Flüchtlingsheim in Sinnersdorfer Straße: Bürger fühlen sich bei Planung übergangen

Bei der Bürgerversammlung gab es Diskussionen über neue Unterkunft.

Auf der einen Seite eine Bahntrasse, auf der anderen eine Durchgangsstraße, gegenüber erheben sich Hochhäuser, deren ungepflegte Fassade schon erahnen lässt, dass es sich wohl um einen sozialen Brennpunkt handelt. Um die Wohnlage zu beneiden sind die Flüchtlinge, die an die Sinnersdorfer Straße ziehen, nicht.

150 Menschen bei Bürgerversammlung

Bei der Bürgerversammlung im Worringer Vereinshaus stellten Sozialdezernent Harald Rau und Josef Ludwig vom Wohnungsamt die geplante Unterkunft auf dem Acker nördlich vom S-Bahnhof vor, bei der anschließenden Diskussion schob sich die benachbarte Problemsiedlung Am Mönchsfeld immer mehr in den Vordergrund. Der Saal war voll besetzt, rund 150 Menschen waren gekommen.

Der Unmut der Bevölkerung in Roggendorf/Thenhoven ist groß, weil der Stadtrat sich im Dezember über das ablehnende Votum der Bezirksvertretung Chorweiler hinweggesetzt hatte und die umstrittene Unterkunft doch beschloss. Bei allem Ärger blieb die Diskussion erstaunlich sachlich und war auch von Empathie gegenüber den Anfang 2018 erwarteten Neubürgern getragen.

Bürgerverein befürwortet Aufnahme, kritisiert aber Anzahl

Er befürworte deren Aufnahme ausdrücklich, sagte etwa Rolf Schubert vom Bürgerverein. Nur seien 240 Personen schlichtweg zu viel, der Zuzug bedeute für das Dorf mit seinen 4109 Einwohnern eine Quote von 5,8 Prozent. Bereits jetzt betrage der Bevölkerungsanteil von Menschen mit Migrationshintergrund im Ort mehr als 40 Prozent.

Vielen Menschen macht die Vorstellung Angst, dass im Mönchsfeld herrschende Probleme auf das neue Quartier überspringen könnten. „Wir haben da teilweise schon eine Art rechtsfreien Raum, die Lage könnte eskalieren, das Klientel ist schwierig“, sagte etwa Brigitte Wosimski von der Kita Gutnickstraße.

Applaus erhielt sie für ihre Bemerkung: „Immer wird erst einmal losgelegt, und dann wird gesagt, wir kriegen das schon irgendwie hin.“ Nötig seien Sozialarbeiter, Erzieher, Lehrer.

Siedlung benötigt ein Handlungskonzept

Ludwig erwiderte: „Wir sind schon im Gespräch mit dem Jugenddezernat, es wird Lösungen geben.“ Er gab zu: „Wahrscheinlich wieder erst auf den letzten Drücker.“ Rau berichtete, die Lage in der Siedlung sei ihm aus eigener Anschauung bekannt. An der letzten Begehung im Dezember nahm auch Bezirksbürgermeister Reinhard Zöllner teil. Man sei sich darüber einig gewesen, dass für die Siedlung ein Handlungskonzept geschneidert werden müsse, sagte Zöllner.

Die Flüchtlingsunterkunft wird in Systembauweise erstellt und bietet 80 Wohnungen. Es würden Familien mit guter Bleibeperspektive ausgewählt, so Ludwig. Die Unterkunft nennt sich zwar temporär, doch das ist relativ: Ludwig rechnet damit, dass sie 20 Jahre lang Bestand hat, also bis 2038 als Herberge dient. (kaw)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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