Flughafen von Kabul nach Taliban-Erfolgen mit Raketenabwehrsystem aufgerüstet

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Bis Ende August sollen alle US-Soldaten aus Afghanistan abgezogen sein

Nach mehreren militärischen Erfolgen der Taliban rüstet sich die afghanische Armee für weitere Angriffe. Am Flughafen von Kabul wurde ein Raketenabwehrsystem installiert, wie die afghanische Regierung am Sonntag mitteilte. Im Nordwesten bereitete die Armee unterdessen offenbar eine Gegenoffensive vor, nachdem die Taliban dort einen wichtigen Grenzübergang erobert hatten. Angesichts der instabilen Lage rief Kabul europäische Staaten zu einem Stopp der Abschiebungen nach Afghanistan auf.

Die Taliban hatten am Freitag den Grenzübergang Islam Kala unter ihre Kontrolle gebracht. An dem rund 120 Kilometer von der Provinzhauptstadt Herat entfernten Übergang wird der größte Teil des offiziellen Handels mit dem Iran abgewickelt.

Seit dem Beginn des Abzugs aller Nato-Truppen Ende April haben die Taliban nach eigenen Angaben bereits 85 Prozent des Landes erobert. Sie kontrollieren demnach rund 250 der knapp 400 Bezirke in Afghanistan - eine Darstellung, die nicht unabhängig überprüft werden kann und von Kabul zurückgewiesen wird.

Die von den Taliban ausgehende Gewalt, aber auch die dritte Corona-Welle, hätten in Afghanistan "wirtschaftliche und soziale Unruhen" ausgelöst, erklärte am Wochenende das Flüchtlingsministerium in Kabul. Das Ministerium appellierte an die europäischen Staaten, in den kommenden drei Monaten keine Afghanen abzuschieben. Dass derzeit Abschiebeflüge aus Europa in Afghanistan landeten, sei besorgniserregend.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR lebten im Jahr 2018 fast 2,5 Millionen afghanische Flüchtlinge im Ausland, die meisten in den Nachbarländern Pakistan und Iran. In der EU lebten offiziellen Angaben zufolge im vergangenen Jahr etwa 416.000 afghanische Asylbewerber.

Beobachter befürchten, dass die Taliban nach dem vollständigen Abzug der USA und ihrer Nato-Partner aus Afghanistan wieder die Macht in dem Land übernehmen könnten. Die Islamisten stoßen bei ihrem Vormarsch teilweise kaum auf Gegenwehr. An anderen Orten gibt es heftige Kämpfe, wie derzeit um die Provinzhauptstadt Kala-i-Naw im Nordwesten des Landes.

Das am Flughafen von Kabul installierte Luftabwehrsystem wurde in der Nacht zum Sonntag in Betrieb genommen, wie das Innenministerium mitteilte. Das nicht näher bezeichnete System soll die Hauptstadt vor Raketenangriffen schützen. Unklar war zunächst, wer das System eingerichtet hatte.

Armeesprecher Adschmal Omar Schinwari erklärte, das System basiere auf einer "komplizierten Technologie". Afghanistan habe es von seinen "ausländischen Freunden" erhalten, die es zunächst auch betreiben würden.

Die Türkei hatte angekündigt, nach dem Abzug der verbliebenen US-Soldaten Sicherheitsinfrastruktur für den Kabuler Flughafen bereitzustellen. Am Freitag sagte Staatschef Recep Tayyip Erdogan, Ankara und Washington hätten sich auf den Umfang der türkischen Sicherung des Flughafens geeinigt.

Während sich die Angriffe der Taliban zuletzt auf den Norden und Westen des Landes konzentrierten, war Kabul im vergangenen Jahr immer wieder Ziel von Angriffen durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Auch zu einem Raketenangriff auf den US-Hauptstützpunkt Bagram in diesem Jahr hatte sich der IS bekannt.

Die US-Armee hatte Bagram Anfang Juli an die afghanischen Streitkräfte übergeben. Bis Ende August soll der vollständige Abzug der US-Soldaten aus Afghanistan vollzogen sein. Die Bundeswehr ist bereits seit Ende Juni nicht mehr in Afghanistan präsent.

Auch Australien zog in den vergangenen Wochen alle verbliebenen Soldaten aus Afghanistan ab, wie Verteidigungsminister Peter Dutton am Sonntag sagte. Indiens Außenministerium verkündete derweil die "vorläufige" Rückkehr seiner Diplomaten aus dem Konsulat im südafghanischen Kandahar nach Indien. Vor wenigen Tagen hatte bereits Russland die Schließung seines Konsulats im nordafghanischen Masar-i-Scharif verkündet.

Trotz des Taliban-Vormarsches hatte US-Präsident Joe Biden am Donnerstag seine Entscheidung für einen raschen Truppenabzug verteidigt. Die USA hätten seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ihre Ziele im Anti-Terror-Kampf am Hindukusch "erfüllt".

isd/dja

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