FC St. Pauli: Das Team des Jahres 2021

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Am Millerntor durfte 2021 ausführlich gejubelt werden. Auch nach dem Lokalderby gegen den HSV konnten sich die Spieler in Braunweiß feiern lassen.
Am Millerntor durfte 2021 ausführlich gejubelt werden. Auch nach dem Lokalderby gegen den HSV konnten sich die Spieler in Braunweiß feiern lassen. (Bild: Reinaldo Coddou H./Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images)

Das Fußballteam des Jahres lag vor einem Jahr noch am Boden. Doch jetzt begeistert der FC St. Pauli mit Offensivfußball und könnte sogar zum sechsten Mal in die Bundesliga aufsteigen.

Klar, die Bayern haben mal wieder die Meisterschaft geholt. Italien mit seinem klassisch schön anzuschauenden Fußball den EM-Titel und Chelsea mit Trainer Tuchel und Champions League-Final-Torschütze Havertz einen quasi-deutschen Titel. Doch das Team des Jahres ist trotzdem ein ganz anderes. Es führt momentan die zweite Liga an und hat in der Rückrunde der vergangenen Saison und der Hinrunde der aktuellen Spielzeit sagenhafte 67 Punkte geholt. Da sind die sieben Punkte aus der wegen der verspätet gestarteten Saison erst im Januar beendeten Rückrunde 20/21 noch gar nicht mit einberechnet. Macht also unter dem Strich 74 Punkte im Kalenderjahr 2021. Sphären, in denen sich sonst nur Dortmund und die ewigen Bayern bewegen. Aber von denen ist man das ja gewohnt.

Vom Abstiegsplatz an die Spitze

Um das braunweiße Jahr richtig einzuordnen, muss man sich noch einmal zwölf Monate zurückversetzen. Im Januar 2021 sah es nämlich ziemlich finster aus. Nur neun Punkte nach 14 Spieltagen, Rang 17. Das roch alles schwer nach Abstieg. Andere Clubs hätten längst die Notbremse gezogen, den Trainer entlassen, prominente Nachverpflichtungen im Winter geholt. Doch am Millerntor glaubte man an Trainer Timo Schultz und seine Spielphilosophie. Zwölf Monate später zeigt sich: Das Vertrauen war berechtigt. Nach einer starken Rückrunde landete der FC St. Pauli schließlich auf einem ungefährdeten zehnten Rang.

Gewohntes Bild: Guido Burgstaller beim Torjubel, eingefangen von seinen Teamkollegen.
Gewohntes Bild: Guido Burgstaller beim Torjubel, eingefangen von seinen Teamkollegen. (Bild: Martin Rose/Getty Images)

Zuhause unschlagbar

Wichtiger aber noch, es gelang der sportlichen Führung um Andreas Bornemann im Sommer, den Verlust der starken Leihspieler Omar Marmoush und Rodrigo Zalazar zu kompensieren. Gezielt wurden passende Spieler als Verstärkung in allen Mannschaftsteilen geholt und was der 44-jährige Schultz und sein junges Trainerteam daraus formten, sorgt mittlerweile ligaweit für Verwunderung. Denn St. Pauli spielte in dieser Hinrunde einen attraktiven, schnellen Offensivfußball, der fast jeden Gegner vor Probleme stellte und die Fans begeistert. Das Millerntor wurde mit Zuschauern wieder zur Festung, acht Siege in acht Heimspielen sind Vereinsrekord. Zwar gab es auch immer wieder Ausreißer nach unten, wie bei den deutlichen Niederlagen gegen Darmstadt und zuletzt gegen Kiel. Doch trotzdem führt St. Pauli die Liga zur kurzen Weihnachtspause mit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz an, auf dem sich ausgerechnet der glücklose Stadtrivale befindet. Bezeichnend, denn vor der Saison waren ebendieser HSV, die beiden Absteiger Bremen und Schalke oder Pokalsensation Holstein Kiel als Aufstiegsfavoriten gehandelt worden.

"Burgi" statt Lewi

Wer sind eigentlich Haaland oder Lewandowski? Am Millerntor kennt man nur "Burgi". Der 32-jährige Österreicher hat die Herzen der Hamburger Fans im Sturm erobert. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Auf Schalke wollte man Guido Burgstaller nämlich nicht mehr. Doch nachdem er nach seinem Wechsel von Gelsenkirchen an die Elbe zunächst immer wieder durch Verletzungen ausgebremst wurde, kommen seine Auftritte inzwischen nahezu mit Tor-Garantie. Ab Januar ging die Burgstaller-Show los, elf Tore und fünf Assists machten ihn in der Rückrunde in Windeseile zum „Fußballgott“ der Fans, ein Titel, der bei St. Pauli nicht leichtfertig vergeben wird. Zwischendurch traf er mal eben in sieben Spielen in Folge. Und der zweite Frühling des Österreichers ging auch im Herbst weiter. Aktuell 14 Tore in 18 Saisonspielen sprechen eine deutliche Sprache. Dazu kommen noch zwei Pokaltore und nebenbei sechs Assists.

Es passt zu dieser Mannschaft, die viele schon mit der Aufstiegself aus der Jubiläumssaison 2010 vergleichen, dass Burgstaller stets betont, wie sehr er von der gesamten Teamleistung profitiert. Auch wenn er es möglicherweise heimlich ein bisschen genießt, es seinen Zweiflern noch einmal zu beweisen, vor allem, als er doppelt zum 2:1 Sieg gegen Schalke traf. Natürlich spricht weder Burgstaller, noch Kapitän Ziereis und erst recht nicht Trainer Schultz vom Aufstieg. Und auch Oke Göttlich umgeht das Thema weiträumig. Immerhin aber räumte der gerade mit 98 Prozent erneut im Amt bestätigte Präsident ein, dass es keinen Grund gebe, mit diesem Jahr unzufrieden zu sein. Das kann man, was den FC St. Pauli angeht, wohl sagen. 

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