Auf dieses Foto wurde kein schwarzer Kreis gezeichnet — euer Gehirn trickst euch aus

Lisa Schönhaar

Was ist eigentlich real? Das, was wir sehen können? Wie real sind beispielsweise Farben? Denn diese hier könnt ihr wahrscheinlich nicht sehen ...

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Das, was ein wenig so aussieht wie ein mit Photoshop erzeugter Fleck, ist tatsächlich Farbe auf Folie. Sie nennt sich „Vantablack“ und ist so schwarz, dass unser Auge und Gehirn sie einfach nicht verarbeiten können. „Vantablack“ absorbiert einen so hohen Anteil des Lichtspektrums — 99,965 Prozent des ultravioletten, sichtbaren und infraroten Lichts — dass alles, was mit dieser Farbe überzogen ist, für das menschliche Auge wie ein Loch aussieht. 

Zur Erklärung: Menschen sind dazu in der Lage, Millionen verschiedener Farben wahrzunehmen und zu unterscheiden. Verantwortlich dafür sind die Zapfen in der Netzhaut. In Inneren dieser Zapfen befinden sich Fotopigmente, so genannte Opsine, die – vereinfacht ausgedrückt – Licht zunächst in chemische Signale umwandeln, die über eine lange Kette von Ereignissen zu einem elektrischen Signal führen.

Wir besitzen drei verschiedene Varianten, von denen jede auf Licht in einem bestimmten Wellenlängenbereich besonders anspricht. Deshalb gibt es auch drei Zapfentypen: Die blauempfindlichen Zapfen werden aktiviert durch Licht einer Wellenlänge von rund 430 Nanometer, die grünempfindlichen Zapfen bei etwa 530 Nanometern und die rotempfindlichen Zapfen haben ihr Absorptionsmaximum nahe 560 Nanometer.

Betrachten wir beispielsweise eine rote Erdbeere, dann ist sie nur deshalb rot, weil sie vom weißen Licht nur die „roten“ Wellenlängen ab etwa 560 Nanometern aufwärts reflektiert. Alle anderen Teile des Lichtspektrums werden von der Erdbeere absorbiert. Das reflektierte Licht fällt also in unser Auge und reizt auf der Netzhaut jene Zapfenzellen, die auf diese Wellenlängen spezialisiert sind. 

 Und so sehen wir etwas, das überhaupt kein Licht reflektiert.

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Das Unternehmen Surrey NanoSystems, das die Farbe entwickelt hat, verbesserte sie erst im vergangenen Jahr, sodass „Vantablack“ nun noch schwärzer ist als zuvor. Spektrometer können nun nicht mal mehr erfassen, wie wenig Licht es reflektiert. Ein Versuch mit dem Laser macht das deutlich: 

Was hier aussieht wie ein Laserstrahl, der unter dem Material hindurchwandert, ist in Wirklichkeit einfach nicht mehr zu sehen, sobald er auf „Vantablack“ trifft. 

Die Wissenschaftler tragen das Material zwischen 20 und 30 Mikrometer dick auf. Ein Bestandteil des Materials sind Kohlenstoff-Nanoröhren — 0,05 Prozent machen sie aus. Der Rest: Zwischenräume. Trifft Licht auf das Metarial, gelangt es in die freien Räume zwischen den reflektierenden Nanoröhren und prallt so lange zwischen ihnen hin und her, bis es absorbiert und in Wärme verwandelt wird. Die Wärme wird schließlich in das Substrat des Materials geleitet und zerstreut. 

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Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, beispielsweise um dem Rauschen in Sensoren, Teleskopen, Spektrometern und Kameras entgegenzuwirken. Auch aus ästhetischen Gründen könnte „Vantablack“ Anwendung finden — zum Beispiel im Produktdesign oder der Architektur, wenn es nicht nur schwarz sein soll, sondern absolut „nichts“. 

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Und weil man sich kaum satt daran sehen kann:

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 Blau-weiß oder schwarz-braun? Darum nehmen wir die Farben dieser Jacke unterschiedlich wahr

 Darum kommt euer Gehirn mit dieser Farbe einfach nicht klar

 Dieses Bild enthält kein einziges rotes Pixel — und trotzdem glauben alle, die Farbe zu sehen

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