"Feel the Bern!" - Ist Bernie Sanders die größte Hoffnung gegen Trump?

Bernie Sanders könnte im Wahlkampf eine echte Herausforderung für Trump werden (Bild: AP Photo/Patrick Semansky)

Das Feld der demokratischen Kandidaten füllt sich mehr und mehr. Jetzt hat auch Bernie Sanders offiziell seine Kampagne begonnen. Aber kann der linke Senator Trump 2020 ernsthaft herausfordern?

Die Begeisterung für den Vorwahlkampf in den USA steigt seit Dienstag deutlich. Denn mit Bernie Sanders ist jetzt ein echtes Schwergewicht in das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten eingestiegen. Dass Sanders erst jetzt seine Kandidatur offiziell verkündete, hatte auch damit zu tun, dass es um sein Wahlkampfteam herum Vorwürfe von sexuellem Missbrauch gab. Sanders wollte dem offenbar erst ausführlich nachgehen, bevor er seinen Hut in den Ring warf.

Das zeigt auch direkt ein Problem eines möglichen Duells mit Trump auf. Der hat es geschafft, Moral als Kategorie völlig von seiner Person und seiner Politik zu distanzieren. Keiner seiner Skandale, von denen jeder einzelne seine Vorgänger ziemlich sicher entthront hätte, scheint seinem Ansehen bei den eigenen Anhängern zu schaden. Das heißt aber bei Weitem nicht, dass dies auch für seine Konkurrenten gilt.

Ähnlich wie Obama baut auch Sanders sein Image im Wesentlichen auf moralische Werte auf. Obama hat es geschafft, ohne Skandale aus dem Amt zu gehen. Für einen Gegner Trumps, der im Wahlkampf bekanntlich keinerlei Scheu kennt, heißt das, jede kleine Verfehlung kann das Aus bedeuten. Es ist das erstaunliche Phänomen dieses Präsidenten, dem sich bisher weder aus den eigenen Reihen, noch aus der Opposition jemand erfolgreich entgegen stellen konnte.

Zieht der “Bernie”-Effekt erneut?

Der mittlerweile 77-jährige “Onkel Bernie”, leicht schrullig, mit seiner stets zerzausten Mähne und einer ziemlich eigentümlichen Redeweise, hat im letzten Wahlkampf Erstaunliches bewirkt. Er hat in einer Nachahmung des Obama-Effektes vor allem junge Wähler motiviert und begeistert. Sanders war in vieler Hinsicht ein linkspolitisches Pendant zu Donald Trump. Auch er wirkte hin und wieder populistisch, auch er legte großen Wert darauf, mit dem alten Washington-Establishment aufräumen zu wollen.

Vielleicht gingen seine Attacken auch vielen etablierten Demokraten zu weit. In jedem Fall stellten sich große Teile der Partei hinter seine Konkurrentin Hillary Clinton und damit auf die Seite des Establishments. Ein fataler Fehler, denn damit bot sich eine offene Angriffsflanke, die Donald Trump dann genüsslich ausnutzte. Viele Demokraten denken bis heute, dass Sanders die bessere Chance gegen Trump gehabt hätte und Umfragen bestätigen dies. Nur: Dies ist nicht mehr das gleiche Land mit dem politischen Klima von 2016.

2016 scheiterte Sanders an Hillary Clinton und dem Demokraten-Establishment (Bild: AP Photo/Andrew Harnik)

Trumps unruhige und unberechenbare Politik hat dafür gesorgt, dass sich viele vielleicht in ruhigere Fahrwasser zurück sehnen. Außerdem wäre Sanders dann beim Amtsantritt fast 80 Jahre alt. Das klingt nicht gerade nach Aufbruch. Dazu kommt, dass spätestens mit den Midterm-Wahlen im November große Konkurrenz von links aus der eigenen Partei heranwächst.

Die größten Namen wie Beto O’Rourke und Shootingstar Alexandria Ocasio-Cortez sind vermutlich noch mindestens einen Wahlzyklus davon entfernt, um die höchsten Ämter mit zu spielen. Dennoch hält Sanders mit seiner Botschaft eines sozialeren, gerechteren Amerikas innerhalb der Demokraten längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

Das amerikanische Schreckgespenst des Sozialismus

Die politische Agenda, die der Senator aus Vermont vertritt, klingt für europäische Maßstäbe höchstens klassisch sozialdemokratisch. Es geht da nach wie vor um eine allgemeine Gesundheitsversorgung, gerechtere Löhne, bezahlbaren Wohnraum und die Rechte von Minderheiten. In den USA aber ist das Wort “sozialistisch” so eng mit Kommunismus und dem Kalten Krieg verknüpft, dass es immer noch Karrieren beenden kann.

Es wäre sicherlich die offensichtlichste Taktik von Trumps Team gegen einen Kandidaten Sanders, diese amerikanischen Urängste zu schüren. Deshalb wird es interessant werden, zu sehen, wie sich Sanders im Vorwahlkampf positionieren wird und wie weit er vielleicht zumindest in seiner Rhetorik von seinem Programm abweicht, um moderater zu wirken.

Sanders setzte schon 2016 auf eine Grassroots-Bewegung, und so soll es auch dieses Mal sein, ließ er seine Anhänger per Twitter wissen: “Am Ende des Tages kann ein Wechsel nur geschehen, wenn Millionen Menschen aufstehen, dagegenhalten und sagen ‘Genug ist genug'”. Er wolle eine Regierung, die sich für alle einsetzt, nicht nur für einige Wenige.

Es ist eine Botschaft, die sicher unter den Bernie-Fans und den jungen Amerikanern gut ankommen wird. Die Frage ist, ob sich dieses Mal auch der traditionellere Teil der Demokraten geschlossen hinter ihn stellen würde. Und ob das gegen Trumps Dampfwalzen-Wahlkampf am Ende ausreichen könnte.

Gesucht: Das Ideale Wahlkampf-Gespann

Bliebe noch zu klären, wer der optimale “Running Mate” für Bernie Sanders bei einer Kandidatur sein könnte. Es würde für Sanders in jedem Fall Sinn machen, eine Frau als Vizepräsidentin aufzustellen. Elizabeth Warren wäre wohl zu sehr ein Kotau in Richtung Althergebrachtes. Deswegen drängt sich geradezu Senatorin Kamala Harris auf, sollte sie nicht sogar direkt selbst zur Kandidaten für die Präsidentschaft gekürt werden.

Die 54-jährige Harris steht bereits für eine neue Generation Politikerinnen, kann aber auch auf sechs Jahre Erfahrung als Attorney General in Kalifornien zurückgreifen. Außerdem würde eine Vizepräsidenten Harris bei den schwarzen Wählern gut ankommen, unter denen Sanders eher schlecht abschneidet.

Hoffnungsträgerin Kamala Harris geht erstmal auf Distanz zu Sanders (Bild: AP Photo/Elise Amendola)

Harris selbst wurde allerdings bereits gestern damit zitiert, dass sie sich nicht als “demokratische Sozialistin” sehe. Es war eine klare Distanzierung von Sanders. Und ein Hinweis darauf, dass zumindest unter den Topkandidaten der Demokraten noch ziemlich heiße Duelle anstehen, bevor sich die Partei auf den Trump-Herausforderer einigen kann.

Die wichtigstes Lektion aus dem letzten Wahlkampf wäre, dabei die Basis nicht so zu spalten, dass sie den eigenen Kandidaten am Ende nicht mehr unterstützt. Denn das war Clinton 2016 unter anderem zum unerwarteten Verhängnis geworden.