Aus für "Financial Times Deutschland" offenbar besiegelt

Gruner + Jahr-Vorstand soll Entschluss gefasst haben

Das Aus für die Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" (FTD) ist laut einem Bericht beschlossene Sache. Der Vorstand von Gruner + Jahr (G+J) habe entschieden, dass sich der Hamburger Verlag weitestgehend aus dem Geschäft mit Wirtschaftsmedien zurückziehe, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ohne Nennung von Quellen. Für die "Frankfurter Rundschau" gibt es indes Kaufinteressenten.

Die "FTD" solle eingestellt, die Zeitschriften "Impulse" und "Börse Online" verkauft werden, berichtete die "FAZ" ohne Angaben von Quellen. Der entsprechende Beschluss sei am Dienstag gefällt worden. Nur das Wirtschaftsmagazin "Capital" wolle G+J behalten. Es solle von Berlin aus fortgeführt werden.

Ausschlaggebend für den Rückzug von G+J aus den Wirtschaftsmedien sei die schlechte Ertragslage in dem Geschäft, berichtet die "FAZ". Sinkende Anzeigenerlöse und fallende Auflagen dürften demnach in diesem Jahr zu einem Verlust von rund 15 Millionen Euro führen. Davon entfielen gut zehn Millionen Euro auf die "FTD".

Bereits in den vergangenen Tagen war über ein Aus für die "Financial Times Deutschland" und andere Wirtschaftstitel aus dem Hause Gruner + Jahr spekuliert worden. Am Mittwoch soll es eine Aufsichtsratssitzung bei dem Verlagshaus geben.

Für die insolvente "Frankfurter Rundschau" (FR) gibt indes erste Kaufinteressenten, wie ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters sagte. Es liefen Gespräche mit "mehreren Interessenten". Es handle sich dabei um "namhafte" Verhandlungspartner. Insolvenzverwalter Frank Schmitt habe "das Gefühl, dass es ernsthafte Interessenten" sind.

Einzelheiten zu den möglichen Käufern wie etwa, aus welcher Branche sie kommen und ob es sich um Investoren aus Deutschland oder anderen Ländern handelt, wollte der Sprecher nicht nennen. Grund hierfür sei, dass die Gespräche "noch ganz am Anfang" stünden. Demnach hatten die Verhandlungen am Montag begonnen.

Das Verlagshaus der "Frankfurter Rundschau" hatte vergangene Woche beim Amtsgericht Frankfurt am Main überraschend Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Die bisherigen Haupteigentümer, die Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding DDVG, nannten als Grund massive Umsatzverluste, aufgrund derer sie keine Perspektive zur Fortführung der FR mehr gesehen hätten.

In der deutschen Medienbranche sorgen derzeit mehrere Ereignisse für Beunruhigung. Das Aus für die "Financial Times Deutschland" wäre ein neuer Höhepunkt. Anfang Oktober bereits hatte die Nachrichtenagentur dapd teilweise Insolvenz angemeldet.

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