Fettes Brot veröffentlichen Song gegen Rechts – und erzielen die erwünschte Wirkung

Sprechen in ihrem neuesten Lied den Rechtsruck an: Fettes Brot. (Bild: Getty Images)
Sprechen in ihrem neuesten Lied den Rechtsruck an: Fettes Brot. (Bild: Getty Images)

Vor einigen Tagen hat die Hamburger Hip-Hop-Gruppe “Fettes Brot” eine neue Single veröffentlicht. Der Titel: “Du driftest nach rechts”. Das kommt bei vielen gar nicht gut an, doch darauf war die Band bereits gefasst, wie sie mit einem Fake-Gewinnspiel zeigen.

Es ist ein Song, der sofort ins Ohr geht. Mit einer simplen Melodie im Refrain und witzigen Reimen reiht sich “Du driftest nach rechts” nahtlos in den Kanon eingängiger Lieder der Hamburger Hip-Hop-Combo ein. In dreieinhalb Minuten beklagen “Fettes Brot” darin Freundschaften, die aufgrund des aktuellen Rechtsrucks in Deutschland in die Brüche gehen.

Satireaktion verfängt nicht

An einer Stelle heißt es: “Ich mag’s nicht, wie du bist, wenn der Frust dich frisst. Du mit verkniffenem Gesicht deinen Hass rauslässt. Wenn du Wohnungslose und Journalisten disst und von Geflüchteten als Touristen sprichst.” Die Hamburger beziehen in ihrem Lied klar Stellung gegen Rechts. Aber kommt das auch bei den Fans gut an?

Zwei Wochen nach Veröffentlichung von “Du driftest nach rechts“ zählt das Video auf YouTube rund 3.500 Up-Votes, dem 9.100 Down-Votes entgegenstehen. Kein gutes Verhältnis, wie jeder Influencer und Vlogger bestätigen kann. Doch auf die Reaktionen war die Band offenbar gefasst, wie eine als Scherz gemeinte Aktion zeigt.

Denn unter dem Video rufen die Musiker zur Beteiligung auf: “Ganze 10 Tage habt ihr persönlich Zeit hier eure verstiegenste Verschwörungstheorie, hanebüchendste Hate Speech oder idiotischte [sic] Ideologie abzusondern.” Offenbar hatten sie schon erwartet, dass ihr Song ihnen viele Hasskommentare einbringen würde. Der Gewinner der Satireaktion wäre dann der “Rechtsdrifter des Monats”.

Etliche Fans kritisieren die Band

Damit soll hämischen Kommentaren offenbar direkt der Wind aus den Segeln genommen werden. Doch ob Fettes Brot auch damit gerechnet hat, von wem diese Kritik kommt? Wenn man sich die Kommentare durchliest, bekommt man den Eindruck, dass gerade Fans der Gruppe das Lied nicht wirklich gutheißen. Ein User schreibt: “Die letzte Karte, wenn als Künstler nichts mehr geht: Gegen ‘Rechts’.. Könnte auch ein Feature von Claudia Roth und Grup Tekkan sein!”. Dafür bekommt er über 900 Likes, mehr als jeder andere User.

Eine weitere Userin: “Ich wünschte ihr könntet einen Tag lang blond und weiblich sein und dann durch so einem Bezirk in Hamburg spazieren, ihr würdet ganz anders singen!!!” Und ein offenbar langjähriger Fan kommentiert: “Einfach nur schlecht, sowohl inhaltlich, als auch gesangstechnisch. Wenn für Texte, die andere Meinungen diffamieren, alles an musikalischer Qualität flöten geht, steht diese ehemals grandiose Gruppe nicht besser da, als Rechts-Rocker oder sonst politisch angehauchtes Establishment. Reudig!”

Trotz frechem Fake-Gewinnspiel scheint die Band solche Worte nicht nur mit Humor nehmen zu können. “Wenn man sich die YouTube-Kommentare unter unserem Video durchliest, dann wird einem manchmal schon ein bisschen schwindelig”, sagte Boris Lauterbach dem Deutschlandfunk Kultur. Doch Martin Vandreier fügte hinzu: “Wir sind eine Band mit einer linken Haltung und mit Menschenfreundlichkeit im Profil, wenn die Leute das jetzt erst merken, dann good bye.”

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