Folterer des Vaters der chilenischen Präsidentin kommt vorzeitig auf freien Fuß

Der wegen tödlicher Folter des Vaters von Chiles Präsidentin Michelle Bachelet zu vier Jahren Haft verurteilte Offizier der damaligen Militärdiktatur kommt vorzeitig auf freien Fuß. Der zuständige Richter entschied, dass Edgar Cevallos Jones die Haft nicht länger zugemutet werden könne. Das habe eine psychiatrische Untersuchung des Greises ergeben, heißt es in der von der Justiz am Mittwoch verbreiteten Entscheidung des Richters Mario Carroza.

Der ehemalige Luftwaffenoffizier werde "in Kürze seinen Angehörigen in Gewahrsam übergeben". Die Familie Bachelet kann gegen die Entscheidung in Berufung gehen.

Cevallos wurde zusammen mit einem anderen Luftwaffenoffizier, Ramón Cáceres, 2014 wegen Folter mit Todesfolge verurteilt. Im Januar 2017 wurde er im Sondergefängnis von Punta Peuco, im Norden der Hauptstadt Santiago, inhaftiert. Die dort Einsitzenden wurden wegen Menschenrechtsverstößen unter der Militärjunta von General Augusto Pinochet zwischen 1973 und 1990 verurteilt.

Laut Richter Carroza gaben die beiden ehemaligen Luftwaffenoffiziere mehrfach zu, ihren einstigen Vorgesetzten Alberto Bachelet gefoltert zu haben. General Bachelet hatte sich dem Militärputsch unter Pinochets Führung gegen den sozialistischen Staatschef Salvador Allende im September 1973 widersetzt und wurde deswegen festgenommen.

In der Gefangenschaft wurde Bachelet unter anderem geschlagen und Stromschlägen ausgesetzt. Später wurde der General unter Hausarrest gestellt und starb im Jahr 1974 im Alter von 50 Jahren an einem Herzinfarkt, der nach Gerichtserkenntnissen Folge der Folter war. Auch Bachelets Tochter Michelle wurde während der Militärherrschaft inhaftiert und gefoltert. Sie war in den Jahren 2006 bis 2010 erstmals Präsidentin Chiles, 2014 kehrte sie in das Amt zurück.

Während Pinochets Herrschaft wurden nach Angaben der chilenischen Regierung mehr als 3200 Menschen ermordet. 38.000 Menschen wurden demnach gefoltert.

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