Falsche Finanzberatung kostet Deutsche Milliarden

Studie: Bürger zahlen 50 Milliarden Euro zu viel

Verbraucher verlieren bei der privaten Vorsorge fürs Alter und in anderen Finanzangelegenheiten durch mangelhafte Beratung und Information einer Studie zufolge über 50 Milliarden Euro pro Jahr. Alleine 16 Milliarden Euro entfielen auf Einbußen aus Lebensversicherungen, wie es in einer Studie im Auftrag der Grünen im Bundestag heißt. Die Grünen kritisierten, Kunden zahlten "überhöhte" Gebühren.

Bei Lebenssversicherungen etwa entstünden vielen Verbrauchern Verluste, wenn sie diese Verträge vor Ablauf der in aller Regel langjährigen Laufzeit kündigten, hieß es in der Untersuchung des Finanzwissenschaftlers Andreas Oehler von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. So würden etwa über drei Viertel der auf 30 Jahre abgeschlossenen Verträge vorzeitig beendet. Verbraucher seien oft nicht über die Kosten informiert, die bei einer solchen vorzeitigen Beendigung entstünden. Nach Angaben der Versicherungsbranche entstehe durch eine jährliche Stornoquote von vier Prozent ein Schaden von 16 Milliarden Euro.

Immer mehr Untersuchungen kämen zu dem Schluss, dass Kapitallebens- und private Rentenversicherungen "für die überwiegende Zahl der Verbraucher kein sinnvolles Produkt darstellen", hieß es in der Untersuchung. Von einem Neuabschluss sei daher abzuraten.

Noch größer seien die Verluste durch Investitionen von Privatanlegern in den sogenannten grauen Kapitalmarkt, hieß es in der Untersuchung. Beim grauen Kapitalmarkt handelt es sich um einen vergleichsweise wenig regulierten Teil des Kapitalmarktes. Daher kommt auch der Name.

Bei den auf dem grauen Kapitalmarkt angebotenen Finanzprodukten, handle es sich um Geldanlagen, die den meisten Verbrauchern weniger geläufig seien dürften, hieß es in der Untersuchung. Beispiele seien etwa Unternehmensbeteiligungen, Genussscheine, sogenannte Termingeschäfte, offene Immobilienfonds oder auch geschlossene Fonds. Nicht selten seien in diesem Markt auch "windige Vermittler" aktiv, hieß es in der Studie. Der Finanzschaden für Verbraucher auf dem grauen Kapitalmarkt werde jährlich auf 30 Milliarden Euro geschätzt.

Bei der Riester-Rente verschenkten viele Verbraucher Geld, weil diese die ihnen zustehenden staatlichen Zulagen nicht beantragten, Die Zulagenförderung werde "nur sehr unzureichend in Anspruch genommen". Ein knappes Fünftel der berechtigen Personen bekomme weniger als die Hälfte der Grundzulage. Insgesamt dürften sich die Schäden daraus auf eine Milliarde Euro belaufen.

Ebenfalls eine Milliarde Euro könnten die Finanzschäden für Verbraucher im Bereich der privaten Immobilienfinanzierung betragen, hieß es in der Untersuchung. Diese kämen etwa dadurch zustande, dass diese Möglichkeiten zur sogenannten Sondertilgung von Krediten nicht nutzten. Es sei davon auszugehen, dass viele Anbieter Verbraucher nicht auf Sondertilgungsmöglichkeiten hinwiesen.

Bei einer Sondertilgung zahlen Verbraucher ein Darlehen über die vereinbarten regulären Raten hinaus zusätzlich ab. Dadurch verringern sich die gesamte Schuldenlast und auch die Höhe der weiteren Zinszahlungen.

Grünen-Verbraucherexpertin Nicole Maisch forderte angesichts der Untersuchungsergebnisse gesetzliche Grenzen für Gebühren und Provisionen, die Verbraucher bei Abschluss von Finanzgeschäften zählen müssten. Solche Abgaben dürften "nicht länger an der Rente der Sparer zehren".

Quizaction