Flaschen, Papier, Dreck: In Rodenkirchen ärgern sich Anwohner über zugemülltes Ufer

Autorin Ulrike Süsser über die Probleme an der „Rodenkirchener Riviera“.

Von „Ballermann-Atmosphäre“ war die Rede, von Lärm, niveaulosem Verhalten, von „Sauerei“ und „Sauferei“.

Nach den vergangenen sommerlich warmen Wochenenden regen sich in den sozialen Medien wieder zahlreiche Bürger über die „Partymeile“ direkt an der niedrigen Hochwassermauer an der Rodenkirchener Uferstraße auf. Jugendliche treffen sich dort zum Feiern – es ist ja auch zu verlockend und fast wie im Urlaub.

Belästigung nimmt zu

Eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht öffentlich preisgeben möchte, ist extra eine Woche ins Sauerland verreist. „Weil ich mal durchschlafen wollte“, sagt die 80-Jährige. Seit vielen Jahren lebt sie am Rheinufer, aber seit 2008 der Hochwasserschutz fertig geworden sei, nehme die Belästigung ständig zu. Immer mehr junge Leute kämen aus Rodenkirchen, Marienburg, Lindenthal oder Klettenberg ans Ufer.

Das wisse sie von Bekannten, die in diesen Stadtteilen wohnen. Zum Teil würden sie ihre Enkelkinder sogar mit dem Auto selbst dorthin bringen und wieder abholen. Als problematisch empfinden die Anwohner vor allem die laute Musik, die aus den unterschiedlichen „Ghettoblastern“ dröhnt, einen offenbar erheblichen Alkoholkonsum und den Müll, den die Feiernden hinterlassen.

Wenn sich die Jugendlichen weiter unten am Strand oder in der Wiese aufhalten würden, könnten wohl alle Betroffenen damit leben, findet die Anwohnerin, die selbst als Jugendliche dort gefeiert hat und sich gern daran erinnert.

Bezirksbürgermeister lud zu Begehung ein

Vor kurzem fand auf Initiative des Bezirksbürgermeisters Mike Homann eine Begehung der Uferstraße mit Vertretern der Bezirkspolitik, der Polizei, der Verwaltung und Bürgern statt – allerdings sollte in erster Linie über eine bessere Beschilderung der Fahrradwege in dem Bereich gesprochen werden. Aber natürlich sei dabei auch über die „Party-Meile“ diskutiert worden, sagt Mike Homann.

Quasi als „Ersthilfe“ ist demnach vereinbart worden, dass die Polizei und das Ordnungsamt stärker kontrollieren. „Aber das allein löst das Problem nicht“, sagt Mike Homann. Vielmehr müssten Anreize geschaffen werden, damit sich die Feierfreudigen weiter unten am Strand treffen und auch weniger Müll hinterlassen. Man könne sich mobile Angebote des Jugendamtes vorstellen, einen Pavillon oder einen Strandstuhlverleih.

Runder Tisch in Rodenkirchen geplant

In Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung, mit Bürgervereinen, der AG Rodenkirchen und Anwohnern sollen Ideen entwickelt und interessante Vorschläge geprüft werden. Ein großer Runder Tisch ist geplant, an dem sich auch das aktuelle Jugendforum beteiligen soll. Noch in dieser Woche stellt es sich neu auf.

Insgesamt dürfe die Problematik nicht unterschätzt werden, betont der Bezirksbürgermeister, aber ähnlich wie am Brüsseler Platz gebe es bislang keine Patentrezepte gegen die öffentlichen Zusammenkünfte.

Denn jeder Mensch habe das Recht, sich dort aufzuhalten. Abgesehen davon weist er den oftmals erwähnten Vorwurf zurück, es sei dreckig am Rheinufer. Die Abfallwirtschaftsbetriebe räumten an Samstagen und Sonntagen ab sieben Uhr in der Früh dort auf. So zeitig sei der Reinigungstrupp sonst nirgends unterwegs. Insgesamt sei es sauber am Rheinufer in Rodenkirchen.

Was ist Ihre Meinung?

Werden die Zustände an der Mauer in Rodenkirchen tatsächlich immer schlimmer? Haben Sie Lösungsvorschläge? Wir freuen uns über Ihre Meinung. Zuschriften bitte an „Kölner Stadt-Anzeiger“, Stadtteil-Redaktion, Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln, oder per E-Mail an ksta-stadtteile@dumont.de. (sbs)

Kommentar von Ulrike Süsser zum Partylärm und zum Dreck: „Appelle werden nicht helfen“

Es ist kein neues Phänomen, dass sich Jugendliche gern zum Feiern und „Chillen“ an der Kölschen Riviera treffen. Das wissen Alteingesessene, das wissen auch Familien mit halberwachsenen Kindern, die im Kölner Süden wohnen. 

Aber der „Partyspot“ hat sich verlagert vom Strand und der Wiese hin zur Hochwasserschutzmauer entlang der Uferstraße. Dort blockieren die Feierfreudigen den Rad- und Fußweg und belästigen die Anwohner durch den Lärm, den sie mit ihren Musik-Lautsprechern verursachen. Und sie hinterlassen immer respektloser ihren Müll nach dem überheblichen Motto: Den Dreck räumen schon die anderen weg.

Ob Appelle an mehr Rücksichtnahme helfen? Ob stärkere Polizei-Kontrolle eine Besserung bewirkt? Wohl eher nicht. Der Ansatz der Rodenkirchener Politik und Bürgerschaft ist richtig, die jungen Leute wegzulocken von der Mauer und ihnen ein eigenes Stück „Partystrand“ anzubieten, vielleicht sogar mit einem eigenen Kiosk und dosierter Alkoholabgabe in Plastikbechern, um dem Glasscherbenproblem vorzubeugen.

Und es ist richtig, wenn bei einem Runden Tisch auch die Jugendlichen selbst mitreden können, so wie es jetzt geplant ist. Ein Konzept zu entwickeln ist nicht einfach, aber einen Versuch wert. Unterstützung durch die Bezirksjugendpflege und durch Sponsoren wäre sinnvoll und erfreulich.  ...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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