Studie: Firmen sollten Mitarbeitern mehr vertrauen und sie weniger kontrollieren

Arbeit am Laptop

Unternehmen können einer Studie zufolge davon profitieren, wenn sie ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten und Home-Office erlauben. Weniger Kontrolle könne zu mehr Zufriedenheit der Angestellten und zu mehr Vertrauen führen - mit potenziell positiven Auswirkungen auf die Leistungsbereitschaft, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

"Manche Unternehmen haben nach wie vor Angst, durch Home-Office oder flexible Arbeitszeiten die Kontrolle zu verlieren", erklärte IW-Autor Dominik Enste. "Unsere Studie zeigt jedoch ganz klar, dass es dafür keinen Grund gibt. Vertrauen zahlt sich aus."

So zeigt einer Auswertung der Wiederholungsbefragung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP), dass mit zunehmender Kontrolle und Überwachung der Mitarbeiter die Unzufriedenheit und die Konflikte mit dem Chef zunehmen. In Firmen mit strengen Kontrollen etwa durch Stechuhren oder Vorgesetzte sind demnach nur 45 Prozent der Befragten sehr zufrieden mit ihrer Arbeit, 32 Prozent berichten von Konflikten mit ihren Vorgesetzten.

Setzt ein Unternehmen hingegen auf weniger Kontrolle über die Einhaltung von Arbeitszeiten, sind rund 60 Prozent der Arbeitnehmer sehr zufrieden mit ihrer Arbeit - und nur 13 Prozent klagen über Konflikte mit dem Chef.

Ohnehin hat die Kontrolle durch die Vorgesetzten einer anderen Befragung zufolge, auf die die IW-Studie verweist, nur einen geringen Einfluss auf das Arbeitstempo der Angestellten. Demnach ist direkte Kontrolle nur für zwei Prozent der Arbeitnehmer entscheidend dafür, wie schnell sie arbeiten. 35 Prozent der Arbeitnehmer geben an, ihr eigenes Arbeitstempo vor allem an der Geschwindigkeit der Kollegen zu orientieren, 26 Prozent an den Forderungen von Kunden.

Die Studie wirbt für eine "Vertrauenskultur", die "ein wichtiger Wettbewerbsvorteil" für Unternehmen sein könne. "Vor allem in Zeiten von Digitalisierung und zunehmender Komplexität bildet Vertrauen eine Grundlage für erfolgreiche Zusammenarbeit", heißt es.

Studien-Autor Enste sagte der Nachrichtenagentur AFP, eine solche Vertrauenskultur erhöhe die Wahrscheinlichkeit auf eine höhere Produktivität und höhere Umsätze. Allerdings wird die Produktivität von Arbeitnehmern in der IW-Studie nicht direkt untersucht.