Für „klimafreundliches Verhalten“ - Wasserattacken in Barcelona - Kopenhagen gibt Touristen jetzt Geld

Der berühmte "Nyhavn" in Kopenhagen: Die dänische Metropole will Touristen jetzt für klimafreundliches Verhalten belohnen<span class="copyright">Alexander Spatari/Getty Images</span>
Der berühmte "Nyhavn" in Kopenhagen: Die dänische Metropole will Touristen jetzt für klimafreundliches Verhalten belohnenAlexander Spatari/Getty Images

Wasserpistolen oder Geldanreize? Die Spritz-Attacken auf Touristen in der spanischen Metropole Barcelona sorgten für Aufsehen. Die dänische Hauptstadt Kopenhagen geht einen anderen Weg: Sie lobt finanzielle Belohnungen für Touristen aus – wenn sie sich klimafreundlich verhalten.

66 Prozent Steigerung: Seit 2015 werden die durchschnittlichen Mieten für die Einwohner Barcelonas immer teurer . Die Gründe: Vielfältig. Neben einem Mangel an Neubauwohnungen sind auch Bestandswohnungen, die für viel Geld über Portale wie Airbnb angeboten werden, ein großer Faktor. Einige Demonstranten griffen am vergangenen Wochenende zu einer kontroversen Aktion , um ihrem Ärger Luft zu machen:

Neben abgesperrten, bei Touristen beliebten Bereichen spritzten die Demonstrierenden auch einige Leute mit Wasserpistolen an und riefen „Tourist go home“, zu deutsch: „Geht nach Hause, Touristen“.  Der Bürgermeister von Barcelona kündigte indes an, ab 2028 keine neuen Genehmigungen für Airbnb und vergleichbare Portale zuzulassen.

Barcelona ist nicht die erste bei Touristen beliebte Stadt, die ob des Booms überfordert ist und zu teils drastischen Maßnahmen greifen muss: Der Zutritt zur beliebten Altstadt von Dubrovnik war zeitweise beschränkt und ist mit Rollkoffer nicht mehr erlaubt , im italienischen Venedig müssen Tagestouristen mittlerweile eine Steuer in Höhe von fünf Euro zahlen und auf Mallorca gilt seit diesem Jahr ein Alkoholverbot entlang der Strandpromenade.

Dass es auch anders gehen kann, zeigt der Inbegriff des Skandi-Gemütlichkeit-Hypes: Kopenhagen.

Dänen machen es eben anders

In Kopenhagen hat die nationale Tourismusbehörde ein Programm ins Leben gerufen, das Touristen zu einem klimafreundlichen und nachhaltigem Verhalten ermuntern soll: „ CopenPay “ gilt ab dem 15. Juli bis zum 11. August und arbeitet derzeit mit 24 verschiedenen Partnern der Stadt zusammen. Diese liegen alle bei verschiedenen Touristenattraktionen, zum Beispiel beim Kopenhagener Stadtmuseum oder der Dänischen Nationalgalerie.

Das Programm fußt auf drei Säulen: Fahrrad fahren, öffentliche Verkehrsmittel und Wartungsarbeiten. Auf der Website von CopenPay können sich Interessierte über das Angebot informieren und für eine Aktivität vorab anmelden. Wer beispielsweise mit dem Fahrrad oder dem Öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, kommt in den Genuss folgender Belohnungen:

  • ein Gratis-Kaffee am Kanalhuset oder ein kostenloses Getränk auf der Rooftop Bar „Level Six“

  • Extra-Zeit am CopenHill mit Skifahren verbringen

  • eine kostenlose Bootstour durch Kopenhagen

Es besteht allerdings auch die Option, sich für eine Belohnung zu engagieren:

  • Gärtnern im Urban Garden für ein kostenloses Mittagessen

  • Hafen säubern für eine Gratis-Kajak-Tour oder

  • Kostenloser Kaffee und Backwaren für alle, die Müll im Stadtpark sammeln.

Alles für die „Experience“

„Wir müssen den Tourismus von einer Bürde für die Umwelt in eine Kraft für positive Veränderung verwandeln“, sagt Mikkel Aarø-Hansen, Chef der offiziellen Tourismusagentur Kopenhagens. „Es ist eins unserer Kernziele, das Reisen nachhaltig zu machen. Dabei werden wir nur Erfolg haben, wenn wir die große Kluft überwinden zwischen dem Bedürfnis der Besucher, nachhaltig zu handeln, und ihrem tatsächlichen Verhalten.“ Das sei komplizierter, als es klingt, fügt Aarø-Hansen hinzu. „Wir wollen, dass die Besucher bewusste, grüne Entscheidungen treffen und damit hoffentlich ein noch besseres Reiseerlebnis haben.“

Aarø-Hansen hofft, dass der Erfolg der Aktion zu einem Nachahmer-Effekt in anderen Städten führt. CopenPay setzt dabei ganz auf einen neuen Reise-Trend: Die sogenannte „ Experience Economy “, bei der einzigartige Erfahrungen im Mittelpunkt stehen. Kopenhagen wirbt nun damit, dass Touristen die Stadt durch ihre klimafreundlichen Aktivitäten „wie ein Local“ erfahren können – und könnte damit bei Reisenden auf ein offenes Ohr stoßen. Denn niemand möchte heutzutage nur noch „Tourist“ sein.