FDP-Politiker Lambsdorff bei Maybrit Illner: Wir werden die Briten immer lieben

Mila Lemke
Freie Autorin
FDP-Politiker Lambsdorff diskutierte mit Finanzexpertin Schmidt. Foto: ZDF/Svea Pietschmann

Hat eigentlich noch jemand den Durchblick, wann wer worüber abstimmt in London? Es ist nicht ganz einfach, den Überblick über all die Entscheidungen des britischen Parlaments zu behalten. Am Donnerstag votierten die Abgeordneten für eine Verlängerung der Ausstiegsprozedur. Was das bedeutet? Genaues weiß man nicht. Deshalb versuchten Maybrit Illner und ihre Gäste am Donnerstagabend im ZDF etwas Klarheit in die verworrenen Situation zu bringen. Das gelang nur bedingt.

Sicher ist: Großbritanniens Gezerre um den EU-Austritt wird immer skurriler, ein „harter Brexit“ immer wahrscheinlicher. Vorbereitungen für diesen Tag X werden in Brüssel, London und in vielen deutschen Unternehmen bereits getroffen. Begleitet wird dieser Schrecken ohne Ende von gefühlt einhundert Talkshows zu diesem Thema.

Diesmal diskutierten diese Gäste:

Alexander Graf Lambsdorff, stellv. FDP-Fraktionsvorsitzender im Bundestag

Anne McElvoy, Redakteurin der Wochenzeitung „The Economist”

Susanne Schmidt, Volkswirtin und Finanzjournalistin

Dietrich von Gruben, Unternehmer, der drei Viertel seines Umsatzes in Großbritannien macht

Derek Scally, Deutschland-Korrespondent der „Irish Times”

Greg Hands, Abgeordneter der konservativen Torries.

Zunächst drehte sich alles um die Schuldfrage. Wer ist verantwortlich für das Chaos? Greg Hands, konservativer Politiker, zugeschaltet aus London, sagte: „Die EU muss sich bewegen und einigen Verbesserungen für Großbritannien zustimmen.” Sonst riskiere man einen No-Deal-Brexit und das wäre auch schlecht für Deutschland. Die Journalistin Anne McElvoy sah das ähnlich und beklagte, dass die EU zu unflexibel sei, zu wenig Verständnis für Großbritannien und bis heute nichts gelernt habe.

Barley: Immer nur mehr Zeit für Brexit-Prozedere bringt “keine Lösung”

Kanzler-Tochter gegen weitere Zugeständnisse an Briten

Widerspruch kam von Susanne Schmidt. Die Tochter des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt, die seit Jahren in London lebt, sagte: „Ich finde diese Haltung seltsam, warum sollte die EU den Briten noch mehr entgegenkommen, als sie es sowieso schon tut?” Bereits die Premierminister Thatcher und Cameron hätten weitgehende Zugeständnisse von der EU bekommen.

FDP-Bundestagsabgeordneter Lambsdorff kritisierte: „Bisher waren alle britischen Forderungen widersprüchlich.” Man wisse gar nicht was die wollen. Außerdem sagte Lambsdorff empört zu McElvoy: „Was sollen wir lernen?” Unverständnis auf beiden Seiten also.

Anschließend wollte Illner die wirtschaftlichen Folgen eines ungeordneten Brexit beleuchten. FDP-Politiker Lambsdorff beklagte: „Theresa May spielt ein riskantes Spiel, völlig gegen die Interessen der Wirtschaft.”

Brexitabstimmung kostete Bad-Unternehmer eine Million Euro

Der Unternehmer von Gruben monierte: Bisher haben uns Bexit-Verhandlungen eine Million Euro gekostet, weil das britische Pfund nach der Brexitabstimmung 2016 abgestürzt ist. Derzeit kümmere er sich darum, wie die Bäder, die seine Firma produziert, auf die Insel kommen, falls Briten und EU Zollschranken einrichten. „Wir leben in einer großen Unsicherheit”, beklagte der Bäder-Boss.

Fast am Ende sorgte FDP-Mann Lambsdorff für versöhnliche Worte: „Wir werde Großbritannien immer lieben.” Und weiter: „Auch eine hässliche Scheidung muss nicht dazu führen, dass beide Partner nie wieder mit einander reden.” Wenn er sich da nicht mal irrt.

Derek Scally von der „Irish Times” wollte das so nicht stehen lassen und erklärte ähnlich metaphernreich, aber deutliche rigoroser: „Großbritannien und die EU, das ist wie eine Wohngemeinschaft in der Hölle, die Briten sollten ihre Butter aus dem Kühlschrank nehmen und die WG verlassen.” Fazit: Die Situation ist verfahren. Besserung nicht in Sicht. Doch das wusste man schon vorher.

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