Facebook-Missbrauch: Häftlinge verhöhnen Opfer

Von der Außenwelt sind Häftlinge im Gefängnis abgeschnitten. Doch über das Internet suchen sie via Facebook und Co. den Kontakt nach „draußen“. In Großbritannien sollen sich in den vergangenen zwei Jahren knapp 350 Gefängnisinsassen über Handys Zugang zu sozialen Netzwerken verschafft haben. Die Plattformen nutzten sie unter anderem dazu, um ihre Opfer zu verhöhnen.

Eigentlich ist es Häftlingen nach Informationen der britischen Tageszeitung „Daily Mail“ untersagt, das Internet zu nutzen. Doch dank ins Gefängnis geschmuggelter Handys können sie dieses Verbot einfach umgehen. Auf diese Weise hätten etwa 350 Gewaltverbrecher – darunter auch Mörder – die sozialen Netzwerke nutzen können, berichtet das Blatt. Einige von ihnen seien so in Kontakt mit ihren Opfern und deren Familien getreten, um sie zu verspotten, andere wiederum sollen auf diese Weise sogar ihre kriminellen Machenschaften aufrecht erhalten haben. Zudem bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass Dutzende anderer Häftlinge ohne das Wissen der Behörden in den sozialen Netzwerken posten. 

Die Vorfälle werfen Fragen über Sicherheitsmängel in Gefängnissen auf. Zudem machten sie die Situation für viele Opfer noch schlimmer, beklagen Opferverbände. Javed Khan, Vorstandvorsitzender von der Organisation „Victim Support“, erklärte laut „Daily Mail“: „Täter, die im Gefängnis Facebook benutzen, machen aus der eigentlichen Haftstrafe eine Farce. Indem sie Opfer und Zeugen einschüchtern, streuen sie Salz in die Wunde.“ Khan verlangt schärfere Sicherheitskontrollen. Unterstützung bekommt er dabei von anderen Organisationen, darunter auch „Families Fighting for Justice“. Ihre Gründerin Jean Taylor forderte auch die sozialen Netzwerke zu einer stärkeren Überwachung solcher Vorgänge auf.

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Erstmals sah sich das britische Justizministerium vor zwei Jahren mit dem Problem konfrontiert. Damals wurden 30 Facebook-Accounts geschlossen, nachdem festgestellt worden war, dass Gefängnisinsassen über diese Accounts ihre Opfer beleidigt hatten. Unter anderem hatte Unterweltboss Colin Gunn aus dem Knast heraus über das Internet weiterhin für Angst und Schrecken in der Außenwelt gesorgt. „Eines Tages werde ich nach Hause kommen und ich kann es nicht abwarten, in die Augen mancher zu blicken und darin die Angst zu sehen, dass ich da bin“, zitiert das Blatt aus einem Facebook-Eintrag.

Seitdem wurden zwischen Juli 2009 und Juni 2011 in Folge von polizeilichen Untersuchungen etwa 350 weitere Profile auf sozialen Netzwerken von Gefängnisinsassen lahmgelegt. „Häftlinge haben keinen Zugang zum Internet und dürfen ihre Facebook-Konten nicht aktualisieren oder von jemandem außerhalb des Gefängnisses aktualisieren lassen. Wenn sie es doch tun, dann werden ihre Accounts geschlossen“, erklärte ein Gefängnissprecher laut „Daily Mail“. Wenn man sie mit einem Mobilfunktelefon oder einer anderen Schmuggelware erwische, müssten sie mit Konsequenzen rechnen. Ein Facebook-Sprecher erklärte außerdem: „Wenn etwas geschieht, was gegen unsere Nutzungsbestimmungen verstößt, werden wir hart durchgreifen und es entfernen."

Doch bei den präventiven Maßnahmen im Kampf gegen die Internet-Nutzung haben die  Behörden bislang noch nicht das entscheidende Patentrezept gefunden. Zwar werden Besucher mit Körperscannern abgesucht, damit sie keine Geräte in die Anstalten hineinschmuggeln können. Doch offenbar findet sich immer wieder ein Schlupfloch. Auch sind technische Vorrichtungen, mit denen der Handy-Empfang im Gefängnis blockiert werden sollen, noch nicht ausgefeilt genug.

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