Frank Plasberg: "Mich macht diese Anmaßung sprachlos"

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Frank Plasberg ist genervt. Von der Corona-Pandemie und all ihren Folgen, aber auch von den Impfgegnern: "Jeder, der glaubt, auf YouTube eigene Quellen erschlossen zu haben, und ein Facebook-Studium absolviert hat, meint, auf Augenhöhe mit einem Arzt über medizinische Themen sprechen zu können."  (Bild: WDR / Stephan Pick)
Frank Plasberg ist genervt. Von der Corona-Pandemie und all ihren Folgen, aber auch von den Impfgegnern: "Jeder, der glaubt, auf YouTube eigene Quellen erschlossen zu haben, und ein Facebook-Studium absolviert hat, meint, auf Augenhöhe mit einem Arzt über medizinische Themen sprechen zu können." (Bild: WDR / Stephan Pick)

Dass ARD-Talker Frank Plasberg die Worte fehlen, kommt selten vor. Doch neuerdings, gibt der "Hart aber fair"-Gastgeber zu, passiert es öfter mal: "Beim Thema Impfungen werden Meinungen plötzlich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen gleichgesetzt - mich macht diese Anmaßung sprachlos und relativ ratlos."

Ja, die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft spüre auch er als TV-Moderator im besonderen Maße, sagte "Hart aber fair"-Gastgeber Frank Plasberg jetzt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau. Er "erlebe schon deutlich mehr Diskussionen - auch solche, die eigentlich gar keine Diskussionen mehr sind", erklärte Plasberg und prangerte "einen unglaublichen Verfall von fachlicher Autorität" an. Ihm gehe es dabei weniger um die Journalisten und Fernsehleute, die ja "nie oben auf der Hitliste der angesehenen Berufe" gestanden hätten, so der 64-Jährige. "Was mich mehr beschäftigt, ist, dass es inzwischen auch die erwischt hat, die eigentlich immer ganz oben auf der Autoritäts- und Glaubwürdigkeitsskala standen: die Ärzte, die Wissenschaftlerinnen."

"Jeder, der glaubt, auf YouTube eigene Quellen erschlossen zu haben und ein Facebook-Studium absolviert hat, meint, auf Augenhöhe mit einem Arzt über medizinische Themen sprechen zu können. Beim Thema Impfungen werden Meinungen plötzlich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen gleichgesetzt - mich macht diese Anmaßung sprachlos und relativ ratlos", sprach der ARD-Talker Klartext.

"Für Unterhaltung muss Raum bleiben": Mit vier Prominenten als Rategäste lädt Frank Plasberg wieder ein. Kurz vor Silvester präsentiert er im Ersten den traditionellen Jahresrückblick zum Mitraten und Mitspielen. Florian Silbereisen will es bei "2021 - Das QuiZ" wissen: Zum ersten Mal tritt er gegen die wohl erfahrenste Rate-Crew im deutschen Fernsehen an. Kann er gegen Günther Jauch, Barbara Schöneberger und Jan Josef Liefers bestehen? (Bild: SWR/ARD/WDR/Stephan Pick/Brand New Media/Montage Frey)
"Für Unterhaltung muss Raum bleiben": Mit vier Prominenten als Rategäste lädt Frank Plasberg wieder ein. Kurz vor Silvester präsentiert er im Ersten den traditionellen Jahresrückblick zum Mitraten und Mitspielen. Florian Silbereisen will es bei "2021 - Das QuiZ" wissen: Zum ersten Mal tritt er gegen die wohl erfahrenste Rate-Crew im deutschen Fernsehen an. Kann er gegen Günther Jauch, Barbara Schöneberger und Jan Josef Liefers bestehen? (Bild: SWR/ARD/WDR/Stephan Pick/Brand New Media/Montage Frey)

"Hat sich eine gewisse Hemmungslosigkeit entwickelt"

Auch er selbst werde "zunehmend" in der Öffentlichkeit angegangen, gab Frank Plasberg an: "Auch da hat sich eine gewisse Hemmungslosigkeit entwickelt", berichtete der Talkshow-Moderator und untermauerte seine Worte mit einer Anekdote: "Unlängst hat mich eine ältere Dame und klare Impfgegnerin in eine Diskussion verwickelt. Ich nahm mir Zeit und gab mir Mühe, erklärte ihr, dass ich natürlich kein Virologe bin, aber als Journalist versuche, das Thema so gut es geht zu durchdringen, und dass ich zu diesem Zweck Experten konsultiere. Ich habe auf Recherchen und Faktenchecks verwiesen, erläutert, wie wir unsere Arbeit machen, und ihr schließlich versichert, dass es aus meiner Sicht keine Alternative zur Impfung gibt und dass viele Ängste und Mythen zu diesem Thema auf mich eher skurril wirken. Sie entgegnete nur: 'Herr Plasberg, ich hätte Sie für klüger gehalten', drehte sich um und ging davon." Dies sei "leider ein ziemlich exemplarischer Auftritt" gewesen, versicherte Plasberg im teleschau-Gespräch.

Wenn man über die Hintergründe dieser bedenklichen Entwicklung reden wolle, komme man an den Sozialen Medien nicht vorbei, betonte Plasberg: "Natürlich sind sie Segen und Fluch. In einer Krise wie jetzt zeigt sich vor allem die negative Seite. Die Mythen und Märchen, die fahrlässige und bewusste Desinformation, die sie sich dort verbreiten, sie sind eine Gefahr für die Demokratie. Ganz abgesehen von dem rüden und bedrohlichen Ton, der sich zunehmend durchsetzt." Der "Hart aber fair"-Gastgeber unmissverständlich: "Wenn ich das, was da auf manchen Seiten als Reaktion auf unsere Sendung gepostet wird, für unsere durchschnittliche Zuschauerschaft halten würde, müsste ich sofort aufhören mit meinem Beruf."

Die letzte "Hart aber fair"-Sendung des Jahres ist bereits gelaufen. Aber, wie seit Jahren üblich, lädt Frank Plasberg zum Jahresabschluss noch einmal zur fröhlichen Raterunde ein. Am Dienstag, 28. Dezember, 20.15 Uhr, steht "2021 - Das Quiz" auf dem Programm. Dafür wurden im Ersten ganze dreieinviertel Stunden Sendezeit freigeräumt. Er sei überzeugt, sagte Plasberg der teleschau, "die Menschen freuen sich über etwas Ablenkung zum Jahresende".

Hartnäckig, neugierig, gespannt: "Hart aber fair"-Gastgeber Frank Plasberg, wie das ARD-Publikum ihn kennt. (Bild: WDR / Oliver Ziebe)
Hartnäckig, neugierig, gespannt: "Hart aber fair"-Gastgeber Frank Plasberg, wie das ARD-Publikum ihn kennt. (Bild: WDR / Oliver Ziebe)
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