Geldstrafe für barbusigen Femen-Protest im Kölner Dom

1200 Euro für den barbusigen Auftritt

Knapp ein Jahr nach ihrer barbusigen Protestaktion im Kölner Dom ist eine Femen-Aktivistin zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Die heute 21-jährige Josephine Witt habe sich mit ihrer Aktion am ersten Weihnachtstag 2013 der Störung der Religionsausübung schuldig gemacht, urteilte das Kölner Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft warf der Frau vor, die habe den Weihnachtsgottesdienst im Dom "erheblich gestört".

Die seinerzeit 20-Jährige war bei der Messe am ersten Weihnachtstag 2013 bei der Festtagsmesse, die vom damaligen Kölner Erzbischof Joachim Meisner zelebriert wurde, nur mit einer Art Lendenschurz bekleidet auf den Altar gesprungen. Sie hatte sich die Worte "I am God" ("Ich bin Gott") auf den nackten Oberkörper gemalt und sich mit nach oben gereckten Armen der Gemeinde zugedreht. Die Frau wurde nach wenigen Minuten von den Ordnungskräften im Dom abgeführt.

Die Aktivistin hatte zuvor bereits auf der Hannover-Messe barbusig gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin demonstriert und in Tunesien wegen einer Femen-Protestaktion mehrere Monate im Gefängnis verbracht. Mit seinem Urteil blieb das Kölner Amtsgericht knapp unter der Strafmaßforderung der Staatsanwaltschaft, die 1600 Euro Geldstrafe beantragt hatte. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Für Störung der Religionsausübung sieht das Gesetz einen Strafrahmen zwischen Geldstrafe und drei Jahren Haft vor.

In dem Prozess vor dem Kölner Amtsgericht gab die 21-Jährige an, sie habe mit ihrem Protest im Kölner Dom gegen den konservativen Ex-Erzbischof Meisner und sowie für Menschen- und Frauenrechte demonstrieren wollen. "Es ging mir darum, für Frauenrechte einzustehen", sagte die Angeklagte. "Ich bin dann auf den Altar gesprungen, stand da, wie Gott mich schuf."

Bei ihrem Sprung auf dem Dom-Altar habe sie von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machen wollen, sagte die aus Hamburg stammende Aktivistin. "Das habe ich getan, ich wollte niemanden belästigen." Ihre Nackt-Aktion könne auch nicht als Beleidigung der Kirche gewertet werden. "Selbst Jesus hängt ja halbnackt am Kreuz."

Zugleich stellte die Angeklagte klar, sie werde eine Aktion wie im Kölner Dom nicht mehr wiederholen. "Ich würde das Gleiche nicht noch mal machen." Als Grund gab sie unter anderem an, dass Meisner nach seinem Eintritt in den Ruhestand heute nicht mehr das Amt des Kölner Erzbischofs innehabe.

Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn unterstrich hingegen in seinem Plädoyer, der Schutz der Religionsausübung sei im Grundgesetz "absolut gewährleistet". Bei der Protestaktion im Kölner Dom habe es sich nicht um eine Femen-Aktion im Fernsehen oder vor einem Ministerium gehandelt, sondern um einen Protest "während der Religionsausübung". Der Weihnachtsgottesdienst in der Kathedrale sei "in seiner Ausführung erheblich gestört worden". "Das ist nicht mehr mit dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt."

Witts Verteidigerin Eva Steiner machte vor Gericht vergeblich geltend, ihre Mandantin habe den Gottesdienst nicht grob stören wollen. "Es ist nicht ihr Ziel gewesen zu stören", sagte Steiner. Offen ließ die Berliner Anwältin, ob ihre Mandantin gegen das Urteil des Amtsgerichts Rechtsmittel einlegen wird.

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