Fenster zur Geschichte: Lidl in Dublin bietet ungewöhnliche Ausblicke

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 2 Min.

Die Supermärkte der Lidl-Kette sind längst auch in Irland zu finden. Doch ein Markt in Dublin wartet mit einer besonderen Überraschung für Kunden auf.

Auch wenn vieles im Lockdown geschlossen ist, die Supermärkte haben in Dublin noch geöffnet. Nicht alle bieten allerdings so spektakuläre Extras. (Bild: Cezary Kowalski/SOPA Images/LightRocket via Getty Images)
Auch wenn vieles im Lockdown geschlossen ist, die Supermärkte haben in Dublin noch geöffnet. Nicht alle bieten allerdings so spektakuläre Extras. (Bild: Cezary Kowalski/SOPA Images/LightRocket via Getty Images)

Dublin ist eher für seine Dichte an historischen Gebäuden bekannt, als für seine moderne Architektur. Beim Bau eines Supermarktes mitten im Herzen der irischen Hauptstadt kommt nun aber beides zusammen. Denn bei den Bauarbeiten stießen die Arbeiter auf die Überreste von historischen Bauten. Unter dem zukünftigen Lidl nahe des Dubliner Schlosses fanden zu Rate gezogene Archäologen gleich zwei eindrucksvolle Zeitzeugen.

Das Besondere ist, dass sich Bauherren und Architekten entschlossen, die historischen Funde in den Supermarkt einzubinden. So kommt es, dass Besucher des Lidls jetzt durch große Glasplatten im Fußboden einen Blick in die reiche Geschichte der Stadt werfen können. Zwischen den Regalreihen ist viel Platz um die Glasplatten herum gelassen, so dass Kunden die archäologischen Funde ausgiebig betrachten können.

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Wikinger-Haus und Theatergrube

Die Ruinen unter dem Eingangsbereich des Supermarktes in der heutigen Aungier Street stammen von einem Haus aus dem 11. Jahrhundert. Die Archäologen vermuten, dass es sich um Teile eines Familienwohnhauses handelt. Paul Duffy von "IAC Archaeology" bezeichnete den Fund in einem Interview mit der irischen Nachrichtenseite RTE als einmalig: "Es ist ein Wohnbau, deshalb dürfen wir annehmen, dass sich hier ein Vorort der Hiberno-Nordischen Dubliner befand, die so etwas wie die Vorfahren der Wikinger waren." In Irland gebe es kaum einen zweiten solchen Fund.

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Im Kassenbereich folgt dann der zweite Ausflug in die Geschichte Dublins. Denn hier entdeckten die Archäologen eine versteckte Kammer des einstigen Aungier Street Theatre. Vermutlich diente der unterirdische Bau als Grube für die Bühnenarbeiter des Theaters im 18. Jahrhundert. So konnten auch Schauspieler wie durch Zauberhand auf der Bühne erscheinen oder von ihr verschwinden. "Wir sind sehr begeistert, dass solch ein wichtiger Teil des Theaters gefunden, erkannt und nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde", sagte Linzi Simpson, die das Projekt als archäologische Beraterin begleitete, gegenüber dem britischen Mirror. In dem Supermarkt sind neben den beiden Bodenfenstern auch Erklärungstafeln und weitere Zeichnungen zu den historischen Funden angebracht worden, so dass die Shoppingtour wirklich fast zu einem Museumsbesuch wird.

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