Flüchtlingsheime: Der Preis war wohl das einzige Kriterium

Man sollte den neuen Flüchtlingsheim-Betreiber in Berlin nicht vorverurteilen - doch eine gewisse Skepsis bleibt, meint Lorenz Vossen.

In der Komödie "Welcome to Norway" versucht ein findiger und fremdenfeindlicher Hotelier, an den Flüchtlingen (er nennt sie "Neger") Geld zu verdienen. Indem er sie in Zimmern ohne Heizung und Strom unterbringt, tiefgefrorenes Brot von 1987 auftischt und dafür Subventionen vom Staat kassiert.

Dass das im Film nicht klappt, liegt an den hohen Auflagen der norwegischen Regierung. Unter Einhaltung selbiger wurde der Betreiber Hero Norge im echten Norwegen zum Marktführer. Das Unternehmen der Adolfsen-Gruppe profitiert dabei von seiner Größe, und Geschäftsführer Kristian Adolfsen macht keinen Hehl daraus, dass der Betrieb von Flüchtlingsunterkünften am Ende ein Geschäft ist, bei dem ein Gewinn herausspringen muss. Auch die privaten Anbieter in Berlin sind übrigens keine Altruisten.

Das ist legitim, solange gewisse Qualitätsvorgaben eingehalten werden müssen. Doch solche hat Hero Norge in Berlin kaum. Bei den Interims-Vergaben des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten für den Betrieb von 19 Unterkünften, bei denen die Skandinavier in zwei Fällen zum Zug kamen, war wohl der Preis das einzige Zuschlagskriterium. Für hiesige Anbieter galten dieselben Bedingungen, doch das Angebot aus Norwegen war offenbar nicht zu toppen.

Problematisch dabei ist, dass Hero Norge als Neuling nicht über die Vor-Ort-Vernetzung der erfahrenen Konkurrenz verfügt. Kontakte zu Ehrenamtlichen und Vereinen für Sprachkurse, Freizeitangebote und Behördengänge – all das ist für einen erfolgreichen Betrieb essen...

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