgen:Teuerungsrate von zwei Prozent als idealen Wert für die Wirtschaft an.

EZB-Chefin Christine Lagarde sagte: "Die hohe Inflation ist eine große Herausforderung für uns alle. Der EZB-Rat wird sicherstellen, dass die Teuerungsrate mittelfristig zu unserem Ziel von 2 % zurückkehrt. Wir beabsichtigen, die Leitzinsen bei unserem geldpolitischen Treffen im Juli um 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Wir gehen davon aus, sie dann im September erneut anzuheben."

Es ist dies ein historischer Wendepunkt nach mehr als zehn Jahren mit Niedrigstzinsen.

Die EZB rechnet mit 3,5 % Inflation im kommenden Jahr und 2,1 % im Jahr 2024.

In der Mitteilung heißt es: Die hohe Inflation ist für uns alle eine große Herausforderung. Der EZB-Rat wird dafür sorgen, dass die Inflation mittelfristig auf das Ziel von 2 % zurückkehrt.

Im Mai stieg die Inflation erneut deutlich an, vor allem wegen der stark gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise, die auch auf die Auswirkungen des Krieges zurückzuführen sind. Der Inflationsdruck hat sich jedoch ausgeweitet und verschärft, da die Preise für viele Waren und Dienstleistungen stark gestiegen sind. Die Experten des Eurosystems haben ihre Basisinflationsprognosen deutlich nach oben korrigiert. Diese Projektionen deuten darauf hin, dass die Inflation für einige Zeit unerwünscht hoch bleiben wird. Es wird jedoch erwartet, dass die sinkenden Energiekosten, das Nachlassen der pandemiebedingten Versorgungsunterbrechungen und die Normalisierung der Geldpolitik zu einem Rückgang der Inflation führen werden.

Die neuen Projektionen der Kommissionsdienststellen gehen von einer jährlichen Inflationsrate von 6,8 % im Jahr 2022 aus, bevor sie auf 3,5 % im Jahr 2023 und 2,1 % im Jahr 2024 zurückgehen soll - höher als in den Vorhersagen vom März. Die Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel wird den Vorhersagen zufolge im Jahr 2022 durchschnittlich 3,3 %, im Jahr 2023 2,8 % und im Jahr 2024 2,3 % betragen und damit ebenfalls über den Projektionen vom März liegen.

Gleichzeitig senkte die EZB ihre Wachstumsprognose auf 2,8% für 2022 und 2,1% für 2023.

Die EZB hinkt vielen anderen Notenbanken in der geldpolitischen Straffung hinterher. In den USA und Großbritannien wurden die Zinsen bereits vor Monaten deutlich angehoben. Kritiker werfen der den europäischen Währungshütern immer wieder vor, viel zu langsam zu agieren.

Die Renditen von Bundesanleihen sind in Erwartung einer strafferen Geldpolitik und eines Endes der milliardenschweren EZB-Anleihenkäufe bereits gestiegen.

Nun ist das Ende der Netto-Anleihenkäufe zum 1. Juli 2022 beschlossen, die nächste Sitzung des EZB-Rates ist für den 21. Juli angesetzt.

Die Bauzinsen, die nicht direkt von EZB-Zinsentscheidungen abhängig sind, sondern sich an der Verzinsung von Bundesanleihen orientieren, sind bereits gestiegen.

Höhere Zinsen treffen vor allem diejenigen, die ein neues Darlehen brauchen oder eine Anschlussfinanzierung für einen Immobilienkredit. Bei laufenden Hypothekenkrediten ändert sich nichts an der Zinshöhe.

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