"Zu anstößig" - Facebook entfernt Foto von Brustkrebs-Überlebender


Nachdem sie den Kampf gegen ihren Brustkrebs gewonnen hatte, ließ sich die Kanadierin Inga Duncan Thornell tätowieren – und zwar dort, wo sich früher ihre Brüste befanden. Ein Foto von dem Tattoo sorgt zwölf Jahre später auf Facebook für Furore. Das soziale Netzwerk verbietet "anstößige" Nacktfotos. Doch das Bild wurde immer wieder hochgeladen. Bis Facebook schließlich klein bei gab.

Kürzlich veröffentlichte das Tattoo-Kollektiv "Custum Tattoo Design" aus dem kanadischen Bundesstaat Ontario auf seiner Facebook-Seite ein Foto. Es zeigt den nackten Oberkörper einer Brustkrebs-Überlebenden, den eine bustierförmige, großflächige Tätowierung ziert. Mit dem Bild, das ursprünglich in dem Buch "Bodies of Subversion: A Secret History of Women and Tattoo" erschienen ist, wollen die Künstler von Custom Tattoo Design anderen Betroffenen Mut machen. Doch Facebook-Administratoren entfernten es, da Nacktfotos in dem sozialen Netzwerk verboten sind. Die Reaktion der Kanadier: Sie luden es erneut hoch – und auch ein zweites Mal, nachdem es wieder aus ihrem Profil verschwunden war.

Um gegen die pauschalisierende Zensur bei Facebook zu protestieren, forderten die Tattookünstler schließlich ihre Facebook-Freunde dazu auf, das Foto zu teilen. "Dieses Tattoo gehört einer Frau, die Brustkrebs hatte", steht darunter geschrieben. Facebook wolle den Beitrag löschen, weil er die Vorschriften verletze. "Weil wir aber der Meinung sind, dass diese Frau tapfer und stark ist, werden wir ihn trotzdem veröffentlichen und bitten um Aufmerksamkeit und Unterstützung." Das Bild wurde ein Hit, mit über 170.000 "Gefällt mir"-Klicks. "Wer das anstößig findet, ist meiner Meinung nach nicht ganz bei Trost", lautet einer der unzähligen Kommentare unter der Aufnahme. "Es ist ein wunderbares und kreatives Beispiel, wie man eine Tragödie in etwas Schönes umwandeln kann."

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Mittlerweile ist auch der Name der Besitzerin des vieldiskutierten Tattoos bekannt: Inga Duncan Thornell. "Dieses Tattoo ist ein Gemeinschaftswerk der Tätowiererin Tina Bafaro und mir selbst, um die Narben der Brustentfernung zu verdecken", erklärt Thornell in ihrem Blog "Dunthor.com". Thornell und Bafaro wirkten nach der Fertigstellung des Körperkunstwerkes im Jahr 2001 in einer Fernsehdokumentation über tätowierte Frauen mit. Die Geschichte stieß bereits damals auf großen Anklang. Im Zeitalter von Facebook verbreitete sie sich nun erneut und mindestens doppelt so schnell. Sie sei eigentlich ein zurückhaltender Mensch, so Thornell. "Wenn es das alles dazu beiträgt, dass mehr Frauen sich wohler in ihrem Körper fühlen, dann nehme ich es aber gerne in Kauf, mich ein bisschen zu schämen."

Offenbar haben die Facebook-Administratoren mittlerweile resigniert – zumindest haben sie Thornells Foto in den vergangenen Tagen nicht mehr aus dem Profil von Custum Tattoo Design entfernt.








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