Foulspiel in der "Höhle der Löwen": Wie ein Investor Sympathien verspielte

Ute Nardenbach
·Lesedauer: 6 Min.

Es wurde Zeit: Endlich mal wieder ein Deal für Nils Glagau! Doch dank dieser Aktion werden die Beliebtheits-Werte des Investors wohl nicht steigen ...

Er ist nicht unbedingt der beliebteste unter den "Löwen" - vorsichtig ausgedrückt. Ob es daran liegt, dass Nils Glagau "der Neue" ist, oder einfach, weil er "gefühlt" aus jedem Pitch frühzeitig aussteigt? In der aktuellen und vorerst letzten Folge der VOX-Gründershow hat sich der Orthomol-Chef nun jedenfalls nicht mehr Freunde gemacht. Denn er setzte einem Gründer - ganz beleidigte Leberwurst - die Pistole auf die Brust. Ein Großer unter den "Raubkatzen" ging derweil nach sechs Jahren und sieben Staffeln "Die Höhle der Löwen" ganz leise: "Ich bin tief dankbar, dass ich das erleben durfte!", erklärte Tech-Guru Frank Thelen.

Zunächst machte Nils Glagau beim Pitch von "Panthergrip" eine extrem gute Figur. Der "Wunsch-Löwe" des Gründers Hannes Mirow sollte dessen spezielle Schienbeinschoner anprobieren - inklusive feschem Fußballer-Outfit. "Jetzt will ich aber was sehen!", forderte Judith Williams, als sich der Investor hinter einer Wand umzog. "Die Waden vom Nils zum ersten Mal ... ziemlich heiße Geschichte. Ich versuche, mich unter Kontrolle zu halten!" Selbst Dagmar Wöhrl gab zu: "Wir sind schon ganz nervös!" Dazu war auch genug Zeit: "Ich hab mich noch nie in meinem Leben so lange umgezogen wie er!", erklärte Williams irgendwann ungeduldig. "Früher bei Fashion-Shows hatten wir 56 Sekunden Zeit mit allem", ergänzte Wöhrl, "Miss Germany" 1977, genervt.

Friss oder stirb!

Nach einer halben Ewigkeit erschien der 44-Jährige schließlich und machte einen recht sportlichen Eindruck. Vom "ersten unverrutschbaren Schienbeinschoner der Welt" war er auf Anhieb begeistert. "Ich glaub an dich! Ich glaub, ich bin genau der richtige 'Löwe'!", erklärte Glagau und bot die gewünschten 125.000 Euro für 25 Prozent an "Panthergrip". "Es waren zwar nur 120.000, aber ich nehm' auch 125.000 Euro!", erwiderte Mirow, der sich erfreut den anderen "Löwen" zuwandte.

Als gerade Ralf Dümmel an der Reihe war, wurde Glagau bissig: "Du kannst natürlich noch ganz viele Fragen beantworten: Dann bin ich raus! Musst du dir jetzt überlegen!" Dümmel zog die Augenbrauen weit nach oben. "Darf ich fragen, was der Hintergrund ist, dass ich mir die anderen Angebote nicht anhören soll?", traute sich der Gründer immerhin noch zu sagen. "Ich glaub an dich. Ich glaub an das Produkt. Es kommt selten vor, dass man so früh sagt: 'Ich steh dahinter!'", erklärte Nils. "Das ist für mich auch ein Risiko ... Und dann läuft das Prozedere ganz normal weiter? Dann kann ich mir das auch sparen!" Das überzeugte Hannes Mirow offenbar: "Sie waren mein 'Wunsch-Löwe' von vornherein", erklärte er. Deal! "Ich wünsch dir viel Glück. Wir wissen nicht viel über ihn", fand Dagmar Wöhrl. Kommentar Glagau: "No risk, no fun!"

Wenn der Carsten mit dem Ralf ...

Beim Pitch von "drinkbetter" versuchte Ralf Dümmel einen ähnlichen Move - allerdings in sympathisch: "Komm, Carsten, wir testen jetzt, ob die schnell und spontan sind!", erklärte der Handelsmogul, der gemeinsam mit Carsten Maschmeyer in das Nahrungsergänzungsmittel der beiden Sportgrößen Johannes "Jogi" Bitter (Handball-Weltmeister 2007) und Christian Monzel (ehemaliger Spieler und Co-Trainer der 1. Hockey-Bundesliga) investieren wollte. "Wir sind beide überzeugt, und wir testen jetzt mal, ob ihr uns auch unbedingt wollt. Und bevor hier irgendwas passiert und noch andere Angebote kommen, sagen Carsten Maschmeyer und ich: 'Wir glauben an die Geschichte!'"

"Wir geben den anderen gerne die Chance - und dann sind wir spontan!", konterte Monzel. Im Gegensatz zu Glagau waren Dümmel und Maschmeyer allerdings nicht angefressen, sondern ließen in Ruhe noch Dagmar Wöhrl ihr Angebot abgeben. Obwohl die weniger Prozente wollte (20 Prozent für 200.000 Euro), kam es zum Doppel-"Löwen"-Deal: 30 Prozent für 300.000 Euro - plus Working Capital zum Abwinken. "Was würden wir denn an Working Capital brauchen?", wollten die Gründer wissen. Maschmeyer gelangweilt: "Ne Million!" - "Und die würden Sie uns geben?" - "Ja. Ja klar!" Ist der Papst katholisch? Beim Deal wurde Maschmeyer dann etwas emotionaler: "Mein Sohn ist auch 2,05 Meter!", erklärte er dem Ex-National-Torhüter bei der Umarmung.

"Auf der Weltreise haben die zu viel Basar erlebt!"

Und der letzte "Dümmel" für diese Staffel: Johannes Lutz und Christoph Lung lernten sich während einer Weltreise kennen. Und unter anderem da hatten die Globetrotter auch das Problem, dass Duschartikel sehr viel Platz im Gepäck einnehmen. Ihre nachhaltige Duschseife "Duschbrocken" soll nun Duschgel und Shampoo zugleich ersetzen. Dümmel wollte investieren, war allerdings von der Firmenbewertung (250.000 Euro wollten die beiden für gerade einmal zehn Prozent) abgeschreckt. Carsten Maschmeyer, der sich outete: "Ich nehme mein Shampoo auch als Duschgel", fasste es wie immer wortgewandt zusammen: "Das ist ein teurer Brocken! Da muss ich Ihnen den Kopf waschen!"

Dümmel bat die Gründer in seiner liebenswürdigen Art, noch mal in sich zu gehen und mit einer wesentlich realistischeren Bewertung wiederzukommen: "Kommt mir nicht mit 12,5 oder 15 Prozent um die Ecke!", forderte er. Ok, 20 Prozent. Fast! "Ich spür: Ihr wollt unbedingt, ich will unbedingt!", erklärte "Mister Regal". Auf 25 Prozent konnte man sich schließlich einigen. "Auf der Weltreise haben die zu viel Basar erlebt!", war sich Maschmeyer sicher.

"Ist das Bestandteil von irgendeiner Psychotherapie?"

Aus dem Traum von "keimEX" aus Marburg wurde dagegen nichts. Das Vater-Sohn-Gespann Ullrich und Paul Eitel will mit antibakteriellem Wandbelag (etwa für Krankenhäuser) das Familienunternehmen in fünfter Generation, "Marburger Tapetenfabrik", in die Zukunft führen. Problem war nicht nur, dass Sohnemann Paul kaum zu Wort kam: "Lassen Sie doch mal den Junior reden!", forderte Dagmar Wöhrl, bekanntlich Familienunternehmen-Beauftragte unter den "Löwen". Da Paul noch im Studium ist und Vater Ullrich die "Tapetenfabrik" weiter führen muss, sahen die Investoren auch keinen richtigen Ansprechpartner: "Wer denkt von morgens bis abends an 'keimEX'?", fragte sich nicht nur Maschmeyer. Kein Deal!

Noch schlimmer lief es für "Rankwerk" aus Kiel: Vor allem Georg Kofler veräppelte die beiden Gründer ordentlich. "Ist das Bestandteil von irgendeiner Psychotherapie?", ätzte der. "Oder einer neuen Sinnsuche? Das ist ja rational nicht erklärbar!" Hannes Popken und Dennis Lizarzaburu wollen vielbeschäftigten Städtern den Trend "Urban Gardening" näherbringen. Ihre Produktpalette beinhaltet unter anderem biologisches Saatgut, Gartenwerkzeuge und Pflanzengefäße. Ein Onlinekurs, der die Neu-Gärtner von der Aussaat bis zur Ernte begleitet, soll zudem für einen grünen Daumen sorgen. "Kinder, ich war Hütejunge auf der Alm! Ich halte dieses ganze Balkon-Gardening für ein typisch modernes städtisches Hirngespinst!", urteilte Kofler. Carsten Maschmeyer war auch nicht überzeugt: "Naive Gründer mit einer liebenswerten Idee. Keine Geschäftsleute!"