Zum Tod von Niki Lauda: Das Leben einer Legende in Bildern

Heiko Stritzke

Weltmeister, Perfektionist, TV-Experte: Niki Lauda erlebte in seinen 70 Lebensjahren eine außerordentliche Karriere als Sportler und Geschäftsmann.


Niki Lauda, Non-Executive Chairman, Mercedes AMGSam Bloxham / LAT Images

Ein Mann, der sich bis zum Schluss treu blieb. Niki Lauda verstarb am 20. Mai 2019. Er kämpfte seit einer Lungentransplantation im Sommer 2018 mit seiner Gesundheit. Ein Blick zurück auf eine einzigartige Karriere.

 

Niki Lauda, BRM LAT Images

Sein erstes Rennen bestritt er als 19-jähriger Nobody in einem Mini Cooper S 1300 bei einem Bergrennen in Oberösterreich, sein letztes als einer der erfolgreichsten Formel-1-Piloten aller Zeiten für McLaren beim Großen Preis von Australien in Adelaide. Eine Eigenschaft war dabei immer typisch Niki Lauda: sein gnadenloser Perfektionismus.

 

Niki Lauda, March 721X Ford; Jacky Ickx, Ferrari 312B2 LAT Images

Lauda war noch nicht lange im internationalen Motorsport aktiv und hatte gerade ein Jahr in der Französischen Formel 3 absolviert, als er 1971 im heimischen Spielberg bei seinem ersten Formel-1-Rennen für March an den Start rollte. Um beim klammen Team weiter an Bord zu bleiben, besorgte er sich einen Kredit in Höhe von zwei Millionen Schilling.

 

Niki Lauda, BRM P160E Rainer W. Schlegelmilch

Für seinen Traum hatte er sich mit seiner Familie und besonders mit seinem Vater, einem einflussreichen Industriellen, komplett überworfen. Der Wagemut zahlte sich aus. 1973 gelang Lauda beim Monaco-Grand-Prix der Durchbruch. Für seinen neuen Arbeitgeber BRM fuhr er auf Platz drei und düpierte dabei Jacky Ickx. Enzo Ferrari war dieser Auftritt nicht entgangen.

 

#29 Alpina BMW 3.0 CSL: Niki Lauda, Hans-Peter Joisten BMW AG

Ehe es mit dem Commendatore an den Verhandlungstisch ging, feierte Lauda allerdings noch seinen größten Erfolg im Sportwagen-Geschäft. In einem BMW 3.0 CSL gewann er an der Seite des Deutschen Hand-Peter Joisten die 24 Stunden auf der Nürburgring-Nordschleife.

 

Niki Lauda, Ferrari 312B3 Sutton Images

1974 war er dann angekommen in Maranello, wo er zusammen mit dem neuen Rennleiter Luca di Montezemolo und Designer Mauro Forghieri Ferrari zurück zu alter Stärke führte. Die ersten Früchte gab es im spanischen Jarama zu ernten...

 

Podium: 1. Niki Lauda, Ferrari; 2. Patrick Depailler, Tyrrell; 3. Tom Pryce, Shadow LAT Images

...mit dem ersten Grand-Prix-Sieg in Laudas Karriere. 24 weitere sollten folgen, dazu 24 Pole-Positions und 24 schnellste Runden. Insgesamt 54-mal stand der gebürtige Wiener auf dem Podium und legte 1.590 Führungsrunden über 7.055,6 Kilometer zurück.

 

Niki Lauda, Ferrari 312T LAT Images

Richtig ernst wurde es 1975 mit dem Ferrari 312T, der sich als wahre Wunderwaffe entpuppte. Lauda trat endgültig aus dem Schatten seines Teamkollegen Clay Regazzoni und holte seinen ersten WM-Titel.

 

Podium: 1. Clay Reggazoni, 2. Emerson Fittipaldi, 3. und Weltmeister Niki Lauda LAT Images

Obwohl er in Monza das Ziel als Dritter hinter dem Schweizer erreichte, feierte Lauda die Krone vor den Tifosi in Monza. In Italien war ein Held geboren.

 

Polesitter: James Hunt, McLaren M23 Ford; Niki Lauda Ferrari 312T2 LAT Images

Doch kein Champion ohne Herausforderer: 1976 kam bei McLaren ein Naturtalent empor, das ein kompletter Gegenentwurf zu Lauda war: ein extrovertierter Lebemann, der Partys und hübsche Frauen mindestens genauso liebte wie den Motorsport. Die Saison wurde eine für die Ewigkeit.

 

Die Ex-Weltmeister James Hunt und Niki Lauda im Fahrerlager LAT Images

Dabei waren sich Lauda und Hunt trotz ihrer scheinbar unüberbrückbaren Gegensätze abseits der Strecke keineswegs spinnefeind, sondern durchaus zugetan. Der Ferrari-Pilot hatte im Duell der beiden lange die Nase vorne, doch dann kam es zu einem entscheidenden Moment in der Karriere von Lauda. (Hier bei einem Wiedersehen im Jahre 1992)

 

Bergung des Unfallautos von Niki Lauda, Ferrari 312T2 LAT Images

Am 1. August 1976 verunglückte Niki Lauda auf der Nordschleife des Nürburgring, zwischen der Passage des Adenauer Ortsteils Breidscheid und dem Bergwerk. Nach dem Einschlag in die Böschung mit rund 220 km/h ging der Ferrari 312T2 in Flammen auf, knapp 200 Liter Benzin entfachten ein Inferno. Die Fahrerkollegen Brett Lunger, Harald Ertl und Guy Edwards versuchten verzweifelt, ihren Fahrerkollegen zu retten.

 

Verbrannter Helm von Niki Lauda, Ferrari LAT Images

Doch ihre Anstrengungen blieben vergebens. Sich durch die Flammen kämpfen und den klemmenden Sicherheitsgurt, der Lauda an den Wagen fesselte, öffnen, konnte erst Arturo Merzario. Der Italiener, der angehalten hatte und zum Wrack geeilt war, befreite ihn. Er zog seinen Kameraden gemeinsam mit Ertl aus dem Fahrzeug und leistete Erste Hilfe. Dass das Drama überhaupt dokumentiert ist, ist einem französischen Fan zu verdanken, der die Szenen auf Super-8-Film bannte.

 

Arturo Merzario und Niki Lauda XPB Images

Das Fernsehen hatte keine Kamera an der Unfallstelle, die Bilder gingen erst einige Tage später um die Welt. 36 Jahre später erinnert sich Merzario in 'Bild am Sonntag' im gemeinsamen Interview mit Lauda an die dramatischen Momente: "Als ich zum Auto lief, hörte ich Nikis Schreie. Du warst leicht wie eine Feder. Dann habe ich dein Herz massiert und beatmet, bis der Krankenwagen kam", sagt er in Richtung des dreimaligen Weltmeisters. Merzario rettete Laudas Leben. (Lauda und Merzario bei einem Wiedersehen im Jahre 2017)

 

Niki Lauda, Ferrari Ercole Colombo

Viel schwerer als die Verbrennungen wog die Vergiftung, die sich Lauda mit dem Einatmen des Qualms zugezogen hatte. Er fiel ins Koma, erhielt die letzte Ölung. Doch noch war seine Zeit nicht gekommen. Lauda sprang dem Tod von der Schippe und saß schon wenige Wochen nach seinem Unfall wieder im Rennauto.

 

Niki Lauda, Ferrari 312T2 LAT Images

Lauda wurde beim Comeback in Monza Vierter, in Italien aber ein weiteres Mal wie ein Held gefeiert. Die Krone ging 1976 trotzdem an James Hunt - weil es Lauda im Monsunregen von Fuji zu gefährlich war, ein Formel-1-Rennen zu bestreiten.

 

Niki Lauda, Ferrari 312T2 LAT Images

Doch Lauda war nicht lange Zweiter. Schon im darauffolgenden Jahr 1977 wurde er wieder Weltmeister, überwarf sich aber mit Enzo Ferrari, litt unter den Folgen seines Unfalls und haderte mit Carlos Reutemann als Teamkollegen. Folge: Schon bei den abschließenden zwei Grands Prix saß Gilles Villeuneve in seinem Auto - das Lieblingskind des Commendatore.

 

Niki Lauda, Brabham BT46B Alfa Romeo LAT Images

Lauda heuerte bei Brabham an, wo seine Karriere einen Knick erlebte. Mit unterlegenem Material gelangen ihm in den Jahren 1978 und 1979 nur zwei Siege. Noch während des Freien Trainings in Kanada machte er seinen Rücktritt bekannt und widmete sich fortan seiner zweiten Leidenschaft: der Fliegerei.

 

Niki Lauda, McLaren MP4B Ford LAT Images

1982 dann das Comeback bei McLaren: In Long Beach und in Brands Hatch landete er zwei Siege und schloss das Jahr als Fünfter der WM-Gesamtwertung ab.

 

Podium: 1. Niki Lauda, McLaren Ford; 2. Keke Rosberg, Williams Ford; 3. Gilles Villeneuve, Ferrari LAT Images

Lauda jubelte wieder wie einst bei Ferrari und startete den Angriff auf den dritten Titel seiner Karriere. Neben seinen Leistungen auf der Strecke machte er sich in dieser Zeit für seinen Einsatz für die Rechte der Formel-1-Piloten verdient.

 

Podium: 1. Alain Prost, McLaren; 2. Niki Lauda, McLaren; 3. Ayrton Senna, Toleman Sutton Images

Und er wurde der einzige Teamkollege in der Geschichte, der es schaffte, Alain Prost im WM-Kampf nach Punkten zu überflügeln. 1984 gab es beim Saisonfinale die knappste WM-Entscheidung aller Zeiten, als Lauda mit 0,5 Punkten Vorsprung zum dritten Mal Weltmeister wurde.

 

Niki Lauda, McLaren-Porsche MP4/2B TAG LAT Images

Doch der "Professor", der im Motorsport kurioserweise genau den gleichen Ansatz verfolgte wie Lauda, schlug zurück und wurde selbst Champion. Sein Technikpech verhagelte Lauda die Saison 1985. Er lehnte ein Angebot Bernie Ecclestones, zu Brabham zu wechseln, ab und trat ein zweites Mal zurück.

 

Niki Lauda, Jaguar Jaguar Racing

Nachdem er in den 90er-Jahren kurzzeitig Berater bei Ferrari gewesen war, kehrte Lauda aus der Luftfahrtbranche in die Formel 1 zurück. Er übernahm 2002 den Rennleiter- und anschließend den Teamchefposten bei Jaguar und arbeitete mit US-Legende Bobby Rahal zusammen. Lauda ließ es sich nicht nehmen, das Auto selbst zu testen.

 

Niki Lauda, Mercedes XPB Images

Nachdem 2003 bei Jaguar Schluss war, Lauda einen Ausflug in die Mietwagenbranche unternommen hatte und mit dem Aufkauf der Mehrheitsanteile an der Aero Lloyd Austria wieder im Airline-Business mit von der Partie war, lockte erneut die Formel 1. Dieses mal bei den "Silberpfeilen". Lauda wurde 2012 Aufsichtsratsboss beim Mercedes-Team. Er war bis Ende 2017 weiter als TV-Experte für RTL an Bord.

 

Niki Lauda, Ferrari, gibt bein starkem Regen auf LAT Images

2013 setzte Regisseur Ron Howard der Saison 1976 mit seinem Kinoepos "Rush" ein Monument. In der Rolle des verbissenen Jungspunds Niki Lauda: Daniel Brühl.

 

Niki Lauda, Aufsichtsratsvorsitzender Mercedes AMG F1 XPB Images

Seine Rolle als Aufsichtsratsboss bei Mercedes verlängerte er Anfang 2017. Er übte das Amt bis zu seinem Tod aus.

 

Niki Lauda, Mercedes Geschäftsführer XPB Images

2018 schockte die Nachricht, dass sich Lauda einer Lungentransplantation unterziehen muss. Diese verlief ohne Komplikationen. Noch ahnte keiner, dass er nie wieder einen Grand Prix besuchen würde ...

 

Get well soon message for Niki Lauda, Mercedes AMG F1 Non-Executive Chairman Manuel Goria / Sutton Images

Auch im Fahrerlager wurde er schmerzlich vermisst. Ein Comeback in Abu Dhabi scheiterte, auch weil ihm eine weitere Influenza-Infektion in der Reha zurückwarf.

 

Obituary Niki lauda Sutton Images

Am 20. Mai 2019 zog Lauda überraschend ein letztes Mal sein berühmtes Kapperl - diesmal endgültig. Wie so oft in seinem Leben überraschte er die Motorsportwelt, die Nachricht seines Todes kam ohne jede Vorankündigung. Niki Lauda hinterlässt seine Ehefrau Birgit und insgesamt fünf Kinder.