Faktencheck: Indien bezweifelt nicht Existenz von Mutation

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Menschen warten in Kolkata auf die Corona-Impfung (Bild: REUTERS/Rupak De Chowdhuri)
Menschen warten in Kolkata auf die Corona-Impfung (Bild: REUTERS/Rupak De Chowdhuri)

Die Bemühungen Indiens, den Begriff "indische Variante" beim Coronavirus aus der Welt zu schaffen, schlagen in sozialen Netzwerken hohe Wellen.

Bei einem oft geteilten Facebook-Beitrag (hier archiviert) wird behauptet, es gebe "keine indische Corona-Mutation". Das habe die indische Regierung auch so klargestellt.

Bewertung

Indien hat die Existenz der im Land dominierenden Corona-Variante niemals in Frage gestellt. Der Regierung des südasiatischen Landes missfällt aber, dass B.1.617 als "indische Variante" bezeichnet wird und will das unterbinden.

Fakten

Der Erreger Sars-CoV-2 trägt die allgemeine Bezeichnung "Coronavirus", doch bei den Varianten wird es schon schwieriger. Statt von der "indischen", der "südafrikanischen" oder der "brasilianischen" Variante lässt sich zwar auch von B.1.617, B.1.351 oder P.1 sprechen - jenseits wissenschaftlicher Experten dürfte dann aber kaum noch jemand folgen können.

Die inzwischen in vielen Ländern verbreitete Corona-Variante B.1.617 wird auch deshalb "indische Variante" genannt, weil sie in dem südasiatischen Land entdeckt wurde. Da die Mutante als besonders ansteckend gilt und deshalb weltweit Ängste schürt, hat die indische Regierung soziale Netzwerke zur Entfernung von Inhalten aufgefordert, die den Begriff "indische Variante" enthalten.

Das heißt: Die indische Regierung will lediglich den Begriff "indische Variante" vermeiden. Dabei geht es nicht - wie behauptet - darum, das Coronavirus oder dessen Variante B.1.617 zu leugnen.

Umstrittene Länder-Labels

In einem Schreiben beruft sich die Regierung auf die Weltgesundheitsbehörde WHO, die demnach in keinem ihrer Berichte den Begriff im Zusammenhang mit der zuerst in Indien erfassten Variante B.1.617 verwendet habe. Eine Google-Suche zeigt aber, dass es sehr wohl Berichte der WHO gibt, in denen der Begriff vorkommt. Vertreter des indischen Gesundheitsministeriums sprachen zudem selbst bei früheren Presseterminen wiederholt von der "britischen" und der "südafrikanischen Variante".

Experten wie die Soziologin und Sprachforscherin Brigitte Nerlich von der Universität Nottingham in England halten es aber allgemein für problematisch, den Virusvarianten Länder-Labels aufzukleben "Diese länderspezifischen Namen eignen sich sehr gut für negatives Framing, das mit ausländer- und migrantenfeindlichen Einstellungen einhergeht", so Nerlich. Ein Beispiel dafür sei der frühere US-Präsident Donald Trump, der Sars-CoV-2 wiederholt als "China-Virus»" bezeichnet hatte.

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