"Fledermaus-Tornado" zieht über australische Kleinstadt

Hunderttausende Fledermäuse formen sich zu dunklen Wolken und fliegen über die australische Kleinstadt Ingham. Der Bürgermeister spricht bereits von einer biblischen Plage.

Im Botanischen Garten der australischen Kleinstadt Ingham brechen bereits erste Äste an den Bäumen, weil zu viele Flughunde an ihnen hängen. (Symbolbild: gettyimages / John Carnemolla)

Batman und Batwoman hätten ihre Freude an diesem Spektakel: In Ingham, einem 5.000-Einwohner-Örtchen im Osten Australiens, macht es sich seit einigen Wochen eine riesige Schar Fledermäuse gemütlich. Unter ohrenbetäubendem Kreischen verdunkeln seitdem hunderttausende Flughunde, das sind die größten Arten unter den Fledermäusen, den Himmel.

In einem Fernsehbeitrag der Nachrichtensendung “A Current Affair”, der auf Youtube verfügbar ist, ist die skurrile Situation zu sehen. Der Anwohner Adam Kaurila sagt dazu: „Als würde ein Fledermaus-Tornado über die Stadt hinwegziehen.“ Auch der zuständige Bürgermeister, Raymon Jayo, teilt diesen Eindruck: „Als wäre jede Fledermaus Australiens gerade hier bei uns in Ingham.“

Besonders betroffen ist der botanische Garten der Stadt. Die Bäume sind so voll belegt mit den schwarzen herabhängenden Körpern, dass die Äste unter dem schieren Gewicht der Tiere nachgeben. „Es ist ein Alptraum“, sagt Jayo. Für ihn habe der Zustand mittlerweile das Ausmaß einer biblischen Plage angenommen.

Die Tiere stehen unter Artenschutz

Und es kommen immer weitere Tiere. Gleichzeitig wachsen die Sorgen der Inghamer und Inghamerinnen. Denn auch Bäume ringsum den Kindergarten und die Grundschule sind voller Flughunde. Kaurila – seine beiden Töchter besuchen die Grundschule – überlegt deshalb, sie vom Unterricht zu befreien. Aus Angst, dass sie von den Tieren verletzt werden und sich mit einer Krankheit anstecken.

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Auch das ansässige Krankenhaus ist von der Flughund-Invasion betroffen. Weil so viele Tiere durch die Lüfte fliegen, kann der Rettungshubschrauber kaum landen. Beim letzten Anflug musste die Maschine mehrere Runden über der Stadt kreisen, bis die Luft rein war und beim Runterkommen keine Gefahr mehr für die Besatzung bestand.

Flughunde sind in Australien gesetzlich geschützt. Das bedeutet, dass die Behörden nur sehr eingeschränkt gegen die Tiere vorgehen dürfen. Nicht-tödliche Methoden sind zwar erlaubt, dazu zählen Lärm verursachen oder die Tiere mit Licht blenden oder Rauch produzieren – aber nur dann, wenn die Tiere nicht anfangen zu brüten.

Ein Junge wurde gekratzt

Das Problem an dieser Regelung schildert Bürgermeister Jayo: „Es gibt hier vier heimische Tierarten von Flughunden, sie alle brüten zu unterschiedlichen Zeiten. Deshalb gibt es kaum ein Zeitfenster, die Tiere zu vertreiben.“

Das Fledermaus-Problem hat Ingham nicht exklusiv. “A Current Affair” berichtet auch über die Stadt Charter Towers, die 250 Kilometer entfernt liegt. Seit Jahren fallen hier Flughunde zu Tausenden zum Brüten ein. Der Stadtpark ist deshalb aus Sicherheitsgründen dauerhaft geschlossen. Die Tiere können in sehr seltenen Fällen gefährlich werden, wie Cody Ruge vor Jahren erfahren musste. Der Junge erinnert sich im Interview: „Meine Mutter und ich haben gerade Musik gehört, da ist ein Flughund aus einem Baum geflogen und hat mich gekratzt.“ Im Krankenhaus wurden Ruge daraufhin provisorisch elf Spritzen verabreicht.

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Flughunde können Überträger vieler Krankheiten sein, darunter Tollwut. Allerdings ist die Gefahr, daran zu sterben, extrem gering. In ganz Australien sind bislang nur drei tödliche Fälle einer Infektion mit den Überträgern, den Lyssaviren, bekannt.

Die Tiere sollen vertrieben werden

Des Boyland von der Umweltschutz-Organisation Wildlife Preservation Society of Australia erklärt, dass Flughunde zwar Krankheiten übertragen würden, aber eben nur durch Kratzer oder Bisse. Das komme sehr selten vor und reduziere die Gefahr für Menschen auf ein Minimum. Zudem spielten Flughunde eine essenzielle Rolle im Ökosystem Australiens: „Wenn den Menschen unsere Wälder, Steppen und die Forstwirtschaft wichtig sind, dann sind es auch die Flughunde.“ Zudem seien die eingesetzten Methoden zur Vertreibung der Tiere sehr kostenintensiv und selten erfolgreich.

Das australische Ministerium für Umwelt und Wissenschaft (The Department of Environment and Science) hat dennoch seine Unterstützung für die betroffenen Städte zugesichert. Dazu zählt, dass Dienstleister zur Vertreibung der Tiere unter Vertrag genommen wurden. Zugesichert wurden zudem Kompensationszahlungen für die Schäden im Botanischen Garten Inghams.