Fünf Themen des Tages: Evergrande nicht pleite, Europas Gaskrise

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(Bloomberg) -- Evergrande nicht pleite, Euro-Industrie ächzt unter Materialstress, europäische Aktien steigen, Biden bekräftigt Verteidigungszusage für Taiwan, und Europa droht winterlicher Energie-Egoismus. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

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Evergrande nicht pleite

China Evergrande Group hat informierten Kreisen zufolge die drohende Zahlungsunfähigkeit abgewendet. Ein Anleihekupon wurde demnach vor Ablauf der Frist an diesem Wochenende beglichen. Anleihegläubiger werden die Zahlung über umgerechnet rund 72 Millionen Euro noch vor Samstag erhalten, hieß es. Eine 30-tägige Gnadenfrist für den Kupon wäre dann abgelaufen. Den ursprünglichen Zahlungstermin hatte der finanziell strauchelnde Konzern verpasst. Chinesische Ramsch-Dollar-Anleihen stehen damit vor ihrer besten Woche seit fast einem Jahrzehnt. Nach dem Anstieg am heutigen Freitag haben sie in dieser Woche um etwa 4,5 Cent pro Dollar zugelegt und sind damit auf Kurs, den größten Wochengewinn seit 2012 einzufahren. Dennoch bleibt Evergrande “ein lebender Toter”, heißt es bei den Analysten.

Euro-Industrie ächzt unter Materialstress

Die sich verschärfende Versorgungskrise hat den stärksten Produktionsrückgang im französischen verarbeitenden Gewerbe seit den Coronavirus-Lockdowns im vergangenen Jahr verursacht und die Wachstumsdynamik in Deutschland erheblich gedämpft. Einige Produzenten berichten von “schweren Verzögerungen” bei den Vorleistungen, wie aus Umfragen unter Einkaufsmanagern hervorgeht. Den Erhebungen von IHS Markit zufolge nahm der Inflationsdruck inmitten der Engpässe zu. Die Wirtschaftstätigkeit insgesamt fiel in Deutschland im Oktober auf ein Achtmonatstief. Frankreich hielt sich etwas besser dank eines Aufschwungs bei den Tourismusdienstleistungen. Der Bericht dürfte für Gesprächsstoff beim EZB-Treffen in weniger als einer Woche sorgen.

Europäische Aktien steigen

Die europäischen Aktien stiegen zum Wochenschluss dank beruhigender Unternehmenberichte und der Evergrande-Nachrichten. Der Stoxx 600 Europe Index lag gegen Mittag um 0,5% im Plus und näherte sich damit den Rekordhochs vom letzten Sommer. Konsumgüter- und Technologiewerte führten die Gewinne an. “Wir sind der Meinung, dass sich den Anlegern bei europäischen Aktien Chancen bieten, wenn sich das globale BIP wieder beschleunigt, die Auftragsbestände abgearbeitet sind und die Regale wieder aufgefüllt werden”, so Brian Nick von Nuveen. In Deutschland fielen Siltronic nach Veröffentlichungen zum Zeitplan der Übernahme durch Global Wafers, konnten sich aber von den Tagestiefs erholen.

Biden bekräftigt Verteidigungszusage für Taiwan

Die USA fühlen sich der Verteidigung Taiwans gegen einen chinesischen Angriff verpflichtet, sagte Präsident Joe Biden. Es war eine seiner deutlichsten Aussagen zur Verteidigung der demokratisch regierten Insel, die von China als abtrünniges Territorium angesehen wird. “Ich will keinen Kalten Krieg mit China - ich will China nur zu verstehen geben, dass wir nicht zurückweichen werden, dass wir keine unserer Ansichten ändern werden”, sagte Biden auf CNN. Nach Angaben des Weißen Hauses stellt dies keine Änderung der US-Politik dar. Erst zu Beginn des Monats stand Taiwan im Mittelpunkt miliärischer Machtdemonstrationen, als 56 Jets der Volksbefreiungsarmee in die Luftverteidigungszone Taiwans eingedrungen waren. Davor hatten die USA und ihre Verbündeten ungewöhnlich große Manöver mit drei Flugzeugträgern in der Region abgehalten.

Europa droht winterlicher Energie-Egoismus

Angesichts einer noch nie dagewesenen Energieknappheit in Europa überlegen Politiker, wie sie im bevorstehenden Winter ihre Bürger vor der Kälte schützen können. Wenn sich die Knappheit verschlimmert, könnten Regierungen dazu übergehen, den Verkauf von Erdgas und Strom an andere Regionen zu drosseln und im Extremfall zu stoppen, was eine politische und wirtschaftliche Krise auslösen würde. “Ich bin in den letzten 20 Jahren in mehreren Ländern bedroht worden”, sagte Marco Alvera, CEO des italienischen Energie-Infrastrukturunternehmens Snam. “Politische Priorität ist es, die eigene Wählerschaft zu halten”. Spanien wird ab November keine Erdgaslieferungen mehr über seine wichtigste Importpipeline erhalten, was den Beginn einer möglichen Energieversorgungskrise beschleunigt.

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