Ferrero-Skandal und die Folgen

·Freiberufliche Journalistin

Überraschungseier, Schokobons und Co. – 266 Menschen infizierten sich im Frühjahr dieses Jahres mit Salmonellen, weil sie Produkte der Marke Kinder verzehrten. Der Skandal hat für den Hersteller Ferrero weitreichende Folgen.

Salmonellen-Verdacht: In Produkten der Marke Kinder versteckte sich eine unappetitliche Überraschung. (Bild: Getty Images)
Salmonellen-Verdacht: In Produkten der Marke Kinder versteckte sich eine unappetitliche Überraschung. (Bild: Getty Images)

Maxi-Überraschungseier, Kinder-Mix-Geschenktüten, Kinder-Produkte mit Plüschfiguren – all das wird normalerweise zu Festtagen millionenfach verschenkt. Auch für Ostern 2022 hatte manche*r sicher schon Kinder-Produkte eingekauft, die in den Nestern landen sollten.

Doch am 5. April warnte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zum ersten Mal vor dem Verzehr von Produkten der Marke Kinder. Der unappetitliche Grund: Verdacht auf Salmonellen. Betroffen waren 14 Produkte, die in einer Fabrik in Belgien hergestellt wurden.

Erster Rückruf nur Spitze des Eisbergs

"Ferrero ruft freiwillig und vorsorglich ausgewählte Chargen von kinder Produkten in Deutschland zurück", hieß dazu damals in der offiziellen Pressemeldung von Ferrero. Man arbeite eng mit der zuständigen Lebensmittelbehörde in Deutschland zusammen, um einen möglichen Zusammenhang mit einer Reihe von gemeldeten Salmonellen-Fällen aufzudecken. Aber das sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, es sei keins der auf den Markt gebrachten Produkte positiv auf Salmonellen getestet worden und Beschwerden von Verbrauchern habe es auch keine gegeben, versicherte das Unternehmen.

Doch diese Erstmeldung war nur die Spitze eines Eisbergs. Was folgte, war ein Skandal ungeahnten Ausmaßes, der nicht nur die Marke Kinder schwer beschädigen sollte, sondern auch das Vertrauen der Verbraucher*innen in die Süßwaren- und Lebensmittelindustrie.

Ab dem 5. April wurden fast täglich weitere Ferrero-Produkte zurückgerufen. Schließlich musste der Süßwarenhersteller seinen Rückruf sogar auf Weihnachtsartikel ausweiten, die bereits vier Monate zuvor zu Weihnachten 2021 verkauft und sicher bereits längst verzehrt wurden. In einer Pressemitteilung vom 7. April 2022 gestand Ferrero verspätet ein, dass man schon seit 15. Dezember 2021 von einem Salmonellen-Befall in der belgischen Produktionsstätte wusste.

266 bestätigte Krankheitsfälle

Die Folgen dieses Lebensmittelskandals hat die Verbraucherzentrale Hamburg nun einmal zusammengefasst: Insgesamt erkrankten in Europa nachweislich 266 Menschen, weil sie sich mit Salmonellen durch Kinder-Produkte infizierten. Hinzu kamen 58 Verdachtsfälle. Ein Großteil der Erkrankten war 10 Jahre alt oder jünger.

Insgesamt musste Ferrero mehr als 3.000 Tonnen Süßwaren vom Markt nehmen und entsorgen. Das verantwortliche Ferrero-Werk im belgischen Arlon wurde von Behörden dicht gemacht.

Fabrik soll wieder in Betrieb gehen

Ende Mai gab Ferrero laut dpa bekannt, die für den Salmonellen-Ausbruch verantwortlich gemachte Fabrik im belgischen Arlon wieder in Betrieb nehmen zu wollen. "Wir haben eine Wiederinbetriebnahme ab dem 13. Juni beantragt, um so schnell wie möglich wieder mit der Produktion zu starten", sagte Ferrero-Frankreich-Chef Nicolas Neykov der Zeitung Le Parisien. Den belgischen Behörden sei dazu Anfang Mai ein Hygieneplan vorgelegt worden.

Tausend Beschäftigte sind demnach mit den Vorbereitungen der Wiederinbetriebnahme beschäftigt. 10.000 Teile in der Fabrik seien demontiert und einzeln gereinigt worden.

Politik muss handeln

Der Ferrero-Skandal hat gezeigt, dass es große Versäumnisse gab, meint die Verbraucherzentrale: Warum wurden Verbraucherinnen und Verbraucher nicht früher konkret informiert? Warum wurde zumindest bis zum 7. April, noch nicht einmal der Salmonellenausbruch im europäischen Schnellwarnsystem dokumentiert? Hier seien wirklich viele Fragen offen, die kein gutes Bild auf die europäische Lebensmittelüberwachungsbehörden, die Kommunikation der Behörden und den Verbraucherschutz in Europa werfen.

Das dürfe nicht noch einmal passieren, deshalb fordern die Verbraucherschützer: Auch die Politik muss handeln: Die Meldepflichten bei Verunreinigungen für Lebensmittelunternehmen müssen verschärft und Rückrufe schneller, einheitlicher und koordinierter angeordnet werden.

Und: Ob Verbraucher*innen künftig wieder auf die Qualität von Produkten der Marke Kinder vertrauen, wird sich wohl erst an den künftigen Verkaufszahlen zeigen.

Eine detaillierte Liste aller zurückgerufenen Kinder-Produkte finden Sie hier bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

VIDEO: Salmonellenüberraschung zu Ostern: Ferrero entschuldigt sich

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