Facebook entfernt Querdenker-Netzwerk von seinen Plattformen

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Facebook-Logo (AFP/Kirill KUDRYAVTSEV)

Der US-Internetriese Facebook hat eigenen Angaben zufolge ein Querdenker-Netzwerk von seinen Plattformen entfernt. Wie das Unternehmen am Donnerstagabend mitteilte, entfernte es Nutzerkonten, Seiten und Gruppen, die von Mitgliedern betrieben wurden, die "mit der Querdenken-Bewegung in Deutschland in Verbindung stehen". Diese hätten auf mehreren Plattformen zur Gewalt gegen die angebliche "Coronadiktatur" der Regierung aufgerufen.

Nach Facebooks Erkenntnissen erstreckten sich die Aktivitäten der Querdenker-Gruppe "über mehrere Internetdienste im gesamten Netz". Die Personen hinter dem Netzwerk hätten teilweise mehrere Konten gleichzeitig genutzt, um Falschinformationen und Hassbotschaften zu verbreiten. Nach Unternehmensangaben wurden weniger als 150 Konten, Seiten oder Gruppen entfernt.

Der bei Facebook für die weltweite Sicherheit zuständige Manager, Nathaniel Gleicher, sowie der für Politik im deutschsprachigen Raum zuständige Facebook-Manager Semjon Rens erklärten, dass die Beiträge der betroffenen Nutzer "konsequent" gegen Facebook-Regeln gegen "gesundheitsschädliche Falschinformationen, Aufruf zur Gewalt, Mobbing, Belästigung und Hassrede verstoßen" hätten. Das Unternehmen sei deshalb wiederholt gegen entsprechende Beiträge vorgegangen.

"Die Inhalte bergen in der vorliegenden Form das Potenzial, in reale Gewalt umzuschlagen und auch in anderer Form gesellschaftlichen Schaden anzurichten", erklärten Gleicher und Rens weiter. Sie betonten auch, dass die Querdenker "reale Gewalt gegen Menschen ausgeübt" hätten, die "im Journalismus, bei der Polizei oder im Gesundheitswesen" arbeiten.

Deshalb habe sich das Unternehmen erstmals zu dem Schritt entschlossen, nicht nur einzelne Beiträge oder Nutzerkonten, sondern gleich ein komplettes Netzwerk von seinen Plattformen Facebook und Instagram zu entfernen. "Auch wenn wir Querdenken nicht grundsätzlich auf unserer Plattform verbieten, werden wir die Lage weiter beobachten und Maßnahmen ergreifen", sobald Facebook weitere Verstöße gegen seine Nutzungsregeln feststelle, erklärten Gleicher und Rens.

Mit dem Vorgehen wendet Facebook neue Regeln für "neue Arten von bedrohlichen Netzwerken" an. Habe der Schwerpunkt beim Vorgehen gegen schädigendes Verhalten zunächst auf "nicht authentischen Aktivitäten" auf Facebook gelegen, bei denen Akteure ihre tatsächliche Identität verschleiern, gehe es nun auch um "authentische" Akteure, "deren Verhalten zu gesellschaftlichem Schaden führen kann", erklärte der Online-Riese.

"Koordinierte Kampagnen mit dem Ziel der Gesellschaft zu schaden, gehen in der Regel von Netzwerken aus, die hauptsächlich aus authentischen Nutzern und Nutzerinnen bestehen." Bei einer "gut organisierten Gruppe" übersteige "das Gefahrenpotenzial, das durch die Gesamtheit der Aktivitäten des Netzwerks verursacht wird, die Auswirkungen jedes einzelnen Beitrags bei Weitem". Facebook wendet deswegen Cybersicherheits-Methoden an, die normalerweise für anonyme Akteure vorgesehen sind, hinter denen häufig Staaten wie Russland stehen.

Facebook wird immer wieder aufgefordert, mehr gegen die Verbreitung von Falschinformationen und Hassrede im Netz zu tun. Zugleich will das Online-Netzwerk sich nicht dem Vorwurf der Zensur aussetzen.

Facebook-Sicherheitsmanager David Agranovich sprach bei einer Pressekonferenz von einer "komplexen Herausforderung". Es müsse zwischen jenen Gruppen unterschieden werden, die sich für sozialen Wandel einsetzen würden, und Netzwerken, die Schaden anrichten könnten.

fs/noe

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