Forderungen nach Ende der Corona-Maßnahmen mehren sich

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Corona-Schild in Rosenheim

Angesichts anhaltend niedriger Infektionsraten und Fortschritten bei der Impfkampagne mehren sich die Forderungen nach baldiger Aufhebung der Corona-Beschränkungen. Sobald allen Bürgern ein Angebot gemacht wurde, könne über weitere Lockerungen für vollständig Geimpfte gesprochen werden, sagte Unionsfraktionsvize Thorsten Frei (CDU) der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Unterdessen vertrat Weltärztebund-Präsident Frank Ulrich Montgomery die Auffassung, dass die angestrebte Herdenimmunität kurzfristig nicht erreichbar sei.

Wer selbst geschützt sei und für andere keine Gefahr mehr darstelle, "muss so weit wie möglich von Einschränkungen befreit werden", sagte Frei. Leichte Maßnahmen wie die Maskenpflicht in Bus und Bahn könne er sich je nach Situation aber weiter vorstellen.

Eine Abkehr von den Maßnahmen sei "verfassungsrechtlich zwingend", sagte der Unions-Rechtsexperte Jan-Marco Luczak (CDU) der "Welt" am Dienstag. "Die Maßnahmen waren richtig und notwendig, um das Pandemiegeschehen in den Griff zu bekommen."

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hält das Ende der Beschränkungen wegen der Fortschritte beim Impfen für geboten. "Wenn alle Menschen in Deutschland ein Impfangebot haben, gibt es rechtlich und politisch keine Rechtfertigung mehr für irgendeine Einschränkung", sagte er mehreren Medien. Das sei "im Laufe des August" zu erwarten.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte in Berlin, wenn sich Menschen trotz der Möglichkeit dazu nicht impfen ließen, könnten sie zunehmend weniger erwarten, dass die Gesellschaft Maßnahmen für ihren Schutz aufrecht erhält.

Ähnlich argumentierte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) nannte ein Ende der Maßnahmen grundsätzlich richtig. "Wer die Chance hat, sich impfen zu lassen, es aber aus eigener freier Entscheidung nicht tut, kann nicht vom Staat und anderen verlangen, dass es weiterhin Einschränkungen zu seinem Schutz gibt", sagte ein Sprecher Laumanns der Düsseldorfer "Rheinischen Post" vom Dienstag.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer forderte die Bundesregierung auf, den Menschen verbindlich zu sagen, wann sie ihre Freiheitsrechte zurückbekommen. "Das ist der beste Turbo gegen Impfmüdigkeit", erklärte er.

Montgomery sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Dienstag, der Anteil der Geimpften und Genesenen müsste nach neuen Rechenmodellen bei rund 85 Prozent liegen. Er bezog sich damit auf Aussagen des Robert-Koch-Instituts (RKI), denen zufolge wegen der besonders ansteckenden Delta-Variante für eine Herdenimmunität ein größerer Teil der Bevölkerung geimpft werden muss als bislang angenommen.

"Die zehn Prozent, die sich ums Verrecken nicht impfen lassen wollen, werden ihre Immunität erreichen, indem sie eine Erkrankung durchmachen", erklärte der Weltärztebund-Chef. Das werde dann geschehen, "wenn wir alle Vorsichtsmaßnahmen fallen lassen".

Der Schlüssel zum Erfolg gegen das Virus sei eine möglichst hohe Durchimpfung der Bevölkerung, sagte Montgomery. Dafür müssten die Impfskeptiker überzeugt und Anreize gesetzt werden, damit sich mehr Menschen impfen lassen. "Ich glaube aber nicht, dass wir auf die Maske komplett verzichten können."

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie geht davon aus, dass das Coronavirus auf Dauer nicht verschwinden wird. Ihr Vizepräsident Reinhold Förster sagte den Funke-Zeitungen, solange die Kinder und Jugendlichen gar nicht oder wenig geimpft seien, "werden wir keine Herdenimmunität bekommen". Zudem bestehe die Frage, wie viele der frühzeitig geimpften Bewohner in Altenheimen noch ausreichend Antikörper haben - und wie gut sie gegen die neue Delta-Variante geschützt sind.

jp/cha

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