Flüchtlingslager in Nordfrankreich durch Großbrand zerstört

Flüchtlingslager in Grande-Synthe bei Brand zerstört

Bei einem Großbrand ist ein Flüchtlingslager in Nordfrankreich nach Kämpfen zwischen hunderten Campbewohnern nahezu vollständig zerstört worden. In dem Lager in Grande-Synthe bei Dünkirchen brannten in der Nacht auf Dienstag die meisten der 300 Flüchtlingsunterkünfte nieder, wie die Behörden mitteilten. Mehrere Menschen wurden verletzt. Vorausgegangen waren Zusammenstöße zwischen kurdischen und afghanischen Flüchtlingen.

"Es müssen an mehreren Stellen Feuer gelegt worden sein, anders ist das nicht möglich", sagte der Büroleiter des Bürgermeisters von Grande-Synthe, Olivier Caremelle, der Nachrichtenagentur AFP. "Vermutlich gibt es eine Verbindung zu Kämpfen zwischen Irakern und Afghanen." Näheres müssten die Ermittlungen noch zeigen.

Der zuständige Präfekt Michel Lalande sagte, das im März 2016 errichtete Lager sei in einen "Haufen Asche" verwandelt worden. Die Errichtung neuer Flüchtlingsunterkünfte sei dort "unmöglich".

In dem Lager am Ärmelkanal, in dem rund 1500 Flüchtlinge in Holzunterkünften lebten, hatten sich irakische Kurden und Afghanen am Montag heftige Kämpfe geliefert. Daran beteiligt waren nach Polizeiangaben zunächst 200 Flüchtlinge, später sogar 600. Sechs Menschen wurden mit Messern verletzt. Bei dem anschließenden Großbrand wurden mindestens zehn Menschen verletzt.

Die Kämpfe zwischen den Flüchtlingen gingen bis in die Nacht weiter. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Die Beamten wurden aber immer wieder mit Steinen beworfen, wie ein AFP-Journalist berichtete.

Das Lager wurde vollständig evakuiert. Die Flüchtlinge sollten zunächst in Notunterkünften untergebracht werden. Die Stadt Grande-Synthe stellte bereits zwei Turnhallen zur Verfügung.

Die Spannungen in Grande-Synthe hatten nach der Schließung des Flüchtlingslagers im 40 Kilometer entfernten Calais im vergangenen Herbst zugenommen. Zahlreiche afghanische Flüchtlinge kamen nach dem Abriss des "Dschungels" nach Grande-Synthe. Das führte zu Konflikten mit bereits dort lebenden kurdischen Flüchtlingen. Nach Angaben von Beobachtern mussten die Afghanen in den Gemeinschaftsküchen leben, weil die Wohnhütten bereits von den irakischen Kurden belegt waren.

Die französische Regierung hatte Mitte März angekündigt, das Flüchtlingslager in Grande-Synthe auflösen zu wollen. Der damalige Innenminister Bruno Le Roux nannte die Zustände in dem Lager unhaltbar und verwies auf Prügeleien zwischen Flüchtlingen.

Das Lager war von der Stadt Grande-Synthe zusammen mit der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen errichtet worden. An der nordfranzösischen Küste halten sich zahlreiche Flüchtlinge auf, die heimlich nach Großbritannien gelangen wollen.

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