Ich bin Finanzplanerin, und es gibt vier schreckliche Tipps, die ich hoffentlich nie wieder hören werde

·Lesedauer: 5 Min.
The author, financial planner Natalie Taylor.
The author, financial planner Natalie Taylor.

Ein Großteil meiner Arbeit als Finanzplanerin konzentriert sich darauf, meinen Kunden beim Sparen und Investieren auf langfristige Ziele hin zu helfen, Schulden zu tilgen, die richtigen Versicherungen abzuschließen und Entscheidungen in Bezug auf die Kapitalbeteiligung zu treffen. Aber komme was wolle, ich steige immer mit der Budgetplanung in die Beratung ein. Und obwohl meine Kunden in der Regel sechsstellig verdienen, brauchen die meisten von ihnen Hilfe bei der Aufstellung eines Budgets, das realistisch und nachhaltig ist und beim dem sich die Geldanlage nicht wie eine Qual anfühlt.

Hier sind einige der schlechtesten Ratschläge zur Haushaltsaufstellung, die ich kenne, und was ich stattdessen vorschlage.

1. Um mit der Finanzplanung zu beginnen, überprüfen Sie die Ausgaben des vergangenen Jahres, um Richtwerte für jede Kategorie zu erhalten

Die rückwirkende Analyse der Gesamtausgaben für ein ganzes Jahr ist überwältigend und stellt oft eine Hürde für den Einstieg in die Finanzplanung dar. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kunden oft nicht zurückblicken wollen, weil sie sich nicht wegen vergangener Ausgaben schuldig fühlen oder dafür kritisiert werden wollen.

Anstatt jede einzelne Transaktion des letzten Jahres zu betrachten, sollten Sie sich die Ausgaben des vergangenen Monats ansehen, um einen guten Überblick über Ihre durchschnittlichen monatlichen Ausgaben zu erhalten. Schreiben Sie außerdem alle größeren, weniger häufigen Ausgaben auf, die Sie im nächsten Jahr planen, wie zum Beispiel Grundsteuer, Urlaub, Weihnachtsgeschenke und jährliche Spenden, und machen Sie einen Plan, wie Sie diese Ausgaben bezahlen wollen, wobei Sie vielleicht schon dabei ein wenig Geld einsparen können.

Wenn Sie eine Budgetierungs-Software wie Monarch, Mint oder "You Need a Budget" verwenden, können Sie Ihre durchschnittlichen monatlichen Ausgaben leicht einsehen und mithilfe von Transaktionsfiltern größere, weniger häufige Ausgaben der letzten zwölf Monate ermitteln. Achten Sie darauf, dass Ihr anfängliches Budget nur eine Schätzung ist, und planen Sie ein, Ihr Budget im Laufe der ersten Monate anzupassen, um es zu verfeinern.

2. Wenn Sie nicht jeden Cent verfolgen, lohnt der Aufwand nicht

Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich schon erlebt habe, dass Budgets nicht eingehalten wurden, weil sie zu detailliert waren – zwölf Dollar für Kaffee, 26 Dollar für Mittagessen im Restaurant, 38 Dollar für Fast Food, 336 Dollar für Lebensmittel. Es gibt zwei Hauptprobleme mit einem zu detaillierten Budget: Erstens kann es dazu führen, dass man sich bei jeder Ausgabe bevormundet fühlt und zu wenig Flexibilität hat. Zweitens kann die Führung eines zu detaillierten Budgets zeitaufwändig und schwierig sein, um diese Vorgehensweise über einen längeren Zeitraum beizubehalten.

Um einen effektiven Haushaltsplan zu erstellen und es langfristig einzuhalten, sollten Sie zehn bis 15 grobe Kategorien festlegen. Das macht es Ihnen nicht nur leichter, den Überblick zu behalten und die Ausgaben zu kategorisieren, sondern gibt Ihnen auch etwas mehr Freiheit, im Moment zu leben und innerhalb der breiteren Grenzen Ihres Budgets eine gewisse Flexibilität zu haben.

3. Sparen bis es weh tut

Ich wünschte, Finanzberater und andere sogenannte Geldexperten würden aufhören, das zu behaupten! Um es klar zu sagen: Geld fürs Alter zurückzulegen ist wichtig, aber es ist nicht wichtiger als das aktuelle Leben. Und Sparen muss nicht wehtun, um erfolgreich zu sein. Im Gegenteil: Je weniger es weh tut, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie dranbleiben.

Anstatt zu sparen, bis es weh tut, sollten Sie sich darauf konzentrieren, das richtige Gleichgewicht zwischen heute das Leben genießen und dem Sparen für die Rente zu finden, damit Sie auf lange Sicht nachhaltige Fortschritte erzielen können. Scheuen Sie sich nicht, klein anzufangen und Ihre Sparrate mit der Zeit zu erhöhen, um sich daran zu gewöhnen und wirklich langfristig am Ball zu bleiben.

Sie könnten zum Beispiel damit beginnen, an jedem Zahltag ein Prozent Ihres Gehalts zu sparen, und dann versuchen, Ihre Ersparnisse alle sechs Monate und bei jeder Gehaltserhöhung um ein Prozent zu erhöhen. Ehe Sie sich versehen, haben Sie jeden Monat einen soliden Betrag gespart, ohne dass es mühsam ist.

4. Sortieren Sie Ihre Ausgaben nach Bedürfnissen und Wünschen und streichen Sie die Wünsche

Wenn Sie Ihre Ausgaben ausschließlich durch die Brille der Bedürfnisse und nicht der Wünsche betrachten, müssen Sie jede einzelne Ausgabe als notwendig oder verschwenderisch beurteilen. Dieser Filter führt oft dazu, dass man sich wegen der Ausgaben schuldig fühlt, und einen Finanzplan zu erstellen, der alle kleinen Belohnungen ausklammert, bedeutet, dass es langfristig praktisch unmöglich ist, den Finanzplan einzuhalten. Mit Crash-Diäten verliert niemand langfristig Gewicht und mit Crash-Haushaltsplänen spart keiner auf Dauer.

Anstatt jede Ausgabe als "Bedürfnis" oder "Wunsch" zu betrachten, sollten Sie Ihre Ausgaben durch eine andere Brille betrachten, die "Kosten pro Lebensfreude" heißt. Die Kosten-pro-Lebensfreude-Methode eignet sich, um zu beurteilen, wie viel Glück (oder Befriedigung oder Wert) Sie aus jedem ausgegebenen Euro ziehen. Wenn Sie nach Möglichkeiten suchen, Ihre Ausgaben zu reduzieren und Geld für Ihre langfristigen Vorhaben zu finden, sollten Sie Ausgaben beibehalten, die einen hohen Glücksfaktor pro ausgegebenem Euro haben, und solche streichen, die einen geringeren Glücksfaktor pro Euro haben. Sie könnten zum Beispiel zu dem Schluss kommen, dass ein Zwischenstopp in einem Café in Ihrer Nähe, um sich auf dem Weg zur Arbeit einen heißen Kaffee zu holen, viel Glück bringt, während die Bezahlung mehrerer Musikdienste nicht wirklich viel zusätzliches Glück bringt. Oder andersherum!

Ein gutes Finanzmanagement gibt Ihnen die Freiheit, Ihr Leben zu genießen, und schafft ein Gleichgewicht zwischen dem heutigen Leben und dem Sparen für die Zukunft. Keine Schuld, keine Scham, kein Urteil – nur Fortschritt.

Dieser Text wurde übersetzt von Christiane Rebhan, das Original findet ihr hier.

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