Fan wegen Marx-Buch aus dem Stadion geworfen

Ben Barthmann
Sports Editor

Kurioser und zugleich bedenklicher Vorfall in Brasilien: Bei einem Spiel der Fußball-Mannschaft von Palmeiras wurde ein Fan aus dem Stadion gebracht. Er hatte auf der Tribüne ein Buch von Karl Marx gelesen.

Die Fans von Palmeiras fühlten sich offenbar "unwohl". (Bild: Reuters)

Mehreren Medienberichten aus Brasilien zufolge hatte der 67-Jährige während der Partie gegen Flamengo das Buch von Marx hervorgeholt und daraus gelesen. In einem auffälligen Kostüm verkleidet, wurde er von Sicherheitskräften angesprochen und wenig später aus dem Stadion geführt.

Der Verein begründete die Maßnahme damit, dass sich andere Fans aufgrund des Kostüms und des Buches von Marx unwohl gefühlt hätten. Brasilianische Medien gingen davon aus, dass Palmeiras einen politischen Konflikt mit Jair Bolsonaro, bekennender Fan des Vereins, vermeiden wollte.

Bolsonaro dürfte kein Fan des Marxismus sein

Der brasilianische Staatspräsident ist im politischen Spektrum eher rechtspopulistisch bis rechtsextrem einzuordnen und dürfte entsprechend wenig Übereinkünfte mit dem historischen Theoretiker Marx haben. Dessen Marxismus entstand im 19. Jahrhundert und setzte sich, sehr grob gesagt, für eine Gesellschaft ohne Klassen ein.

Insofern dürfte das Lesen des Buches im Stadion des Vereins, dessen Fan Bolsonaro ist, durchaus als stiller Protest zu verstehen sein. Welche Konsequenzen die Abführung für den Fan hatte, ist aktuell nicht bekannt.