Fort Boyard: Ein Hauch von Dschungelcamp

Johannes Giesler
Freier Autor

Jürgen Milski im Fort Boyard: Bevor es losgeht, verliert er die Fackel. Foto: Sat.1 / WIlli Weber

Am Mittwoch kommt die zweite Ausgabe – und damit ist schon Halbzeit der neuen Staffel – Fort Boyard auf Sat.1. Die Promis der Woche schlagen sich beachtlich und am Ende steht eine große Summe für den guten Zweck. Bis es aber soweit ist, schleichen sich einige Längen und langweilige Spiele ein. 

Die Promis

In der zweiten Ausgabe der Staffel finden sich die beiden ehemaligen WM-Helden David Odonkor und Mario Basler, Moderator und Big Brother-Urgestein Jürgen Milski, Influencerin Carina Spack und Model Sarah Knappik zusammen. Eine gute Mischung aus Trash- und Unterhaltungserfahrung, sollte man meinen. Die sind sicher auch gut für ein wenig Krawall, dachte man. Aber: Fehlanzeige. Hier zeigt sich das Problem des auf absolute Kurzweil getrimmten Formats – zu jeder Prüfung wird gerannt, ein Promi absolviert dann flugs die Herausforderung, der Rest feuert zeitgleich an, dann wird weitergehetzt: Es ist einfach komplett egal, wer diese Woche versucht, Fort Boyard zu stürmen. Weil keine Zeit bleibt, sich zu inszenieren und sich zu zeigen, von der besten oder schlechtesten Seite. Klar, das ist auch mal ganz nett, aber dann muss das Showkonzept allein tragen und für Unterhaltung sorgen, wenn die Kandidaten stumm geschaltet sind.

Das funktioniert auch ganz gut – in einigen Spielen zumindest. Etwa, als sich Mario Basler und David Odonkor kniend drei kleine Holzquadrate teilen, die hoch in der Luft zwischen zwei Drahtseilen gespannt sind. Wie eine Raupe müssen sie dann das erste Quadrat vorschieben, darauf Odonkors Oberkörper, dann das zweite Quadrat nachziehen, darauf Odonkors Rest und sehr viel Basler, zum Schluss das dritte Quadrat ebenfalls nachziehen. Einmal hin und einmal zurück. Die Prüfung schaffen die beiden zwar nicht, aber sie lernen sich sehr viel besser kennen. Unter lautem Grunzen.

Mario Basler und David Odonkor raupen sich im Fort Boyard durch die Lüfte. Foto: Sat.1 / Willi Weber

Der lustigste Moment

Für den lustigsten Moment des Abends sorgt Jürgen Milski. Bei seiner Prüfung „Firestarter“ liegt er zunächst rücklings auf einer Bahre, die irgendwann abkippen und ihn, kopfüber hängend, an einem steil gespannten Seil Richtung Atlantik schießen lassen soll. Dabei entfacht er ein Signalfeuer und befördert das während der Rutschpartie in eine schwimmende Tonne. Für diese Action-Prüfung hat er sich auch einen Spruch bereitgelegt, als Moderator Matthias Killing das Go gibt, schreit Milski: „Ich liebe euch alleeeee.“ Dann passiert: Nichts. Er liegt einfach nur da. Kein Kippen, Rutschen, Werfen. Er hat das Signalfeuer ins Meer fallen lassen.

Die Dschungelcamp-Reminiszenz

Auf Fort Boyard gibt es einen eigens eingerichteten kleinen Zoo, mit Schlangen, Tigern (inklusive Dompteurin mit knallender Peitsche), Spinnen und derlei weiteres Getier. Zum Einsatz in den Spielen kommen die aber nicht, die kriechen, tigern und hängen nur für die kleinen Einspieler so rum. Trotzdem verbreiten sie ein wenig Dschungelcamp-Feeling. Das gipfelt dann bei der Prüfung von Sarah Knappik. In „Kopfkino“ schiebt sie sich, Gesicht voran, durch einen Mini-Zoo. Maden ergießen sich über sie, ein Fliegenschwarm summt herum, Heuschrecken überall. Fehlen nur noch Sonja Zietlow und Daniel Hartwich.

Top 3 der Sarah Knappik-Sprüche

Dass die große Klappe von Sarah Knappik nicht durchgehend ruhiggestellt werden kann, ist auch klar. Deswegen hier eine kurze Top 3 des Abends.

„Ich als alter Reality-Prisoner habe mich gar nicht vorbereitet und lasse mich einfach mal überraschen“, sagt sie gleich am Anfang. Ob sie damit meint, dass sie in dem Moment im Fort Boyard in einem ehemaligen Gefängnis sitzt oder in einem klaren Moment eher auf ihre Karriere blickt, bleibt unklar.

„Die Bondage-Nummer fand ich geil“, sagt sie nach dem Spiel „Mumie“, in dem sie einbalsamiert wird. Ihre Teamkollegen lösen zeitgleich ein Puzzle, damit lassen die sich aber erstmal Zeit, bis Knappiks Kopf ganz eingewickelt ist.

„Voll auf die Fresse.“ Dahin hat sie sich im Finale gelegt, beim Versuch extra viele Münzen zu retten.

Das Finale

Apropos: Die Promis schlagen sich gut, finden schnell das Lösungswort raus – in den bisherigen Spielen haben sie vier der fünf möglichen Hinweise herausgefunden, diese sind: Arzt. Schmaus. Binde. Aufschlag. Sie alle passen zum Lösungswort. Auf dem Boden des Finalorts sind Buchstabenfelder eingelassen, jeder Promi stellt sich jetzt auf eins und gemeinsam bilden sie: A – U – G – E – N.

Das ist die richtige Lösung: In einen Käfig regnet es jetzt Gold, das gilt es einzusammeln in den verbleibenden zwei Minuten und in einen Eimer zu werfen. Je mehr Gold, desto mehr Gewinn gibt es am Ende. Und das sind stolze 16.460 Euro für den guten Zweck. Viva con Agua. Denn Wasser ist ein Menschenrecht. Keine Frage, das ist jede Woche der beste Moment der Show.