Fehlerhafte Schutzmasken in Krankenhaus aufgetaucht

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Das Recherche-Format Report Mainz hat in einem unabhängigen Labor die Schutzmaske einer Krankenhaus-Pflegekraft untersuchen lassen. Das Ergebnis: Die Schutzwirkung war weit geringer als sie laut Zertifizierung hätte sein dürfen. Gleiche Masken kamen auch auf der Coronavirus-Station zum Einsatz. Mittlerweile wurden sie alle entfernt.

Eine Maske mit dem KN-95-Standard sollte eine vergleichbare Schutzwirkung bieten wie FFP-2-Masken. Jetzt aber sind fehlerhafte Modelle in einem Krankenhaus aufgetaucht. Foto: Symbolbild / gettyimages / Chris Rogers
Eine Maske mit dem KN-95-Standard sollte eine vergleichbare Schutzwirkung bieten wie FFP-2-Masken. Jetzt aber sind fehlerhafte Modelle in einem Krankenhaus aufgetaucht. (Symbolbild: Getty Images/Chris Rogers)

Zentraler Bestandteil der Hygiene-Maßnahmen gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sind neben Abstand halten, regelmäßigem Händewaschen, der Corona-App und einem Kontakt-Tagebuch: die Schutzmasken.

Für den privaten Gebrauch eignen sich die oft selbstgeschneiderten Alltagsmasken, im Gesundheitswesen kommen vor allem FFP-2-Masken zum Einsatz. Sie müssen für ihre Klassifizierung mindestens 94 Prozent aller Partikel – wie Viren – aus der Atemluft herausfiltern. Doch immer wieder tauchen gefälschte oder fehlerhafte Masken auf, die nicht dem Standard entsprechen. In einem aktuellen Fall ist nun die Intensivstation eines Krankenhauses betroffen.

Unabhängiges Labor kommt zu erschreckendem Ergebnis

Zuerst darüber berichtet hat am Dienstag das ARD-Magazin Report Mainz. Für eine Recherche des investigativen TV-Formats wurde die Filtermaske von einer Pflegekraft des Klinikums Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz zur Verfügung gestellt. Durchgeführt hat die Untersuchung ein Labor der Prüforganisation Dekra.

Das Ergebnis: Die KN95-Maske aus China, deren Schutzwirkung mit dem FFP-2-Standard vergleichbar sein sollte, wies eine weit geringere Schutzwirkung auf. Insgesamt konnten im Test nicht sechs Prozent, sondern 42,8 Prozent, der Partikel passieren.

Masken wurden auf Coronavirus-Station eingesetzt

Die Maske sollte eigentlich Mitarbeiter*innen und Patient*innen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Sie wurden nach Angaben des Krankenhauses deshalb auch auf Covid-19- und Intensivstationen eingesetzt.

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Report Mainz hat die Leitung am vergangenen Freitag über die Laborergebnisse der mangelhaften Maske informiert. Die gesamte Charge wurde daraufhin entfernt. Eine Sprecherin des Klinikums teilte schriftlich mit, dass man sich beim Einkauf alle erforderlichen Unterlagen habe zusenden lassen: “Für unser Haus gab es zum damaligen Zeitpunkt keinen Anhaltspunkt, der Gründe zum Zweifeln für uns geboten hätte.”

Dekra: kein Einzelfall

Auch der ärztliche Direktor des Krankenhauses, Günter Layer, wurde zu den fehlerhaften Masken befragt. Er könne nicht ausschließen, dass sich aufgrund der mangelhaften Masken Menschen mit Covid-19 angesteckt hätten. “Wir haben eine Vielzahl von Mitarbeitern, die infiziert sind, auch eine Vielzahl von Mitarbeitern, die in Quarantäne sind.”

Die fehlerhafte Maske in Ludwigshafen ist dabei keine Ausnahme, wie Report Mainz berichtet. So seien bei Tests der Dekra bislang mehr als 80 Prozent der Produkte durchgefallen, das sagte Geschäftsführer Jörg-Timm Kilisch.

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Und das Problem könnte sich bald sogar noch vergrößern: So plant das Bundesgesundheitsministerium über 27 Millionen Menschen, die ein besonders hohes Ansteckungsrisiko mit Covid-19 haben, mit vergünstigten FFP-2-Masken auszustatten. Derzeit arbeite man deshalb laut Report Mainz an einer Rechtsverordnung, um sicherzustellen, dass alle ausgegebenen Masken auch tatsächlich sicher und funktionstüchtig seien.

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