FDP kritisiert mangelnde Investitionen in Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn

Güterzug auf dem Hauptbahnhof Augsburg

Die FDP kritisiert die nach ihrer Ansicht mangelnden Investitionen in die kriselnde Gütersparte der Deutschen Bahn. "Investitionen in die Zukunft werden verschlafen", sagte der FDP-Verkehrsexperte Christian Jung am Montag der Nachrichtenagentur AFP. So sei es "unbegreiflich", warum von 1893 Lokomotiven im Besitz der Gütersparte nur 200 mit dem Sicherheitssystem ETCS ausgerüstet seien. Die Geschäftszahlen von DB Cargo seien zudem "besorgniserregend".

Der Umsatz von DB Cargo sank von rund 3,51 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf knapp 3,27 Millionen Euro im vergangenen Jahr, wie das Verkehrsministerum auf Anfrage Jungs mitteilte. Das Transportvolumen ging demnach in dem Zeitraum von 286,6 Millionen Tonnen auf 186,1 Millionen Tonnen zurück.

Die Fracht befördern heute teils konkurrierende Unternehmen: Der Marktanteil von DB Cargo sank den Angaben zufolge von 98,2 Prozent im Jahr 2000 auf 52,2 Prozent 2017. Das Verkehrsministerium erklärte dies mit der fortschreitenden Liberalisierung des Eisenbahnmarktes.

Mit entsprechend weniger Loks und Waggons ist die DB Cargo unterwegs: 2018 hatte sie den Ministeriumsangaben zufolge 900 Loks weniger als 2004, die heute 1893 Loks sind zudem im Schnitt 28 Jahre alt. Die Zahl der Waggons sank von 120.000 im Jahr 2000 auf derzeit 65.000 - laut Ministerium sind Gründe für diesen Rückgang auch die gestiegene Effizienz beim Einsatz, größere Wagen und der Wegfall nicht mehr nachgefragter Wagen.

Geplant sei derzeit die Neuanschaffung von 87 Loks und rund 3500 Waggons, teilte das Ministerium auf Anfrage der FDP mit. Zudem würden 2200 Wagen modernisiert. Auf die Frage, wie die DB Cargo für das künftig erhöhte Güterverkehrsaufkommen aufgestellt werden solle, verwies das Verkehrsministerium lediglich auf die "Agenda für eine bessere Bahn" von Ende 2018: Eine stabilere Produktion, mehr Personal, zusätzliche Investitionen in neue Loks und Wagen sowie eine Vertriebsoffensive sollen demnach die Wettbewerbsfähigkeit steigern und mehr Güter auf die Schiene bringen.

Jung reicht das nicht. "Wir brauchen dringend Wege, um Kapazitätsengpässe zu beseitigen und mehr Güter auf der Schiene zu transportieren", forderte er. Wichtige Bausteine seien dabei digitale Lösungen, moderne Flotten und mehr Wettbewerb auf der Schiene. Es sei an der Zeit, genauer hinzusehen und die vielen Milliarden zu hinterfragen, die der Bund an Investitionen für die Bahn bereitstelle.

"Der Bundestag hat hier in den vergangenen Jahren zu wenig Einfluss genommen", kritisierte Jung. Er verlangte "strukturelle und personelle Konsequenzen" bei der Deutschen Bahn. Ansonsten "wäre zu überlegen, einen eigenen Unterausschuss des Bundestages zu bilden".