Flughafen Köln/Bonn: Lärmschützer halten Gebührenerhöhung für viel zu gering

In Köln/Bonn müssen Airlines vor allem bei Nachtflügen mehr bezahlen.

Der Flughafen Köln/Bonn wächst – und mit zunehmendem Flugbetrieb stören sich auch einige Anwohner an der steigenden Zahl von Flügen in der Nacht. Um dagegen anzusteuern, hatte Flughafenchef Michael Garvens jüngst im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ angekündigt, dass die Gebühren für Starts und Landungen zwischen 22 und 6 Uhr von Mai an steigen sollen, während sie am Tag gesenkt werden.

Kosten bei 584 Euro am Tag und 884 Euro in der Nacht - zweiter Anstieg in kurzer Zeit

„Mit der neuen Gebührenordnung steigen die lärmabhängigen Entgelte für nächtliche Passagierflüge zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren deutlich an“, sagte ein Sprecher. Der Flughafen sehe darin einen finanziellen Anreiz für Airlines, Flüge wann immer möglich am Tag durchzuführen.

Für einen Airbus A319, mit dem etwa Eurowings die Kurz- und Mittelstrecke fliegt, kostet Starten und Landen in der Nacht künftig rund 80 Prozent mehr als am Tag. Pro Flug sind demnächst tagsüber 572 Euro, nachts 1026 Euro fällig. Derzeit liegen die Gebühren bei 584 Euro am Tag und 884 Euro in der Nacht. „Dieses Modell, das Flüge am Tag belohnt und Flüge in der Nacht verteuert, ist erfolgreich“, so Garvens.

Das allerdings bezweifelt die Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn und kritisiert die Pläne des Flughafens. Sie verweisen darauf, dass sich die Gebührenerhöhung in der Nacht etwa beim Beispiel A319 auf 142 Euro beläuft, ein Plus von gerade mal 16 Prozent. „Um die Nacht zwischen 0 und 5 Uhr vom Passagierverkehr frei zu halten, müsste man an der Gebührenschraube wesentlich rigoroser drehen und nicht nur mit homöopathischen Beruhigungstropfen für Politik und breite Öffentlichkeit operieren“, sagt Wolfgang Hoffmann von der Lärmschutzgemeinschaft.

Weniger Lärm um den Flughafen

Die Lärmschützer räumen zwar ein, dass es in den Außenbezirken um den Flughafen insgesamt ruhiger geworden ist. Das erklärt sich zum einen damit, dass mittlerweile mehr leisere Maschinen zum Einsatz kommen. Zum anderen werden lärmärmere Flugrouten besser eingehalten.

In den inneren Gebieten nahe des Flughafens sei dies allerdings nicht der Fall. „Im Gegenteil“, sagt Hoffmann. Durch die Zunahme der Nachtflüge seit 2009 sei man nun bei einer Zahl von mehr als 40 000 pro Jahr.

Messungen zeigen Gegenteil

Hoffmann verweist auf die Ergebnisse der Messungen durch die Fluglärmmessstellen des Flughafens in Köln (Merheim, Rath/Heumar und Gremberghoven), Troisdorf, Siegburg-Stallberg und Hennef-Realschule, die alle keine Verminderung, sondern eher eine Erhöhung der Messwerte auswiesen. „Auch zeigen die Ergebnisse nicht nur dieser Messstellen, dass die acht Nachtstunden stärker durch Fluglärm belastet sind als die 16 Tagstunden“, so Hoffmann.

Ermittelte Nachtfluglärm entscheidend

Auf die Frage, ob dies nicht für Anwohner bedeute, dass ihr Schallschutz verbessert werden müsste, antwortet das Landesverkehrsministerium in Düsseldorf: „Für die Frage der Erforderlichkeit zusätzlicher aktiver und passiver Lärmschutzmaßnahmen ist alleine der durch lärmtechnische Berechnung fachgutachterlich ermittelte Nachtfluglärm maßgeblich und nicht das Ergebnis einzelner Fluglärmmessungen.“ Darüber hinaus sei „der am Flughafen Köln/Bonn stattfindende Nachtflugbetrieb nicht zu beanstanden“.

Das Ministerium verweist zudem darauf, dass das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen (OVG) erst jüngst erneut die Rechtmäßigkeit des (Nacht-)Flugbetriebs am Flughafen Köln/Bonn bestätigt hat. Das Oberverwaltungsgericht habe insoweit eine Klage von Flughafenanwohnern abgewiesen und die Revision nicht...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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