FBI-Vizedirektor McCabe kurz vor Pensionierung gefeuert

Andrew McCabe bei einer Anhörung im Kapitol. US-Justizminister Jeff Sessions hat den früheren Vizedirektor des FBI, Andrew McCabe, zwei Tage vor dessen Pensionierung gefeuert. Foto: Alex Brandon/AP

Seit Tagen geht es hin und her, zum Schluss zeigt die Regierung Trump volle Härte: Der Ex-Vize des FBI wird gefeuert. Dabei wäre Andrew McCabe in zwei Tagen eh pensioniert worden. Im Hintergrund dürften, einmal mehr, die Russlandermittlungen stehen. Und eine alte Bekannte.

Washington (dpa) - Lange schon stand er in der Schusslinie Donald Trumps, nun bekommt er die volle Härte des US-Präsidenten zu spüren: Der frühere Vizedirektor der US-Bundespolizei FBI, Andrew McCabe, ist in der Nacht zum Samstag gefeuert worden.

Am Sonntag, seinem 50. Geburtstag, sollte der Agent in Rente gehen - im 21. Jahr beim FBI. Trump feierte die Entlassung. «Andrew McCabe GEFEUERT, ein großartiger Tag für die hart arbeitenden Männer und Frauen des FBI - Ein großartiger Tag für die Demokratie», twitterte Trump. «Der scheinheilige James Comey war sein Boss und ließ McCabe wie einen Chorknaben aussehen. Er wusste alles über die Lügen und Korruption auf höchster Ebene beim FBI.»

McCabe stand unter anderem im Rampenlicht während der Untersuchungen rund um die E-Mail-Affäre von Ex-Außenministerin Hillary Clinton. Er hatte die Aufsicht über die Ermittlungen in der Affäre um Trumps Gegnerin im Präsidentschaftswahlkampf. Die Untersuchungen führten zu keiner Strafverfolgung. Trump war darüber völlig fassungslos gewesen.

Es wird vermutet, dass die Nichtanklage Clintons einer der wesentlichen Gründe für McCabes Entlassung so kurz vor der Pensionierung war: US-Medien schrieben, dass er zu einem späten Sündenbock dafür gemacht werden sollte, dass Clinton nicht juristisch belangt wurde. Durch die vorzeitige Entlassung kommt er nun nicht in den vollständigen Genuss aller Pensionsansprüche.

Der offizielle Vorwurf lautet, McCabe habe einem Reporter interne Informationen verraten und später bei Befragungen darüber falsche Angaben gemacht, mehrfach auch unter Eid. So zitieren amerikanische Medien US-Justizminister Jeff Sessions, der McCabe entließ. Der Druck Trumps auf Sessions soll zuletzt erheblich gewesen sein.

McCabe, der noch am Vortag im Justizministerium in eigener Sache vorgesprochen hatte, widersprach den Vorwürfen in einer Erklärung vehement: Niemals habe er den Ermittlern etwas Falsches berichtet. McCabe erhob schwere Vorwürfe gegen die Regierung Trump. Dieser wolle nur seine Reputation und die des FBI-Sonderermittlers Robert Mueller beschädigen.

Der ehemalige Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Brennan, kritisierte Trump heftig für die Entlassung McCabes. «Wenn das volle Ausmaß Ihrer Käuflichkeit, moralischen Verderbtheit und politischen Korrumpierung bekannt wird, werden Sie als Demagoge in Schande Ihren rechtmäßigen Platz im Mülleimer der Geschichte einnehmen», antwortete Brennan auf den Tweet Trumps. «Sie können Andy McCabe zum Sündenbock machen, aber Sie werden Amerika nicht zerstören ... Amerika wird über Sie triumphieren.»

McCabe war seit Anfang 2016 stellvertretender Direktor der Bundespolizei und war auch in die Ermittlungen um die Einmischung Russlands in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 stark eingebunden. Er gehörte zu den ersten in den Reihen des FBI, die eine mögliche Zusammenarbeit von Trumps Wahlkampfteam mit Russland zur Beeinflussung der Wahl untersuchten.

Als Vizedirektor diente er unter James Comey, den Trump im vergangenen Mai gefeuert hatte. Hintergrund waren auch dort die Russland-Ermittlungen. Nach Comeys Entlassung stand McCabe loyal zu seinem Ex-Chef, was Trumps erheblichen Unwillen erregte. McCabe war Anfang 2018 als Vizedirektor des FBI zurückgetreten, seither war er einfacher Agent der Bundespolizei.

Trump und eine Reihe von Republikanern hatten McCabe über Monate immer wieder attackiert. Sie lasteten ihm Voreingenommenheit an. Im Wahlkampf 2016 war McCabe ein erklärter Lieblingsgegner von Trump, der ihn immer wieder aufs Schärfste kritisierte.

Trump hatte sich auch öffentlich wiederholt daran gestoßen, dass sich McCabes Frau für die Demokraten um einen Sitz im Senat des Bundesstaates Virginia beworben hatte und im Wahlkampf von der politischen Organisation eines Clinton-Freundes finanziell unterstützt worden war.

Einem Bericht der «New York Times» zufolge erfuhr McCabe in der Nacht zum Samstag aus einer Pressemitteilung des Justizministeriums von seiner Entlassung.

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