Faktencheck: FFP2-Masken können das Coronavirus aus der Luft filtern

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Eine Mitarbeiterin verpackt FFP2-Masken in einer Fabrik bei Landshut (Bild: Reuters/Andreas Gebert)
Eine Mitarbeiterin verpackt FFP2-Masken in einer Fabrik bei Landshut (Bild: Reuters/Andreas Gebert)

In Deutschland gilt eine verschärfte Maskenpflicht. Das bedeutet: In öffentlichen Verkehrsmitteln sowie in Geschäften müssen medizinische Schutzmasken getragen werden - einfache OP- oder auch FFP-2-Masken. Parallel dazu geht in den sozialen Medien die Behauptung um: “... hilft alles nicht...” (hier archiviert). Denn die Hersteller selbst schlössen in den Gebrauchsanweisungen aus, dass FFP-2-Masken wirksam gegen Viren wie Sars-CoV-2 schützen.

Bewertung: Experten widersprechen: Zwar bieten auch FFP2-Masken keinen 100-prozentigen Schutz, sie filtern aber nachweislich Sars-CoV-2-Viren aus der Luft. Dass einzelne Hersteller in ihren Gebrauchsanweisungen dennoch warnen, die Masken schützten nicht gegen Viren, hängt womöglich mit Haftungsfragen zusammen.

Fakten: Auf den kursierenden Bildern von Gebrauchsanweisungen zu FFP-2-Masken ist tatsächlich der Warnhinweis zu lesen: “Nicht gegen Partikel radioaktiver Stoffe, Viren und Enzyme.” Allerdings: Die Abbildungen sind weder mit einem Quell-, noch einem Datumsverweis versehen. Daher ist nicht nachzuvollziehen, wie aktuell die Anweisungen sind.

Sogenannte FFP-Masken (englisch für: “Filtering Face Piece”) wurden ursprünglich nicht im medizinischen Bereich, sondern im Handwerk eingesetzt - etwa als Schutz gegen Staub oder ölige Partikel. Doch genau wie medizinische Masken müssen auch FFP-Masken strenge Normen einhalten, in diesem Fall die Europäische Norm “EN 149:2001+A1:2009”. Dieser entsprechend müssen FFP2-Masken mindestens 94 Prozent, FFP3-Masken sogar mindestens 99 Prozent der Testaerosole filtern. Diese messen im Durchmesser zwischen 0,045 und 1,2 Mikrometer, also millionstel Meter. FFP-Masken, die diese Tests erfolgreich durchlaufen haben, tragen ein CE-Kennzeichen.

Die Filterleistung wird dabei nicht mit echten Viren untersucht - weder in der Vergangenheit, noch aktuell. “Dies wäre sehr gefährlich”, teilt ein Sprecher des Teams "Wiederverwendung von FFP2-Masken" auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Der Expertenkreis an der Fachhochschule Münster erforscht seit Monaten die Wirksamkeit von FFP2-Masken. Ein “Virentest” sei aber aber auch nicht erforderlich. Die Prüfung mit Testaerosolen aus Natriumchlorid (NaCl) lasse entsprechende Rückschlüsse auf die Infektionsschutzwirkung zu.

100-prozentigen Schutz bietet keine Maske

Denn: Das Virus Sars-CoV-2 hat - laut Robert Koch-Institut - einen Durchmesser von 0,08 bis 0,14 Mikrometer. Jedoch verlässt das Virus den Körper stets in einer Flüssigkeitshülle, als sogenanntes Aerosol. Dadurch ist es deutlich größer: mindestens 0,5 Mikrometer. Wie die FH Münster auf ihrer Webseite in einem Schaubild darstellt, werden die Sars-CoV-2-Aerosole darum mit großer Sicherheit vom Filtermaterial der FFP2-Masken gebunden. Sehr viel kleinere Aerosole dringen - möglicherweise - noch hindurch. Allerdings gibt es Hinweise, dass Aerosole, die weniger als einen Mikrometer groß sind, nicht zu Infektionen führen können. 100-prozentigen Schutz aber vermag keine Maske zu bieten.

Und dennoch: Die pauschale Behauptung, FFP2-Masken seien ein unwirksamer Schutz gegen Sars-CoV-2, entbehrt einer faktischen Grundlage.

Die Münsteraner Experten mutmaßen, die Hinweise in einzelnen Gebrauchsanweisungen könnten folgenden Hintergrund haben: Bestimmte Viren wie das Parvovirus seien mit etwa 0,01 Mikrometer Durchmesser deutlich kleiner als Sars-CoV-2 - und würden womöglich nicht von FFP2-Masken gefiltert. “Darum schließen einige Hersteller die Wirksamkeit ihrer Masken - vermutlich zum eigenen Schutz vor Haftungsansprüchen - in ihren Gebrauchsanweisungen aus.”

Auch die Faktenchecker des Bayerischen Rundfunks recherchierten zur Wirksamkeit von FFP2-Masken - mit den gleichen Ergebnissen.

Video: So schützen FFP2- und OP-Masken