Fast schon wieder 'business as ususal' für Leihmütter in der Ukraine

Fast schon wieder 'business as ususal' für Leihmütter in der Ukraine

Als Russland in die Ukraine einfiel und auch bald die Hauptstadt Kiew unter Beschuss geriet, war man in den Reproduktionskliniken, die Leihmütter betreuen, schon auf den Ernstfall vorbereitet.

Die Schutzkeller gefüllt mit Lebensmitteln und allen Produkten, die Babys in ihren ersten Wochen brauchen könnten, zogen sowohl Leihmütter als auch Neugeborene, Angestellte, und Wunscheltern, die zum Abholen gekommen waren, unter Tage.

Nach nur wenigen Tagen waren allein unter der Aufsicht der Firma BioTexCom Dutzende Babies in den Kellern zur Welt gekommen. Mitte März warteten 30 Neugeborene, von ihren Eltern im Ausland abgeholt zu werden.

Seit der russischen Invasion sind bei BioTexCom 90 Babys zur Welt gekommen. Immer mehr Eltern können ihre Babys auch abholen, erzählt Pressesprecherin Maria Holumbovska. Ausreiseformalitäten wurden vereinfacht, sodass eine ukrainische Geburtsurkunde für das Baby ausreicht, um in die neue Heimat zu gelangen. Auch die deutsche Botschaft nehme Passanträge entgegen.

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Eine Pflegerin küsst ein Leihmutter-Baby in Kiew, 12. März 2022 - Rodrigo Abd/AP

Juristische Probleme in Frankreich

Bezahlte Leihmutterschaft ist in der Ukraine legal, das Land hat sich als eines der weltweit günstigsten und reibungslosesten Orte für die Praxis einen Namen gemacht. Schätzungen zufolge kommen so jedes Jahr zwischen 2.000 und 4.000 Kinder auf die Welt.

Reproduktionskliniken rieten Leihmüttern, das Land nicht zu verlassen, da die Anerkennung des Kindes durch ausländische Eltern dann sehr schwierig werden kann. Dennoch kamen unter anderem in Frankreich seit Beginn des Krieges in der Ukraine mindestens fünf Leihmütter-Babys zur Welt.

Weil dies ein Weg sei, das Verbot der Leihmutterschaft zu Umgehen legte der Verein "Juristes pour l'enfance" (Juristen für Kinder) Klage ein. Die Mutter bringe das Kind anonym zur Welt, der Wunschvater erkennt das Baby dann an und die Wunschmutter beantragt dann die Adoption des Neugeborenen.

Neue Schwangerschaften entstehen

Zwar sind die Babys in Kiew weiter in den Kellern untergebracht und auch die werdenden Mütter gehen dorthin, wenn die Sirenen ertönen, doch es kehre eine Art Alltag wieder ein, so Holumbovska. Das könne man auch daran sehen, dass sich auch viele Frauen melden, die Leihmütter werden oder Eizellen spenden wollen.

Für Paare, die auf der Warteliste standen, werden auch wieder Embryos bei ausgesuchten Leihmüttern eingesetzt: "Wir führen jetzt ein normales Leben und hoffen, dass bald der Frieden einkehren wird."

Rodrigo Abd/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.
Ein Pfleger gibt einem Neugeborenen seine Milchflasche in einem Keller in Kiew, 19. März 2022. - Rodrigo Abd/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.
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